Das vom Gericht ein­ge­hol­te Ober­gut­ach­ten

Das Gericht kann auch bei Vor­lie­gen ein­an­der wider­spre­chen­der Gut­ach­ten – nach sei­nem Ermes­sen – ein Ober­gut­ach­ten in Auf­trag geben 1. Der Begriff "unge­nü­gen­des Gut­ach­ten" im Sin­ne von § 412 Abs. 1 ZPO ist inso­weit durch­aus mehr­deu­tig.

Das vom Gericht ein­ge­hol­te Ober­gut­ach­ten

Die Rech­te der Betei­lig­ten fin­den im Beweis­ver­fah­ren ihre Gren­zen in den §§ 412, 485 Abs. 3 ZPO. Die Ent­schei­dung, ob ein neu­es Gut­ach­ten im Sin­ne von § 412 Abs. 1 ZPO ange­ord­net wer­den soll, unter­liegt der frei­en Beweis­wür­di­gung des Gerichts.

Wenn das Gericht aus einem bereits vor­lie­gen­den Gerichts­gut­ach­ten trotz ergän­zen­der Anhö­rung des Sach­ver­stän­di­gen (noch) kei­ne siche­re Über­zeu­gung gewin­nen kann, kann es eine neue Begut­ach­tung anord­nen, wenn eine Par­tei sub­stan­ti­ier­te, nicht von vorn­her­ein wider­leg­ba­re Ein­wen­dun­gen gegen die Rich­tig­keit des Gut­ach­tens erhebt oder wenn ins­be­son­de­re schwie­ri­ge Fra­gen zu lösen sind 2.

Schles­wig ‑Hol­stei­ni­sches Ober­lan­des­ge­richt, Beschluss vom 9. August 2016 – 7 U 152/​15

  1. Zöl­ler-Gre­ger, ZPO, 31. Auf­la­ge, § 412 Rn. 1 m. w. N.[]
  2. vgl. OLG Köln, Urteil vom 06.02.2014 – 18 U 89/​08; mit Hin­weis auf BGH, Urteil vom 29.11.1995, NJW 1996, 730[]