Das Kün­di­gungs­recht eines Boxers

Begrün­det der Ver­trag zwi­schen einem Box­ta­lent und einer Box­ver­an­stal­tungs­ge­sell­schaft ein beson­de­res Ver­trau­ens­ver­hält­nis, kann die Kün­di­gungs­mög­lich­keit des § 627 BGB nicht aus­ge­schlos­sen wer­den.

Das Kün­di­gungs­recht eines Boxers

Mit die­ser Begrün­dung hat das Land­ge­richt Köln in dem hier vor­lie­gen­den einst­wei­li­gen Ver­fü­gungs­ver­fah­ren noch vor dem umstrit­te­nen Box­kampf, dass der Beklag­te den Ver­trag mit den Klä­gern frist­los kün­di­gen konn­te und für die neue Fir­ma kämp­fen durf­te.

Per einst­wei­li­ger Ver­fü­gung woll­ten ein Box­ma­na­ger und eine Box­ver­an­stal­tungs­ge­sell­schaft dem beklag­ten jun­gen Box­ta­lent ver­bie­ten las­sen, dass er sich von dem Ver­trag zwi­schen ihnen löst und für eine ande­re Pro­mo­ting­fir­ma einen Box­kampf bestrei­tet. 2017 hat­ten die Klä­ger den ange­hen­den Pro­fi­bo­xer in Düren im Ring gese­hen und ein hoff­nungs­vol­les Talent erkannt. Sie nah­men den Boxer im Janu­ar 2019 unter Ver­trag und zahl­ten ihm ein regel­mä­ßi­ges monat­li­ches Gehalt, damit die­ser finan­zi­ell unab­hän­gig war und sich ganz auf sein Trai­ning kon­zen­trie­ren konn­te. Außer­dem soll­te er für die Klä­ger Box­kämp­fe bestrei­ten. Der Ver­trag hat­te eine Lauf­zeit von drei Jah­ren mit ver­schie­de­nen Ver­län­ge­rungs­op­tio­nen, u.a. eine ein­sei­ti­ge Ver­län­ge­rungs­op­ti­on durch die Klä­ger. In dem Ver­trag war ver­ein­bart, dass eine frist­lo­se Kün­di­gung aus­ge­schlos­sen ist.

Nach Ansicht des jun­gen Boxers habe er den Ver­trag wirk­sam gem. § 627 BGB kün­di­gen kön­nen, da die­ser ein beson­de­res Ver­trau­en vor­aus­set­ze, das nicht mehr gege­ben sei. Die­se Kün­di­gungs­mög­lich­keit sei trotz der anders­lau­ten­den Ver­ein­ba­rung zwi­schen den Par­tei­en mög­lich gewe­sen, weil der Aus­schluss im Ver­trag nicht wirk­sam gewe­sen sei.

Dage­gen hiel­ten die Klä­ger die frist­lo­se Kün­di­gung des Boxers für unwirk­sam. Der Ver­trag ent­hal­te kei­ne all­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen. Sie behaup­ten, sie hät­ten vor und wäh­rend des Ver­trags­ab­schlus­ses aus­führ­lich über alle Ver­trags­klau­seln gespro­chen und die­se ein­zeln aus­ge­han­delt. Der Beklag­te sei mit einer gan­zen Rei­he von Ände­rungs­wün­schen an die Klä­ger her­an­ge­tre­ten. Die­se hät­ten den Ver­trag auch ent­spre­chend ergänzt und ver­än­dert.

In sei­ner Ent­schei­dung hat das Land­ge­richt Köln aus­führ­lich erklärt, dass der zwi­schen den Par­tei­en geschlos­se­ne Ver­trag ein beson­de­res Ver­trau­ens­ver­hält­nis begrün­de, weil das jun­ge Box­ta­lent den Klä­gern sei­ne gesam­te beruf­li­che Exis­tenz und sport­li­che Zukunft in die Hän­de gelegt hat­te. Daher hät­ten die Klä­ger auch nicht die beson­de­re Kün­di­gungs­mög­lich­keit des § 627 BGB aus­schlie­ßen kön­nen. Der Aus­schluss des Kün­di­gungs­rechts ver­sto­ße näm­lich gegen AGB-Recht, das auf den Ver­trag anzu­wen­den war.

Das Land­ge­richt Köln hat sich davon über­zeugt, dass bei den Ver­trags­ver­hand­lun­gen gera­de nicht der Aus­schluss des Kün­di­gungs­rechts und des­sen Bedeu­tung für den Boxer zwi­schen den Par­tei­en ver­han­delt und ein­zel­ver­trag­lich fest­ge­legt wor­den ist. Daher fin­de eine Bil­lig­keits­kon­trol­le nach AGB-Recht statt. Danach benach­tei­li­ge der Aus­schluss des Kün­di­gungs­rechts den Boxer unver­hält­nis­mä­ßig, weil der Ver­trag den Boxer mög­li­cher­wei­se mehr als sechs Jah­re und damit einen ganz erheb­li­chen Teil der akti­ven Lauf­bahn eines Pro­fi­bo­xers an die Klä­ger gebun­den hät­te. Das wür­de nicht zuletzt gegen das Berufs­recht des Sport­lers aus Art. 12 GG ver­sto­ßen.

Aus die­sen Grün­den konn­te der Beklag­te den Ver­trag mit den Klä­gern frist­los kün­di­gen und durf­te für die neue Fir­ma kämp­fen.

Land­ge­richt Köln, Urteil vom 18. März 2020 – 21 O 75/​20