Das GbR-Grund­stück in der Tei­lungs­ver­stei­ge­rung

Gegen­stand eines Tei­lungs­ver­stei­ge­rungs­ver­fah­rens kann auch das Grund­stück einer GbR sein. Die Aner­ken­nung der Rechts­fä­hig­keit der GbR ändert dar­an nichts. Den Antrag kann der ein­zel­ne Gesell­schaf­ter stel­len, ohne zuvor sei­nen Anspruch auf Ver­stei­ge­rung des Gesell­schafts­grund­stücks gegen die übri­gen Gesell­schaf­ter oder die GbR gericht­lich durch­set­zen zu müs­sen. Die GbR selbst und die übri­gen Gesell­schaf­ter kön­nen Ein­wän­de aus dem Gesell­schafts­ver­trag oder dem Gesell­schafts­ver­hält­nis gegen die Tei­lungs­ver­stei­ge­rung im Wege der Wider­spruchs­kla­ge ana­log § 771 ZPO gel­tend machen.

Das GbR-Grund­stück in der Tei­lungs­ver­stei­ge­rung

Die Anord­nung der Tei­lungs­ver­stei­ge­rung durch das Voll­stre­ckungs­ge­richt ist auch zur Aus­ein­an­der­set­zung des Ver­mö­gens einer gekün­dig­ten GbR zuläs­sig.

Die Zuläs­sig­keit der Tei­lungs­ver­stei­ge­rung ergibt sich aller­dings nicht (mehr) unmit­tel­bar aus § 180 Abs. 1 ZVG. Denn das Grund­stück einer GbR steht in deren Allein­ei­gen­tum und nicht im gemein­schaft­li­chen Eigen­tum ihrer Gesell­schaf­ter [1]. Dass die GbR nach § 47 Abs. 2 GBO unter Anga­be ihrer Gesell­schaf­ter ein­zu­tra­gen ist, ändert dar­an nichts [2].

Die Zuläs­sig­keit der Tei­lungs­ver­stei­ge­rung eines Gesell­schafts­grund­stücks ergibt sich aber dar­aus, dass für die Aus­ein­an­der­set­zung des Ver­mö­gens einer gekün­dig­ten GbR nach § 731 Satz 2 BGB die Regeln der Gemein­schaft gel­ten und die Tei­lung eines Grund­stücks danach gemäß § 753 Abs. 1 BGB durch Tei­lungs­ver­stei­ge­rung zu erfol­gen hat. Dar­aus folgt nach heu­te nahe­zu unbe­strit­te­ner Ansicht, dass auch das Grund­stück einer GbR im Wege der Tei­lungs­ver­stei­ge­rung, für die dann die Vor­schrif­ten der §§ 181 bis 184 ZVG ent­spre­chend gel­ten, ver­stei­gert wer­den kann [3]. Die frü­her im Anschluss an das Reichs­ge­richt [4] ver­tre­te­ne Ansicht, § 753 Abs. 1 BGB sei auf Gesell­schafts­ver­mö­gen nicht anwend­bar, weil die­ses nach der Ver­kehrs­sit­te zu ver­wer­ten sei [5], ist heu­te über­holt [6] und ver­kürz­te auch die Aus­sa­ge des Reichs­ge­richts, das die Pfand­ver­wer­tung und damit bei einem Grund­stück die Tei­lungs­ver­stei­ge­rung als letz­tes Mit­tel stets zuließ [7]. An der ent­spre­chen­den Anwend­bar­keit der Vor­schrif­ten über die Tei­lungs­ver­stei­ge­rung auf Gesell­schafts­grund­stü­cke ändert auch die Aner­ken­nung der Teil­rechts­fä­hig­keit der GbR durch den Bun­des­ge­richts­hof [8] nichts [9]. Die Teil­rechts­fä­hig­keit hat nur die Zuord­nung des Gesell­schafts­ver­mö­gens, nicht aber die Anwen­dung der Vor­schrif­ten über die Auf­lö­sung der GbR ver­än­dert.

Ein GbR-Gesell­schaf­ter ist allein befugt, die Anord­nung der Tei­lungs­ver­stei­ge­rung zu bean­tra­gen.

