Das erwar­te­te Gefäl­le der Zugangs­flä­che

Ob eine Hof- und Zugangs­flä­che einer Wohn­an­la­ge ein Gefäl­le zum leich­te­ren Abfluss von Ober­flä­chen­was­ser haben muss, kann nicht allein danach beur­teilt wer­den, dass es in der Bau­be­schrei­bung nicht vor­ge­se­hen und auch nicht zwin­gend erfor­der­lich ist. Es kommt viel­mehr dar­auf an, ob der Bestel­ler ein sol­ches Gefäl­le nach den dem Ver­trag zugrun­de lie­gen­den Umstän­den, ins­be­son­de­re dem ver­ein­bar­ten Qua­li­täts- und Kom­fortstan­dard, erwar­ten kann.

Das erwar­te­te Gefäl­le der Zugangs­flä­che

Der Unter­neh­mer ist ver­pflich­tet, das Werk so her­zu­stel­len, dass es die zuge­si­cher­ten Eigen­schaf­ten hat und nicht mit Feh­lern behaf­tet ist, die den Wert oder die Taug­lich­keit zu dem gewöhn­li­chen oder dem nach dem Ver­tra­ge vor­aus­ge­setz­ten Gebrauch auf­he­ben oder min­dern, § 633 Abs. 1 BGB. Die Leis­tung des Unter­neh­mers ist danach nur ver­trags­ge­recht, wenn sie die Beschaf­fen­heit auf­weist, die für den ver­trag­lich vor­aus­ge­setz­ten oder gewöhn­li­chen Gebrauch erfor­der­lich ist1.

Leis­tungs­be­schrei­bun­gen in Bau­trä­ger­ver­trä­gen sind nicht abschlie­ßend. Vie­le Details der Aus­füh­rung sind in ihnen nicht erwähnt oder genau­er beschrie­ben. Dar­aus, dass ein bestimm­tes Aus­füh­rungs­de­tail nicht erwähnt ist, kann nicht ohne wei­te­res geschlos­sen wer­den, dass es nicht geschul­det ist. Viel­mehr muss unter Berück­sich­ti­gung der gesam­ten Umstän­de des Ver­tra­ges geprüft wer­den, ob eine bestimm­te Qua­li­tät der Aus­füh­rung still­schwei­gend ver­ein­bart ist. Ent­spre­chen­de Qua­li­täts­an­for­de­run­gen kön­nen sich nicht nur aus dem Ver­trags­text, son­dern auch aus sons­ti­gen ver­trags­be­glei­ten­den Umstän­den, den kon­kre­ten Ver­hält­nis­sen des Bau­werks und sei­nes Umfel­des, dem qua­li­ta­ti­ven Zuschnitt, dem archi­tek­to­ni­schen Anspruch und der Zweck­be­stim­mung des Gebäu­des erge­ben2. Ent­spricht das ver­spro­che­ne Bau­werk dem übli­chen Qua­li­täts- und Kom­fortstan­dard, kann der Bestel­ler in der Regel auch die Aus­füh­rung nicht näher beschrie­be­ner Details in die­sem Stan­dard ver­lan­gen und muss sich nicht mit einem Min­dest­stan­dard zufrie­den geben3.

Ent­schei­dend kommt es auch nicht dar­auf an, ob ein Gefäl­le zwin­gend erfor­der­lich ist. So mag es sein, dass die Gebrauchs­dau­er des Belags nicht gemin­dert ist, wenn ein Gefäl­le fehlt. Auch mag es sein, dass das Gefäl­le nicht ver­hin­dern kann, dass es im Win­ter zu Ver­ei­sun­gen des Hof­be­lags kom­men kann. Das besagt aber nichts dar­über, ob das Gefäl­le nicht gleich­wohl nach dem dem Ver­trag zugrun­de geleg­ten Qua­li­täts­stan­dard geschul­det ist, um zu bewir­ken, dass das Was­ser schnel­ler abfließt, womit grö­ße­re Pfüt­zen, die auch zu umfang­rei­che­ren Ver­ei­sun­gen im Win­ter und grö­ße­ren Ver­schmut­zun­gen füh­ren kön­nen, ver­hin­dert wer­den kön­nen.

Vor­lie­gend hat­te der gericht­lich bestell­te Sach­ver­stän­di­ge ledig­lich fest­ge­stellt, es lägen kei­ne norm­ge­mä­ßen Anga­ben bzw. kein Regel­werk vor, das ein Gefäl­le bei einem Belag mit Epo­xyd­harz vor­se­he. Das beant­wor­tet nicht die Fra­ge, ob es eine unge­schrie­be­ne aner­kann­te Regel der Tech­nik gibt, die das Gefäl­le for­dert. Die­se wäre eben­so maß­geb­lich wie eine geschrie­be­ne Regel4.

Inso­weit wird eine Aus­ein­an­der­set­zung damit erwar­tet wer­den kön­nen, dass für ande­re Belä­ge nach den aner­kann­ten Regeln der Tech­nik ein Gefäl­le vor­ge­schrie­ben ist und es einen nach­voll­zieh­ba­ren Grund geben muss, war­um das für die­sen Belag nicht gel­ten soll­te.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 21. Novem­ber 2013 – VII ZR 275/​12

  1. BGH, Urteil vom 16.07.1998 – VII ZR 350/​96, BGHZ 139, 244, 247; Urteil vom 10.11.2005 – VII ZR 147/​04, BauR 2006, 375, 376 = NZBau 2006, 112 []
  2. BGH, Urteil vom 04.06.2009 – VII ZR 54/​07, BGHZ 181, 225 Rn. 12; Urteil vom 14.06.2007 – VII ZR 45/​06, BGHZ 172, 346 Rn. 25 []
  3. vgl. BGH, Urteil vom 14.06.2007 – VII ZR 45/​06, BGHZ 172, 346 Rn. 25 []
  4. vgl. BGH, Urteil vom 19.01.1995 – VII ZR 131/​93, BauR 1995, 230, 231 []