Das “Schriftgebilde” als Unterschrift

Für eine Unterschrift genügt ein die Individualität des Unterschreibenden ausreichend kennzeichnender individueller Schriftzug, der sich nicht nur als Namenskürzel (Paraphe) darstellt, sondern charakteristische Merkmale einer Unterschrift mit vollem Namen aufweist und die Nachahmung durch einen Dritten zumindest erschwert; es reicht aus, dass jemand, der den Namen des Unterzeichnenden und dessen sonstige Unterschriften kennt, den Namen aus dem Schriftbild herauslesen kann1. Dabei ist ein großzügiger Maßstab anzulegen, sofern die Autorenschaft gesichert ist2. Auch ein stark vereinfachter und nicht lesbarer Namenszug kann als Unterschrift anzuerkennen sein, wenn der Unterzeichner auch sonst in gleicher oder ähnlicher Weise unterschreibt3.

Das "Schriftgebilde" als Unterschrift

Insoweit lässt es der Bundesgerichtshof ausreichen, wenn der Schriftzug auf der Urkunde zwar eine flüchtige Schreibweise und einen starken Abschleifungsprozess aufweist, jedoch keine auf eine Abkürzung hinweisenden Merkmale erkennen lässt, und die Unterschriften auf den anderen an das Gericht gerichteten Schreiben sind in gleicher Weise ausgeführt sind.

Bundesgerichtshof, Beschluss vom 7. April 2011 – V ZB 207/10

  1. BGH, Urteil vom 27.10.1987 – VI ZR 268/86, NJW 1988, 713; Beschluss vom 27.09. 2005 – VIII ZB 105/04, NJW 2005, 3775 und vom 15.11.2006 – IV ZR 122/05, NJWRR 2007, 351 []
  2. BGH, Beschluss vom 27.09. 2005 – VIII ZB 105/04, aaO und Urteil vom 15.11.2007 – IV ZR 122/05, aaO []
  3. BGH, Beschluss vom 27.09. 2005 – VIII ZB 105/04, aaO []