Die Fra­ge, wer bei Grund­stü­cken einer GbR zur Stel­lung des Antrags auf Teil­ver­stei­ge­rung berech­tigt ist, ist umstrit­ten. Nach einer Ansicht ist der ein­zel­ne Gesell­schaf­ter nicht zur Stel­lung des Antrags auf Anord­nung der Tei­lungs­ver­stei­ge­rung befugt. Die Antrags­be­fug­nis ste­he viel­mehr nur allen Gesell­schaf­tern gemein­sam zu, weil ihnen nach erfolg­ter Kün­di­gung der Gesell­schaft gemäß § 730 Abs. 2 Satz 2 BGB die Geschäfts­füh­rung gemein­schaft­lich oblie­ge [10]. Nach der Gegen­auf­fas­sung, der auch das Land­ge­richt Ber­lin in der hier ange­grif­fe­nen Beschwer­de­ent­schei­dung folgt [11], ist die Tei­lungs­ver­stei­ge­rung des Grund­stücks einer gekün­dig­ten GbR auf Antrag jedes ein­zel­nen Gesell­schaf­ters zuläs­sig [12]. Der Bun­des­ge­richts­hof hat sich mit der Fra­ge bis­lang nur ein­mal aus­drück­lich befasst [13], sie aber nicht ent­schie­den [14]. Der Bun­des­ge­richts­hof ist mitt­ler­wei­le jedoch unaus­ge­spro­chen von der Antrags­be­fug­nis des ein­zel­nen Gesell­schaf­ters aus­ge­gan­gen [15].

Dar­an hält der Bun­des­ge­richts­hof fest.

Nach dem Wort­laut der maß­geb­li­chen Vor­schrif­ten kann der ein­zel­ne Gesell­schaf­ter einer GbR die Tei­lungs­ver­stei­ge­rung eines Grund­stücks der GbR bean­tra­gen. Nach § 731 Satz 2 BGB gel­ten näm­lich für die Aus­ein­an­der­set­zung der GbR die Vor­schrif­ten über die Gemein­schaft. Die­se ver­wei­sen in § 753 Abs. 1 Satz 1 Halb­satz 2 BGB auf die Zwangs­ver­stei­ge­rung, und damit auf die beson­de­ren Vor­schrif­ten über die Ver­stei­ge­rung zur Auf­he­bung einer Gemein­schaft in den §§ 180 bis 184 ZVG. Nach § 181 ZVG bedarf der Teil­ha­ber zur Ein­lei­tung des Ver­fah­rens kei­nes Titels. Er kann viel­mehr ohne Wei­te­res die Tei­lungs­ver­stei­ge­rung bean­tra­gen [16]. Er muss aller­dings nach § 181 Abs. 2 Satz 1 ZVG als Mit­be­rech­tig­ter im Grund­buch ein­ge­tra­gen sein. Dem ent­spricht bei der GbR die Ein­tra­gung als Gesell­schaf­ter nach Maß­ga­be von § 47 Abs. 2 GBO.

Das Antrags­recht des ein­zel­nen Gesell­schaf­ters ent­spricht auch den Vor­stel­lun­gen des his­to­ri­schen Gesetz­ge­bers.

Das Antrags­recht des Teil­ha­bers ist nach der ihm zugrun­de lie­gen­den mate­ri­ell­recht­li­chen Rege­lung in § 749 Abs. 1 BGB aller­dings schon bei der Gemein­schaft nicht selbst­ver­ständ­lich. Nach die­ser Vor­schrift kann der Teil­ha­ber von den übri­gen jeder­zeit die Auf­he­bung der Gemein­schaft ver­lan­gen. Das lässt erwar­ten, dass er die­sen Auf­he­bungs­an­spruch gegen die übri­gen Teil­ha­ber gericht­lich durch­set­zen muss und erst auf der Grund­la­ge eines ent­spre­chen­den Titels die Tei­lungs­ver­stei­ge­rung bean­tra­gen kann. Ein Teil der vor dem Erlass des Geset­zes über die Zwangs­ver­stei­ge­rung und die Zwangs­ver­wal­tung gel­ten­den lan­des­recht­li­chen Rege­lun­gen ließ des­halb die Tei­lungs­ver­stei­ge­rung, anders als in dem heu­ti­gen § 181 Abs. 1 ZVG vor­ge­se­hen, nur auf Grund eines Titels über die Auf­he­bung der Gemein­schaft gegen die übri­gen Teil­ha­ber zu. Ande­re lan­des­recht­li­che Rege­lun­gen, ins­be­son­de­re das dama­li­ge preu­ßi­sche Recht, ver­zich­te­ten dem­ge­gen­über auf einen sol­chen Titel und lie­ßen einen ein­fa­chen Antrag genü­gen. Der ers­te Ent­wurf des dama­li­gen Bun­des­rats für ein Gesetz betref­fend die Zwangs­voll­stre­ckung in das unbe­weg­li­che Ver­mö­gen folg­te dem ers­ten Lösungs­an­satz und sah in sei­nem § 229 kei­ne Aus­nah­me von dem an sich bestehen­den Erfor­der­nis eines Voll­stre­ckungs­ti­tels vor. Nicht die Teil­ha­ber, die mit einer Tei­lungs­ver­stei­ge­rung nicht ein­ver­stan­den waren, soll­ten auf den Kla­ge­weg ver­wie­sen wer­den, son­dern der­je­ni­ge, der sie anstreb­te [17]. Im wei­te­ren Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren setz­te sich dage­gen schon in der Erst­fas­sung des Geset­zes über die Zwangs­ver­stei­ge­rung und die Zwangs­ver­wal­tung mit dem heu­ti­gen § 181 Abs. 1 ZVG das preu­ßi­sche Recht durch. Die Zuläs­sig­keit der Tei­lung sei in den meis­ten Fäl­len unstrei­tig. Es bedür­fe des­halb kei­nes Rechts­streits dar­über, der für die Betei­lig­ten nur unnö­ti­gen Kos­ten­auf­wand ver­ur­sa­che. Der Teil­ha­ber, der die Unzu­läs­sig­keit der Tei­lung behaup­te, kön­ne dar­auf ver­wie­sen wer­den, die­sen Ein­wand mit der Wider­spruchs­kla­ge ana­log dem heu­ti­gen § 771 ZPO gel­tend zu machen. Außer­dem kön­ne die Tat­sa­che, dass die Auf­he­bung der Gemein­schaft aus­ge­schlos­sen sei, in das Grund­buch ein­ge­tra­gen wer­den (vgl. § 1010 Abs. 1 BGB) und sei dann von dem Voll­stre­ckungs­ge­richt zu berück­sich­ti­gen [18].

