Das kol­lu­si­ve Insich­ge­schäft und der arg­lo­se Unter­ver­tre­ter

Ein Ver­trag ist wegen sit­ten­wid­ri­ger Kol­lu­si­on nich­tig, wenn ein von den Vor­aus­set­zun­gen des § 181 BGB befrei­ter Bevoll­mäch­tig­ter sei­ne Voll­macht miss­braucht, um mit sich als Geschäfts­geg­ner ein Geschäft zum Nach­teil des Ver­tre­te­nen abzu­schlie­ßen. Ein sol­cher Fall liegt auch vor, wenn der Ver­tre­ter einen arg­lo­sen Unter­ver­tre­ter ein­schal­tet oder er auf­grund sei­ner Ver­tre­tungs­macht einen wei­te­ren, arg­lo­sen (Mit)-Vertreter zu dem Geschäft ver­an­lasst und so das Insich­ge­schäft ver­schlei­ert.

Das kol­lu­si­ve Insich­ge­schäft und der arg­lo­se Unter­ver­tre­ter

Wenn ein Ver­tre­ter kol­lu­siv mit dem Ver­trags­geg­ner zum Nach­teil des Ver­tre­te­nen ein Geschäft abschließt, ver­stößt das Geschäft wegen einer sit­ten­wid­ri­gen Kol­lu­si­on gegen die guten Sit­ten und ist nich­tig (§ 138 BGB) 1. Aus die­sem Grund ist auch ein Ver­trag nich­tig, wenn ein von den Vor­aus­set­zun­gen des § 181 BGB befrei­ter Bevoll­mäch­tig­ter sei­ne Voll­macht miss­braucht, um mit sich als Geschäfts­geg­ner ein Geschäft zum Nach­teil des Ver­tre­te­nen abzu­schlie­ßen 2. Ein Fall einer sit­ten­wid­ri­gen Kol­lu­si­on liegt auch vor, wenn der Ver­tre­ter nicht selbst han­delt, son­dern einen arg­lo­sen Unter­ver­tre­ter ein­schal­tet oder er auf­grund sei­ner Ver­tre­tungs­macht einen wei­te­ren, arg­lo­sen (Mit-)Vertreter zu dem Geschäft ver­an­lasst und so das Insich­ge­schäft ver­schlei­ert.

Der Bun­des­ge­richts­hof kann im vor­lie­gen­den Fall offen­las­sen, ob die Ver­äu­ße­rung von eige­nen Geschäfts­an­tei­len einer GmbH in die Ver­tre­tungs­kom­pe­tenz des Geschäfts­füh­rers fällt oder es dazu zusätz­lich eines Gesell­schaf­ter­be­schlus­ses bedarf 3. Denn auch dann käme es auf die­sel­be sit­ten­wid­ri­ge Kol­lu­si­on an.

Ein Miss­brauch der Ver­tre­tungs­voll­macht kann auch vor­lie­gen, wenn der Ver­tre­ter von sei­ner Ver­tre­tungs­macht in ver­däch­ti­ger Wei­se Gebrauch macht und sich dem ande­ren Ver­trags­teil der begrün­de­te Ver­dacht eines Treue­ver­sto­ßes auf­drän­gen muss­te 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 28. Janu­ar 2014 – II ZR 371/​12

  1. vgl. BGH, Urteil vom 17.05.1988 – VI ZR 233/​87, NJW 1989, 26 f.; Urteil vom 14.06.2000 – VIII ZR 218/​99, NJW 2000, 2896, 2697[]
  2. BGH, Urteil vom 25.02.2002 – II ZR 374/​00, ZIP 2002, 753; Urteil vom 13.09.2011 – VI ZR 229/​09, ZIP 2011, 2005 Rn. 9[]
  3. offen gelas­sen bei BGH, Urteil vom 22.09.2003 – II ZR 74/​01, ZIP 2003, 2116[]
  4. BGH, Urteil vom 25.03.1968 – II ZR 208/​64, BGHZ 50, 112, 114; Urteil vom 31.01.1991 – VII ZR 291/​88, BGHZ 113, 315, 320; Urteil vom 02.07.2007 – II ZR 111/​05, ZIP 2007, 1942 Rn. 69; Urteil vom 01.02.2012 – VIII ZR 307/​10, WM 2012, 2020 Rn. 21[]