Das Lie­bes­le­ben der Pro­mis

Auch ein häu­fi­ges Auf­tre­ten in der Öffent­lich­keit und öffent­li­che Äuße­run­gen eines "Pro­mi­nen­ten" über sei­ne neue Bezie­hung gegen der Pres­se in der Regel kein Recht, ohne die erfor­der­li­che Ein­wil­li­gung Bil­der aus deren pri­va­tem Lebens­kreis zu ver­öf­fent­li­chen, wenn der Ver­öf­fent­li­chung kein im Rah­men der Abwä­gung zu berück­sich­ti­gen­des aus­rei­chen­des Infor­ma­ti­ons­in­ter­es­se zukommt. Mit die­ser Begrün­dung hat jetzt der Bun­des­ge­richts­hof das Ver­bot von Pres­se­fo­tos bestä­tigt, die die Polit­tal­ke­rin Sabi­ne Chris­ti­an­sen mit ihrem dama­li­gen Freund und heu­ti­gen Ehe­mann Nor­bert Medus zei­gen.

Das Lie­bes­le­ben der Pro­mis

Im April 2006 ver­öf­fent­lich­te die von der Beklag­ten ver­leg­te Zeit­schrift "das neue" einen Arti­kel, der sich mit dem dama­li­gen Zusam­men­sein von Sabi­ne Chris­ti­an­sen, der Klä­ge­rin, mit Nor­bert Medus, ihrem jet­zi­gen Ehe­mann, in Paris befasst. Sowohl das Titel­blatt der Zeit­schrift als auch der Arti­kel im Innen­teil sind mit Fotos bebil­dert, die bei­de Per­so­nen gemein­sam zei­gen. Titel­blatt und Arti­kel ent­hal­ten u. a. den Text: "So ver­liebt in Paris" und "Wet­ten, dass sie die­sen Mann bald hei­ra­tet?". Die Klä­ge­rin hat der Beklag­ten die Ver­öf­fent­li­chung und Ver­brei­tung der Bil­der durch Urteil des Land­ge­richts Ber­lin unter­sa­gen las­sen. Die Beru­fung der Beklag­ten hat das Kam­mer­ge­richt im Wesent­li­chen zurück­ge­wie­sen. Es hat sei­ne Ent­schei­dung damit begrün­det, die Fotos, die die Abge­bil­de­ten bei pri­va­ten Ver­rich­tun­gen zeig­ten und nur auf­grund fort­lau­fen­der Beob­ach­tung durch Foto­gra­fen ent­stan­den sein könn­ten, stell­ten einen Ein­griff in den Kern­be­reich der Pri­vat­sphä­re der Klä­ge­rin dar, den die­se nicht hin­neh­men müs­se, zumal der Arti­kel wesent­lich nur der Unter­hal­tung gedient habe und ohne erheb­li­che gesell­schaft­li­che Rele­vanz gewe­sen sei.

Der u. a. für das Per­sön­lich­keits­recht zustän­di­ge VI. Zivil­se­nat des Bun­des-gerichts­hofs hat das Beru­fungs­ur­teil bestä­tigt. Die Klä­ge­rin und ihr Part­ner sind auf den Fotos als Lie­bes­paar zu iden­ti­fi­zie­ren und zwar in erkenn­bar pri­va­ten Situa­tio­nen. Pri­va­te Lebens­vor­gän­ge sind auch dann Teil der geschütz­ten Pri­vat­sphä­re, wenn sie im öffent­li­chen Raum statt­fin­den und wenn die Abge­bil­de­ten einer brei­te­ren Öffent­lich­keit bekannt sind. Es wür­de eine erheb­li­che Ein­schrän­kung des Rechts auf freie Ent­fal­tung der Per­sön­lich­keit dar­stel­len, wenn jeder, der einer brei­te­ren Öffent­lich­keit bekannt ist, sich in der Öffent­lich­keit nicht unbe­fan­gen bewe­gen könn­te, weil er auch bei pri­va­ten Gele­gen­hei­ten jeder­zeit ohne die erfor­der­li­che Ein­wil­li­gung foto­gra­fiert wer­den dürf­te. Ein Infor­ma­ti­ons­in­ter­es­se der Öffent­lich­keit, hin­ter dem der Per­sön­lich­keits­schutz der Klä­ge­rin zurück­tre­ten muss­te, bestand hier weder hin­sicht­lich der abge­bil­de­ten Moti­ve noch hin­sicht­lich der Bericht­erstat­tung über Ein­zel­hei­ten der dama­li­gen Bezie­hung der Abge­bil­de­ten und ihrer pri­va­ten Unter­neh­mun­gen in Paris. Das häu­fi­ge Auf­tre­ten der Klä­ge­rin in der Öffent­lich­keit und ihre öffent­li­chen Äuße­run­gen über die neue Bezie­hung ändern an die­ser Bewer­tung nichts. Die Selbst­dar­stel­lung Pro­mi­nen­ter gibt der Pres­se in der Regel kein Recht, ohne die erfor­der­li­che Ein­wil­li­gung Bil­der aus deren pri­va­tem Lebens­kreis zu ver­öf­fent­li­chen, wenn der Ver­öf­fent­li­chung kein im Rah­men der Abwä­gung zu berück­sich­ti­gen­des aus­rei­chen­des Infor­ma­ti­ons­in­ter­es­se zukommt.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 17. Febru­ar 2009 – VI ZR 75/​08