Bei der Schaf­fung des heu­ti­gen § 731 Satz 2 BGB hat eine ver­gleich­ba­re Dis­kus­si­on nicht statt­ge­fun­den. Der dama­li­ge Reichs­ge­setz­ge­ber hat für die Tei­lung des Gesell­schafts­ver­mö­gens auf das Recht der Gemein­schaft ver­wie­sen, weil dies dem frü­he­ren Lan­des­zi­vil­recht ent­sprach. Er hat die Ein­zel­hei­ten im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren nicht wei­ter reflek­tiert [19]. Das lag damals aller­dings auch nahe. Die GbR war sei­ner­zeit nicht als rechts­fä­hig aner­kannt. Der Reichs­ge­setz­ge­ber ging im Gegen­teil davon aus, dass ein „geschlos­se­nes Gesell­schafts­ver­mö­gen“ nicht bestehe, viel­mehr das „in Fol­ge des Ver­trags gemein­schaft­lich gewor­de­ne Ver­mö­gen“ den Gesell­schaf­tern selbst zuste­he [20]. Mit dem Ver­weis auf das Gemein­schafts­recht hat er aber auch die dort gefun­de­ne ver­fah­rens­recht­li­che Lösung für die GbR über­nom­men.

Die mit § 731 Satz 2, § 753 Abs. 1 Satz 1 BGB nach wie vor vor­ge­schrie­be­ne Anwen­dung des Gemein­schafts­rechts auch in ver­fah­rens­recht­li­cher Hin­sicht steht nicht im Wider­spruch zu der durch die Aner­ken­nung der Rechts­fä­hig­keit der GbR ver­än­der­ten Sys­te­ma­tik des Rechts der GbR oder zu des­sen Zwe­cken. Zwin­gen­de Grün­de, die Vor­schrift des § 731 Satz 2 BGB ein­schrän­kend aus­zu­le­gen, bestehen des­halb nicht.

