Das nicht ein­ge­hol­te Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten – und die über­spann­ten Anfor­de­run­gen an den Par­tei­vor­trag

Das Gericht ver­letzt durch die Nicht­ein­ho­lung des bean­trag­ten Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens das recht­li­che Gehör der Pro­zess­pa­rei.

Das nicht ein­ge­hol­te Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten – und die über­spann­ten Anfor­de­run­gen an den Par­tei­vor­trag

Die Nicht­be­rück­sich­ti­gung eines erheb­li­chen Beweis­an­ge­bots ver­stößt gegen Art. 103 Abs. 1 GG, wenn sie im Pro­zess­recht kei­ne Stüt­ze mehr fin­det 1.

Dies gilt auch dann, wenn die Nicht­be­rück­sich­ti­gung des Beweis­an­ge­bots dar­auf beruht, dass das Gericht ver­fah­rens­feh­ler­haft über­spann­te Anfor­de­run­gen an den Vor­trag einer Par­tei gestellt hat 2.

Eine sol­che nur schein­bar das Par­tei­vor­brin­gen wür­di­gen­de Ver­fah­rens­wei­se stellt sich als Wei­ge­rung des Tatrich­ters dar, in der nach Art. 103 Abs. 1 GG gebo­te­nen Wei­se den Par­tei­vor­trag zur Kennt­nis zu neh­men und sich mit ihm inhalt­lich aus­ein­an­der­zu­set­zen 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 21. Febru­ar 2017 – VIII ZR 1/​16

  1. st. Rspr.; sie­he etwa BVerfG, WM 2009, 671, 672; BGH, Beschlüs­se vom 11.05.2010 – VIII ZR 212/​07, NJW-RR 2010, 1217 Rn. 10; vom 16.11.2010 – VIII ZR 228/​08 14; vom 06.02.2013 – I ZR 22/​12, TranspR 2013, 430 Rn. 10[]
  2. BGH, Beschluss vom 06.02.2013 – I ZR 22/​12, aaO[]
  3. BGH, Urteil vom 22.06.2009 – II ZR 143/​08, NJW 2009, 2598 Rn. 2 mwN; Beschluss vom 06.02.2013 – I ZR 22/​12, aaO[]