Das Strom­ka­bel auf der Kir­mes

Ober­ir­di­sche Ver­sor­gungs­lei­tun­gen für Kir­mes­be­trie­be müs­sen mit mög­lichst gerin­gem Stol­per- und Sturz­ri­si­ko für Kir­mes­be­su­cher und Anlie­ger ver­legt wer­den. Stürzt ein Besu­cher oder ein Anlie­ger über eine unzu­rei­chend gesi­cher­te Ver­sor­gungs­lei­tung, kann er den ver­ant­wort­li­chen Kir­mes­be­trieb auf­grund einer Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht­ver­let­zung auf Scha­dens­er­satz in Anspruch neh­men.

Das Strom­ka­bel auf der Kir­mes

In einem jetzt vom Ober­lan­des­ge­richt Hamm ent­schie­de­nen Fall stürz­te die 1953 gebo­re­ne Klä­ge­rin aus Kamen im Sep­tem­ber 2009 wäh­rend der all­jähr­lich statt­fin­den­den Pflau­men­kir­mes auf dem Bür­ger­steig vor ihrem Wohn­haus. Für den Sturz mach­te sie auf dem Bür­ger­steig – u.a. auf Ver­an­las­sung des beklag­ten Kir­mes­be­trie­bes aus Kreuzau – ober­ir­disch ver­leg­te Kabel­ver­sor­gungs­lei­tun­gen ver­ant­wort­lich. Die lose ver­leg­ten Kabel waren nicht abge­deckt. Die Klä­ge­rin zog sich einen Ober­schen­kel­hals­bruch und einen Bruch ihres rech­ten Arms zu. Sie muss­te ope­ra­tiv ver­sorgt und sta­tio­när behan­delt wer­den. Vom beklag­ten Betrieb hat sie Scha­dens­er­satz, u.a. ein Schmer­zens­geld in Höhe von 40.000 €, ver­langt.

Ihre Kla­ge war vor dem Ober­lan­des­ge­richt Hamm zumin­dest zum Teil erfolg­reich, das Ober­lan­des­ge­richt sprach ihr unter Berück­sich­ti­gung eines Mit­ver­schul­dens dem Grun­de nach einen 50%igen Scha­dens­er­satz zu.

Der beklag­te Betrieb haf­te auf Scha­dens­er­satz, so das Ober­lan­des­ge­richt Hamm, weil er die ihm oblie­gen­de Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht ver­letzt habe. Wäh­rend einer Kir­mes müss­ten Stän­de und mobi­le Unter­künf­te der Schau­stel­ler über ober­ir­disch ver­leg­te Lei­tun­gen ver­sorgt wer­den. Da sich kaum ver­mei­den las­se, dass die­se Lei­tun­gen Lauf­we­ge von Besu­chern quer­ten, m üsse einem Stol­per- und Sturz­ri­si­ko mit einer sorg­fäl­ti­gen Ver­le­gung bzw. Abde­ckung der Lei­tun­gen ent­ge­gen­ge­wirkt wer­den, weil der Kir­mes­be­reich mit sei­nen wech­seln­den Attrak­tio­nen die Auf­merk­sam­keit des Besu­chers auf sich zie­he und sie vom Boden­be­reich ablen­ke. Das gel­te auch für Lei­tun­gen außer­halb des eigent­li­chen Kir­mes­plat­zes, mit denen z.B. Wohn­wa­gen der Schau­stel­ler ver­sorgt wür­den. Ohne erkenn­ba­re Stre­cken­füh­rung, lose und ohne Abde­ckung ver­leg­te Lei­tun­gen erhöh­ten das Stol­per- und Sturz­ri­si­ko und begrün­de­ten eine abhil­fe­be­dürf­ti­ge Gefah­ren­quel­le.

Über lose ver­leg­te und unzu­rei­chend gesi­cher­te Ver­sor­gungs­lei­tun­gen sei die Klä­ge­rin nach dem Ergeb­nis der vom Senat durch­ge­führ­ten Beweis­auf­nah­me gestürzt. Dabei wer­de zu ihren Guns­ten ver­mu­tet, dass die unzu­rei­chend gesi­cher­te Gefah­ren­quel­le ihren Sturz ver­ur­sacht habe.

Ob in dem Gefah­ren­be­reich aus­schließ­lich Ver­sor­gungs­lei­tun­gen des beklag­ten Betrie­bes oder auch ande­rer Schau­stel­ler­be­trie­be ver­legt wor­den se ien und über wel­ches Kabel die Klä­ge­rin genau gestürzt sei, bedür­fe kei­ner Auf­klä­rung. Da auch der beklag­te Betrieb für die unzu­rei­chen­de Siche­rung der Kabel ver­ant­wort­lich sei und nicht nach­ge­wie­sen habe, dass die Klä­ge­rin über das Kabel eines ande­ren Betrie­bes zu Fall gekom­men sei, wer­de zuguns­ten der Klä­ge­rin zudem ver­mu­tet, dass die Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht­ver­let­zung des beklag­ten Betrie­bes den Scha­den mit­ver­ur­sacht habe.

Die Klä­ge­rin müs­se sich aller­dings ein mit 50% zu bemes­sen­des Mit­ver­schul­den ent­ge­gen­hal­ten las­sen, weil die Kabel bereits seit eini­gen Tagen vor ihrem Grund­stück gele­gen hät­ten und der Klä­ge­rin der unzu­rei­chen­de Ver­le­gungs­zu­stand bekannt gewe­sen sei.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Urteil vom 24. März 2015 – 9 U 114/​14