Die Vor­stel­lung des Reichs­ge­setz­ge­bers, dass es ein „geschlos­se­nes Gesell­schafts­ver­mö­gen“ nicht gebe, die­ses viel­mehr den Gesell­schaf­tern zuste­he, ist aller­dings durch die Aner­ken­nung der Rechts­fä­hig­keit der GbR über­holt. Deren wesent­li­che Rechts­fol­ge ist, dass es eben die­ses geschlos­se­ne Gesell­schafts­ver­mö­gen heu­te gibt und dass das von dem Reichs­ge­setz­ge­ber so bezeich­ne­te „in Fol­ge des Ver­trags gemein­schaft­lich gewor­de­ne Ver­mö­gen“ gera­de nicht mehr den Gesell­schaf­tern, son­dern dem Ver­band selbst zusteht. Ent­schei­den­de Ver­än­de­run­gen bewirkt die­se kon­zep­tio­nel­le Neu­ori­en­tie­rung aber nur für die wer­ben­de AußenGbR. Sie hät­te den Gesetz­ge­ber ver­an­las­sen kön­nen, die Abwick­lung einer sol­chen GbR stär­ker an die Abwick­lung einer oHG anzu­nä­hern, wie sie nament­lich in § 146 Abs. 1 und § 155 Abs. 1 HGB gere­gelt ist. Eine sol­che Ände­rung hat der Gesetz­ge­ber indes­sen nicht vor­ge­nom­men. Sie ist auch nicht zwin­gend. Die Auf­tei­lung des Grund­ver­mö­gens einer GbR betrifft – nach Beglei­chung der Ver­bind­lich­kei­ten gegen­über Drit­ten – das Innen­ver­hält­nis der Gesell­schaf­ter in der Abwick­lungs­pha­se unter­ein­an­der. In die­sem Ver­hält­nis wirkt sich die Aner­ken­nung der Rechts­fä­hig­keit nicht aus. Jeden­falls lässt sich die Auf­tei­lung des Grund­ver­mö­gens der GbR unter Anwen­dung der Rege­lun­gen über die Tei­lungs­ver­stei­ge­rung vor­neh­men, wie das bis heu­te gesetz­lich vor­ge­se­hen ist.

Auch die Beson­der­hei­ten der Abwick­lung einer GbR ste­hen der Anwen­dung der Vor­schrif­ten über die Tei­lungs­ver­stei­ge­rung nicht ent­ge­gen. Anders als eine typi­sche Gemein­schaft kann die GbR aller­dings nicht sofort durch Umset­zung ihres Ver­mö­gens in Geld (vgl. § 733 Abs. 3 BGB) voll­be­en­det wer­den. Sie wird in ihrer wer­ben­den Pha­se Ver­bind­lich­kei­ten ein­ge­gan­gen sein und noch Außen­stän­de haben. Bei­des muss geord­net abwi­ckelt wer­den. Des­halb sieht das Gesetz in § 733 Abs. 3 und § 734 BGB die Umset­zung von Gesell­schafts­ver­mö­gen in Geld nur für den Fall vor, dass das Geld­ver­mö­gen der GbR zur Erfül­lung ihrer Ver­bind­lich­kei­ten nicht aus­reicht oder dass die Ver­tei­lung des Über­schus­ses in Natur nicht erreich­bar ist. Sowohl die Abwick­lung als auch die Ver­tei­lung des Über­schus­ses obliegt nach § 730 Abs. 2 Satz 2 Halb­satz 2 BGB allen Gesell­schaf­tern gemein­schaft­lich. Die­se Beson­der­heit der GbR steht indes­sen einer Befug­nis des ein­zel­nen Gesell­schaf­ters zur Stel­lung des Antrags auf Anord­nung der Tei­lungs­ver­stei­ge­rung nicht ent­ge­gen. Zu der Stel­lung eines sol­chen Antrags wird es nur kom­men, wenn sich die Gesell­schaf­ter gera­de hier­auf geei­nigt haben oder, was näher liegt, weil sie sich über die Ver­wer­tung uneins sind, ihre gemein­schaft­li­che Geschäfts­füh­rung also gera­de nicht gelingt. In die­ser Lage kann der ein­zel­ne Gesell­schaf­ter die Ver­stei­ge­rung des Gesell­schafts­grund­stücks jeden­falls ver­lan­gen, wenn das Ver­mö­gen der Gesell­schaft – wie hier – im Wesent­li­chen nur aus dem Grund­stück besteht [13]. Es liegt dann nicht anders als bei der Gemein­schaft, bei der sich der Gesetz­ge­ber für einen Ver­zicht auf eine vor­he­ri­ge Kla­ge ent­schie­den hat. Dem ent­spricht die Ver­wei­sung in § 731 Satz 2 BGB.

Eine ein­schrän­ken­de Aus­le­gung von § 731 Satz 2 BGB gebie­tet auch der Umstand nicht, dass die Tei­lungs­ver­stei­ge­rung des Grund­stücks einer GbR eine wirk­sa­me Kün­di­gung der GbR vor­aus­setzt, im Tei­lungs­ver­stei­ge­rungs­ver­fah­ren aber nur die Abga­be und der Zugang der Kün­di­gungs­er­klä­rung, nicht ihre Wirk­sam­keit geprüft wer­den kann.

