Das geloch­te Spar­buch

Ein Zah­lungs­an­spruch gegen eine Bank besteht bei einem geloch­ten Spar­buch nicht mehr, da es gän­gi­ge Pra­xis ist, dass ent­wer­te­te Spar­bü­cher gelocht wer­den. Es ist nicht glaub­haft, das Spar­buch selbst gelocht zu haben, um es bes­ser abhef­ten zu kön­nen.

Das geloch­te Spar­buch

Mit die­ser Begrün­dung hat das Amts­ge­richt Frank­furt am Main in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Kla­ge einer Frau abge­wie­sen, die damit die Aus­zah­lung des auf dem Spar­buch befind­li­chen Betrags errei­chen woll­te. Im Jahr 2002 eröff­ne­te die Klä­ge­rin bei der beklag­ten Pri­vat­bank zwei Spar­bü­cher. Im Dezem­ber 2008 besuch­te sie sodann eine Bank­fi­lia­le der Beklag­ten, wor­auf­hin ihr 775,32 € auf eines der bei­den Spar­bü­cher als „Gut­schrift“ über­tra­gen wur­den. Die Klä­ge­rin leg­te vor Eröff­nung des Rechts­streits das ande­re der bei­den Spar­bü­cher in einem geloch­ten Zustand bei der Bank vor und begehr­te Aus­zah­lung des Spar­buch­be­tra­ges in Höhe von 876,20 €. Die Beklag­te ver­wei­ger­te dies jedoch mit der Begrün­dung, dass das geloch­te Spar­buch bereits am 10.12.2008 auf­ge­löst und aus­ge­zahlt wor­den sei. Dar­auf­hin erhob die Klä­ge­rin Kla­ge auf Aus­zah­lung des angeb­li­chen Spar­be­tra­ges und Erstat­tung vor­ge­richt­lich ange­fal­le­ner Rechts­an­walts­kos­ten.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Amts­ge­richt Frank­furt a.M. sei­ner Über­zeu­gung kund getan, dass das nun vor­ge­leg­te, geloch­te Spar­buch am 10.12.2008 auf­ge­löst und der ent­spre­chen­de Aus­zah­lungs­an­spruch der Klä­ge­rin bereits am glei­chen Tag durch Über­tra­gung des Gut­ha­bens auf das zwei­te Spar­buch voll­stän­dig erfüllt wor­den sei.

Meh­re­re objek­ti­ve Anknüp­fungs­tat­sa­chen wür­den nach Mei­nung des Amts­ge­richts dafür spre­chen: Zum einen ent­sprä­che der krum­me Aus­zah­lungs­be­trag dem dama­li­gen Spar­gut­ha­ben (750 Euro) addiert um die Zins­be­trä­ge, die der Klä­ge­rin bis dahin zuge­stan­den hät­ten. Zudem sei der zuer­kann­te Betrag als „Gut­schrift“ und nicht etwa „Ein­zah­lung“ im Ver­wen­dungs­zweck beschrie­ben wor­den.

Außer­dem sei es gän­gi­ge Pra­xis, dass ent­wer­te­te Spar­bü­cher gelocht wür­den. Es sei zu unter­stel­len, dass die Klä­ge­rin (der das Spar­buch auf­grund ihres Alters noch als übli­ches Spar­me­di­um bekannt sei) im Rah­men ihrer All­ge­mein­bil­dung wis­se, dass ein geloch­tes Spar­buch kei­ne Gül­tig­keit mehr habe. Ihr Ein­wand, das Spar­buch selbst gelocht zu haben, um es bes­ser abhef­ten zu kön­nen, sei des­halb als nicht glaub­haft zu beur­tei­len.

Amts­ge­richt Frank­furt am Main, Urteil vom 23. Dezem­ber 2019 – 29 C 4021–19 (46)

Das gelochte Sparbuch