Das Fax ans Gericht – und die Fris­ten­kon­trol­le

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs genügt der Rechts­an­walt sei­ner Pflicht zur wirk­sa­men Aus­gangs­kon­trol­le fris­t­wah­ren­der Schrift­sät­ze nur dann, wenn er sei­ne Ange­stell­ten anweist, nach einer Über­mitt­lung per Tele­fax anhand des Sen­de­pro­to­kolls zu über­prü­fen, ob der Schrift­satz voll­stän­dig und an das rich­ti­ge Gericht über­mit­telt wor­den ist [1].

Das Fax ans Gericht – und die Fris­ten­kon­trol­le

Die­se zwin­gend not­wen­di­ge Aus­gangs­kon­trol­le muss sich ent­we­der – für alle Fäl­le – aus einer all­ge­mei­nen Kanz­lei­an­wei­sung oder – in einem Ein­zel­fall – aus einer kon­kre­ten Ein­zel­an­wei­sung erge­ben [2].

Eine eides­statt­li­che Ver­si­che­rung der Kanz­lei­an­ge­stell­te, in der die­se erklärt, sie habe es „wohl ver­säumt, das Fax­pro­to­koll dar­auf­hin zu über­prü­fen, ob das Fax durch­ge­gan­gen ist“, ist hier­für nicht aus aus­rei­chend. Die­se For­mu­lie­rung impli­ziert nicht, dass sie zur Über­prü­fung ange­wie­sen gewe­sen sei. Aus dem all­ge­mei­nen Sprach­ge­brauch des Wor­tes „ver­säumt“ lässt sich ein Ver­stoß gegen eine Anwei­sung nicht ablei­ten. Ein Ver­säum­nis kann sich z.B. auch auf eine unaus­ge­spro­che­ne Übung bezie­hen. Eine sol­che Übung steht einer Anwei­sung nicht gleich.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 12. Mai 2016 – V ZB 135/​15

  1. BGH, Beschluss vom 18.02.2016 – V ZB 86/​15, NJW-RR 2016, 636 Rn. 7; BGH, Beschluss vom 31.10.2012 – III ZB 51/​12 6; Beschluss vom 29.06.2010 – VI ZA 3/​09, NJW 2010, 3101 Rn. 8; Beschluss vom 14.05.2008 – XII ZB 34/​07, NJW 2008, 2508 Rn. 11; Beschluss vom 13.06.1996 – VII ZB 13/​96, NJW 1996, 2513[]
  2. BGH, Beschluss vom 14.05.2008 – XII ZB 34/​07, NJW 2008, 2508 Rn. 12[]