In der Not­wen­dig­keit einer wirk­sa­men Kün­di­gung unter­schei­det sich das Recht der GbR aller­dings von dem Recht der Gemein­schaft. Sie ent­spricht zwar funk­tio­nell dem Auf­he­bungs­an­spruch des Teil­ha­bers nach § 749 BGB, der, was aus § 749 Abs. 2 BGB folgt, auch aus­ge­schlos­sen oder ein­ge­schränkt wer­den kann. Es ist aber schon nicht so, dass der Gesetz­ge­ber mit dem Recht zur jeder­zei­ti­gen Kün­di­gung nach § 723 Abs. 1 BGB ein gesetz­li­ches Leit­bild für „die“ GbR fest­ge­legt hät­te. Viel­mehr ist das eine Rege­lung nur für eine von meh­re­ren unter­schied­li­chen, jedoch gleich­wer­tig neben­ein­an­der­ste­hen­den For­men der unbe­fris­te­ten und der befris­te­ten GbR [21]. Die­se unter­schied­li­chen For­men der GbR kön­nen in dem Gesell­schafts­ver­trag indi­vi­du­ell aus­ge­stal­tet wer­den. Es muss des­halb von dem Vor­han­den­sein sehr unter­schied­li­cher Kün­di­gungs­re­ge­lun­gen aus­ge­gan­gen wer­den. Dann aber feh­len Anhalts­punk­te dafür, dass es über die gesell­schafts[22]recht­li­chen Vor­ga­ben für die Kün­di­gung der GbR und die Ver­wer­tung ihres Ver­mö­gens unter den Gesell­schaf­tern der GbR in den meis­ten Fäl­len kei­nen Streit gäbe, wie der Gesetz­ge­ber das für die Gemein­schaft vor­aus­set­zen konn­te. Viel­mehr spricht viel dafür, dass es in einer nicht zu ver­nach­läs­si­gen­den Zahl von Fäl­len unter den Gesell­schaf­tern zu Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten dar­über kommt oder jeden­falls kom­men kann.

Auf die­sen Unter­schied kommt es aber nicht ent­schei­dend an. Der Gesetz­ge­ber hat auch bei der Gemein­schaft Streit dar­über nicht für unmög­lich gehal­ten, dass eine Auf­he­bung der Gemein­schaft aus­ge­schlos­sen oder ein­ge­schränkt und damit eine Tei­lungs­ver­stei­ge­rung nicht oder noch nicht zuläs­sig ist. Er woll­te die Last des gericht­li­chen Ver­fah­rens jedoch nicht dem auf­he­bungs­wil­li­gen, son­dern umge­kehrt dem Teil­ha­ber zumu­ten, der die Tei­lungs­ver­stei­ge­rung ver­hin­dern will. Es kommt des­halb ent­schei­dend dar­auf an, ob die­se Wer­tung auch für die GbR gerecht­fer­tigt ist. Der Bun­des­ge­richts­hof bejaht die­se Fra­ge:

Ohne ein Antrags­recht könn­te der ein­zel­ne Gesell­schaf­ter einer GbR die Tei­lungs­ver­stei­ge­rung des Grund­stücks der GbR nur errei­chen, wenn alle Gesell­schaf­ter zustim­men oder er sei­nen Ver­stei­ge­rungs­an­spruch ein­klagt. Die Zustim­mung aller Gesell­schaf­ter zu errei­chen wird nicht immer gelin­gen. Die Nicht­er­tei­lung der Zustim­mung muss dabei nicht sach­lich begrün­det sein. Sie kann ihren Grund auch in Bequem­lich­keit, Unsi­cher­heit oder Angst vor der in der Zustim­mung zum Aus­druck kom­men­den Mit­ver­ant­wor­tung für die Ver­stei­ge­rung haben. Ertei­len aber nicht alle Gesell­schaf­ter die Zustim­mung, muss der an der Ver­stei­ge­rung inter­es­sier­te Gesell­schaf­ter die Gesell­schaf­ter, die nicht zuge­stimmt haben, auf Zustim­mung ver­kla­gen, auch wenn sie eigent­lich kei­ne Sach­ein­wän­de haben. Die­se Last schien dem Gesetz­ge­ber bei der Gemein­schaft unan­ge­bracht. Die­se Wer­tung lässt sich auch bei der GbR durch­aus sach­lich recht­fer­ti­gen. Es gibt zahl­rei­che Ehe­gat­ten- und Grund­stücks­Ge­sell­schaf­ten bür­ger­li­chen Rechts, deren Aus­ein­an­der­set­zung letzt­lich nur im Wege der Tei­lungs­ver­stei­ge­rung mög­lich ist. Bei sol­chen Gesell­schaf­ten ver­ur­sach­te ein Zwang zur Kla­ge auf Zustim­mung zur oder Dul­dung der Zwangs­ver­stei­ge­rung nicht uner­heb­li­che, letzt­lich unnö­ti­ge Pro­zess­kos­ten; außer­dem erschwer­te und ver­zö­ger­te er eine Aus­ein­an­der­set­zung ohne Not. Bei ihnen liegt es nicht anders als bei der Aus­ein­an­der­set­zung der Gemein­schaft, auf deren Regeln § 731 Satz 2, § 753 Abs. 1 Satz 1 BGB ver­wei­sen.

