Das preis­wer­te­re Unfal­l­ersatz­fahr­zeug

Ein Unfall­haft­pflicht­ver­si­che­rer ist regel­mä­ßig nicht gehin­dert, einen Unfall­geg­ner, der ein Ersatz­fahr­zeug bei einem ört­li­chen Auto­ver­mie­ter ange­mie­tet hat oder anmie­ten möch­te, auf das preis­güns­ti­ge­re Ange­bot eines mit ihm zusam­men­ar­bei­ten­den über­ört­lich täti­gen Auto­ver­mie­ters hin­zu­wei­sen.

Das preis­wer­te­re Unfal­l­ersatz­fahr­zeug

Der Bun­des­ge­richts­hof hat sei­ne dama­li­ge, für Unfall­ge­schä­dig­te und indi­rekt auch für spe­zi­el­le – teu­re­re – Unfal­l­ersatz­ta­ri­fe anbie­ten­de Miet­wa­gen­un­ter­neh­men güns­ti­ge Recht­spre­chung mit Urteil vom 12. Okto­ber 2004 geän­dert 1. Nach die­ser seit­her maß­geb­li­chen Recht­spre­chung 2 kann der Geschä­dig­te den im Ver­gleich zum Nor­mal­ta­rif teu­re­ren Unfal­l­ersatz­ta­rif nur dann ersetzt ver­lan­gen, wenn der Mehr­be­trag wegen der beson­de­ren Unfall­si­tua­ti­on aus betriebs­wirt­schaft­li­cher Sicht gerecht­fer­tigt oder der güns­ti­ge­re Nor­mal­ta­rif für den Geschä­dig­ten nicht ohne wei­te­res zugäng­lich war; der Geschä­dig­te hat dabei dar­zu­le­gen, dass ihm auch auf Nach­fra­ge kein wesent­lich güns­ti­ge­rer Tarif ange­bo­ten wor­den wäre 3.

Die sich danach stel­len­de Fra­ge, ob der Haft­pflicht­ver­si­che­rer, der dem Unfall­geg­ner sei­nes Ver­si­che­rungs­neh­mers einen güns­ti­ge­ren Tarif zugäng­lich macht, auch vor dem Hin­ter­grund die­ser geän­der­ten Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs noch rechts­wid­rig han­delt, wird in der Recht­spre­chung der Instanz­ge­rich­te unter­schied­lich beur­teilt. So bejaht das Land­ge­richt Wei­den i.d.OPf. einen Ver­stoß gegen § 4 Nr. 1 UWG 4. Es stützt sich dabei aller­dings maß­geb­lich auf Erwä­gun­gen in einem Urteil des Ober­lan­des­ge­richts Düs­sel­dorf 5, in dem die – spä­ter – geän­der­te Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs des Bun­des­ge­richts­hofs natur­ge­mäß noch nicht hat­te berück­sich­tigt sein kön­nen. Das Land­ge­richt Bie­le­feld bejaht dage­gen einen Ver­stoß in Form eines Ein­griffs in den ein­ge­rich­te­ten und aus­ge­üb­ten Gewer­be­be­trieb mit die geän­der­te Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs berück­sich­ti­gen­den Erwä­gun­gen nur für den Fall, dass zugleich dar­auf hin­ge­wie­sen wird, dass wei­ter­ge­hen­de Kos­ten kei­nes­falls erstat­tet wer­den 6.

Davon unab­hän­gig ist ein Hin­weis des Ver­si­che­rers auf die Mög­lich­keit der Anmie­tung eines kos­ten­güns­ti­ge­ren Ersatz­fahr­zeugs immer dann als zuläs­sig anzu­se­hen, wenn berech­tig­te gegen­läu­fi­ge Inter­es­sen des Geschä­dig­ten dadurch nicht berührt wer­den. Letz­te­res ist ent­ge­gen der von der Klä­ge­rin in der münd­li­chen Revi­si­ons­ver­hand­lung geäu­ßer­ten Ansicht regel­mä­ßig auch dann der Fall, wenn der Ver­si­che­rer den Geschä­dig­ten, der ein Ersatz­fahr­zeug bei einem ört­li­chen Auto­ver­mie­ter ange­mie­tet hat oder anmie­ten möch­te, auf das Ange­bot eines über­ört­lich täti­gen Auto­ver­mie­ters hin­weist, der mit dem Ver­si­che­rer zusam­men­ar­bei­tet. Die von der Klä­ge­rin in die­sem Zusam­men­hang ange­führ­te Bestim­mung des § 249 Abs. 2 Satz 1 BGB, nach der der Geschä­dig­te bei Ver­let­zung sei­ner Per­son oder Beschä­di­gung einer Sache statt der nach § 249 Abs. 1 BGB grund­sätz­lich geschul­de­ten Natu­ral­re­sti­tu­ti­on den zur Her­stel­lung die­ses Zustan­des erfor­der­li­chen Geld­be­trag ver­lan­gen kann, ist inso­weit weder direkt noch ent­spre­chend anwend­bar. Ihr liegt die Erwä­gung zugrun­de, dass es dem Geschä­dig­ten nicht zuzu­mu­ten ist, sei­ne Per­son oder Sache zum Zwe­cke ihrer Wie­der­her­stel­lung aus­ge­rech­net dem Schä­di­ger anver­trau­en zu müs­sen 7. Damit lässt sich die Anmie­tung eines Unfal­l­ersatz­fahr­zeugs nicht ver­glei­chen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 8. März 2012 – I ZR 85/​10

  1. BGH, Urteil vom 12.10.2004 – VI ZR 151/​03, BGHZ 160, 377[]
  2. vgl. zuletzt BGH, Urteil vom 09.03.2010 – VI ZR 6/​09, NJW 2010, 2569 Rn. 8 und 13[]
  3. BGHZ 160, 377, 384[]
  4. LG Wei­den i.d.OPf., NJW-RR 2009, 675, 677 f.; ableh­nend LG Nürn­berg­Fürth, SP 2011, 365, 366 f.[]
  5. OLG Düs­sel­dorf, WRP 1995, 639[]
  6. NJW 2007, 2188, 2190[]
  7. vgl. BGH, Urteil vom 22.06.2010 – VI ZR 337/​09, NJW 2010, 2725 Rn. 7 mwN[]