Im Ergeb­nis genau­so liegt es bei grö­ße­ren Gesell­schaf­ten bür­ger­li­chen Rechts, ins­be­son­de­re sol­chen, die Trä­ger von Unter­neh­men sind.

Gera­de bei sol­chen Gesell­schaf­ten kann das Recht eines Gesell­schaf­ters, die Tei­lungs­ver­stei­ge­rung eines Gesell­schafts­grund­stücks ohne vor­he­ri­gen Rechts­streit zu bean­tra­gen, aller­dings zu Stö­run­gen füh­ren. Ein bös­wil­li­ger Gesell­schaf­ter könn­te den Umstand, dass die Wirk­sam­keit der Kün­di­gung der GbR im Tei­lungs­ver­stei­ge­rungs­ver­fah­ren von dem Voll­stre­ckungs­ge­richt nicht zu prü­fen ist, etwa dazu miss­brau­chen, mit einem sach­lich nicht gerecht­fer­tig­ten Antrag auf Ver­stei­ge­rung eines Betriebs­grund­stücks sei­nen gesell­schafts­in­ter­nen For­de­run­gen Nach­druck zu ver­lei­hen. Stö­run­gen sind auch mög­lich, wenn die GbR an sich auf­ge­löst wer­den soll, aber etwa Streit dar­über besteht, ob ein Betriebs­grund­stück iso­liert oder zusam­men mit dem Unter­neh­men der GbR ver­wer­tet wer­den soll. Hier könn­te ein Gesell­schaf­ter mit einem Antrag auf Tei­lungs­ver­stei­ge­rung des zur Unter­neh­mens­ver­äu­ße­rung benö­tig­ten Betriebs­grund­stücks die ande­ren Gesell­schaf­ter unter Druck set­zen.

Die­se mög­li­chen Stö­run­gen recht­fer­ti­gen es nach der Über­zeu­gung des Bun­des­ge­richts­hofs indes­sen nicht, die Grund­ent­schei­dung des Gesetz­ge­bers für das Antrags­recht des ein­zel­nen Gesell­schaf­ters ein­zu­schrän­ken. Der Gesetz­ge­ber hat sei­ne Ent­schei­dung bei dem Recht der Gemein­schaft nicht nur mit dem Kos­ten­ar­gu­ment, son­dern auch damit begrün­det, dass dem Teil­ha­ber, der sich gegen die Tei­lungs­ver­stei­ge­rung wen­det, der Rechts­streit eher zuzu­mu­ten sei. Die­se Über­le­gung trifft auch für die GbR und gera­de auch für sol­che Gesell­schaf­ten zu, die Trä­ge­rin­nen von Unter­neh­men sind und bei denen am ehes­ten Stö­run­gen zu befürch­ten sind. Die Tei­lungs­ver­stei­ge­rung von Gesell­schafts­grund­stü­cken schlecht­hin von einem Rechts­streit über die Ertei­lung der Zustim­mung zur Zwangs­ver­stei­ge­rung abhän­gig zu machen, wäre im Wesent­li­chen nur bei sol­chen Gesell­schaf­ten gerecht­fer­tigt. Gera­de deren Gesell­schaf­tern ist es aber ohne wei­te­res mög­lich und auch zuzu­mu­ten, sich gegen den Antrag mit der Wider­spruchs­kla­ge zur Wehr zu set­zen. Ihnen kommt dabei auch zugu­te, dass sich ein Gesell­schaf­ter, der mit einem Antrag auf Tei­lungs­ver­stei­ge­rung gegen sei­nen Pflich­ten als Gesell­schaf­ter ver­stößt, gegen­über der GbR selbst und gegen­über ihren Gesell­schaf­tern scha­den­er­satz­pflich­tig machen kann und damit ein beträcht­li­ches Haf­tungs­ri­si­ko ein­geht. Die so ent­ste­hen­de Last eines Wider­spruchs­kla­ge­ver­fah­rens ist den Gesell­schaf­tern einer GbR nicht zuletzt auch des­halb zuzu­mu­ten, weil sie die­se Fol­ge durch einen Form­wech­sel in eine der Gesell­schafts­for­men ver­mei­den kön­nen, die der Gesetz­ge­ber spe­zi­ell für die Füh­rung von Unter­neh­men vor­ge­se­hen hat. Die­ser wäre etwa beim Wech­sel in eine oHG ohne gro­ßen Auf­wand durch Anmel­dung zum Han­dels­re­gis­ter mög­lich.

Der Gesell­schaf­ter muss fer­ner nicht im Inter­es­se eines effek­ti­ven Schut­zes der GbR selbst oder der übri­gen Gesell­schaf­ter dar­auf ver­wie­sen wer­den, vor der Stel­lung des Antrags auf Tei­lungs­ver­stei­ge­rung den Ver­stei­ge­rungs­an­spruch gegen die übri­gen Gesell­schaf­ter gericht­lich durch­zu­set­zen. Die GbR und die übri­gen Gesell­schaf­ter kön­nen ihre Rech­te mit einer Wider­spruchs­kla­ge ana­log § 771 BGB wirk­sam wahr­neh­men. Die Tei­lungs­ver­stei­ge­rung wird zwar nicht allein durch Erhe­bung einer sol­chen Kla­ge auf­ge­hal­ten. Ana­log § 771 Abs. 3, § 769 ZPO kann das Pro­zess­ge­richt aber mit einer einst­wei­li­gen Anord­nung die Ein­stel­lung des Ver­fah­rens anord­nen. Die­se Mög­lich­keit trägt einer­seits den berech­tig­ten Inter­es­se der GbR und der übri­gen Gesell­schaf­ter, ander­seits aber auch den Inter­es­sen des aus­schei­den­den Gesell­schaf­ters (und sei­ner Gläu­bi­ger [23]) ange­mes­sen Rech­nung.

Die Ver­wei­sung der übri­gen Gesell­schaf­ter auf die Wider­spruchs­kla­ge ana­log § 771 ZPO führt schließ­lich nicht zu einer unnö­ti­gen Dop­pel­prü­fung mit der Gefahr wider­spre­chen­der Ent­schei­dun­gen, näm­lich im Tei­lungs­ver­stei­ge­rungs­ver­fah­ren einer­seits und im Wider­spruchs­kla­ge­ver­fah­ren ande­rer­seits. Im Tei­lungs­ver­stei­ge­rungs­ver­fah­ren ist nur zu prü­fen, ob die Kün­di­gung erklärt und zuge­gan­gen ist. Über die Wirk­sam­keit der Kün­di­gung ist, wie auch über ande­re Ein­wän­de gegen die Zuläs­sig­keit der Tei­lungs­ver­stei­ge­rung, etwa eine abwei­chen­de Rege­lung im Gesell­schafts­ver­trag oder dass die iso­lier­te Ver­stei­ge­rung des Grund­stücks zu einer unsach­ge­mä­ßen Ver­wer­tung des Rest­ver­mö­gens der GbR füh­re, allein im Wider­spruchs­kla­ge­ver­fah­ren zu ent­schei­den. Im Ver­stei­ge­rungs­ver­fah­ren sind sol­che Ein­wän­de dage­gen aus­ge­schlos­sen.

Die übri­gen Vor­aus­set­zun­gen für die Anord­nung der Tei­lungs­er­klä­rung lie­gen im hier ent­schie­de­nen Fall eben­falls vor: Die Antrag­stel­le­rin ist, wie ent­spre­chend § 181 Abs. 2 Satz 1 ZVG gebo­ten, als Gesell­schaf­te­rin der GbR im Grund­buch des Gesell­schafts­grund­stücks ein­ge­tra­gen. Form­ge­recht nach­ge­wie­sen ist fer­ner, dass sie die Gesell­schaft gekün­digt hat und die­se Erklä­rung den übri­gen Gesell­schaf­tern zuge­gan­gen ist.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 16. Mai 2013 – V ZB 198/​12

  1. BGH, Beschluss vom 04.12.2008 – V ZB 74/​08, BGHZ 179, 102, 107 f.[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 02.12.2010 – V ZB 84/​10, BGHZ 187, 344, 348 Rn. 13[]
  3. BGH, Beschluss vom 29.11.2007 – V ZB 26/​07, NJW-RR 2008, 1547, 1548 [impli­ci­te]; LG Ham­burg, Rpfle­ger 2002, 532; Bött­cher, ZVG, 5. Aufl., § 180 Rn. 9; Stö­ber, ZVG, 20. Aufl., § 180 Anm.02.4c und 11.7; in die­sem Punkt auch: AG Dort­mund, Beschluss vom 15.09.2011 – 273 K 033/​11; Stum­pe in: Kindl/​MellerHannich/​Wolf, HKZwangs­voll­stre­ckungs­recht, 2. Aufl., § 180 Rn. 12 und § 181 Rn. 12; zur alten Rechts­la­ge: LG Lübeck, NJW-RR 1986, 836, 837; LG Kon­stanz, NJW-RR 1987, 1023, 1024; Eick­mann, Die Tei­lungs­ver­stei­ge­rung, 5. Aufl., Rn. 14; Ham­me, Die Tei­lungs­ver­stei­ge­rung, 2001, Rn. 17; Hint­zen, Rpfle­ger 1992, 262, 264[]
  4. RG, JW 1934, 3268 f.[]
  5. LG Ham­burg, Rpfle­ger 1983, 35; 1989, 519; RGRK/​v. Gamm, BGB, 12. Aufl., § 733 Rn. 12[]
  6. Bamberger/​Roth/​Schöne, BGB, 3. Aufl., § 733 Rn.19; Erman/​H. P. Wes­ter­mann, BGB, 13. Aufl., § 733 Rn. 7; Münch­Komm-BGB/Ul­mer/­Schä­fer, 5. Aufl., § 733 Rn. 23; Palandt/​Sprau, BGB, 72. Aufl., § 733 Rn. 11; Soergel/​Hadding/​Kießling, BGB, 13. Aufl., § 733 Rn. 16; Staudinger/​Habermeier, BGB [2002], § 733 Rn. 13[]
  7. RG, JW 1934, 3268, 3269 aE[]
  8. BGH, Urteil vom 29.01.2001 – II ZR 331/​00, BGHZ 146, 341, 343 f.[]
  9. aM Hint­zen in: Dassler/​Schiffhauer/​Hintzen/​Engels/​Rellermeyer, ZVG, 14. Aufl., § 180 Rn. 27; Becker, ZfIR 2013, 314, 318[]
  10. AG Dort­mund, Beschluss vom 15.09.2011 – 273 K 033/​11; Stum­pe in: Kindl/​MellerHannich/​Wolf, HK-Zwangs­voll­stre­ckungs­recht, 2. Aufl., § 180 Rn. 12 und § 181 Rn. 12; ähn­lich: LG Ham­burg, Rpfle­ger 1983, 35; 1989, 519[]
  11. LG Ber­lin, Beschluss vom 29.10.2012 – 82 T 364, 365, 388, 498/​12[]
  12. LG Ham­burg, Rpfle­ger 2002, 532; Bött­cher, ZVG, 5. Aufl., § 180 Rn. 9; Stö­ber, ZVG, 20. Aufl., § 180 Anm.02.4c und 11.7; zur alten Rechts­la­ge: LG Kon­stanz, NJW-RR 1987, 1023, 1024; Eick­mann, Die Tei­lungs­ver­stei­ge­rung, 5. Aufl., Rn. 14; Ham­me, Die Tei­lungs­ver­stei­ge­rung, 2001, Rn. 17; Hint­zen, Rpfle­ger 1992, 262, 264; hier­von geht auch LG Lübeck, NJW-RR 1986, 836, 837 aus[]
  13. BGH, Urteil vom 05.12.1991 – IX ZR 270/​90, BGHZ 116, 222, 228 f.[][]
  14. über­se­hen bei Hint­zen, Rpfle­ger 1992, 262, 264[]
  15. BGH, Beschluss vom 29.11.2007 – V ZB 26/​07, NJW-RR 2008, 1547, 1548[]
  16. BGH, Urteil vom 23.02.1984 – IX ZR 26/​83, BGHZ 90, 207, 216[]
  17. Moti­ve zum ZVG, 1889, S. 60, 360[]
  18. Hahn, Die gesam­ten Mate­ria­li­en zu den Reichs­Jus­tiz­ge­set­zen, 1897, Bd. 5, S. 69[]
  19. Mug­dan, Die gesam­ten Mate­ria­li­en zum Bür­ger­li­chen Gesetz­buch für das deut­sche Reich, II. Band, 1899 S. 352, 999[]
  20. Moti­ve zu dem Ent­wurf eines Bür­ger­li­chen Gesetz­buchs, Bd. II, S. 591[]
  21. BGH, Urteil vom 22.05.2012 – II ZR 205/​10, NJW-RR 2012, 1242, 1243 Rn. 11[]
  22. ver­trags[]
  23. vgl. BGH, Urteil vom 05.12.1991 – IX ZR 270/​90, BGHZ 116, 222, 228[]