Das über­gan­ge­ne Beweis­ergeb­nis

Ein Ver­stoß gegen den Anspruch auf Gewäh­rung recht­li­chen Gehörs liegt vor, wenn das Gericht ent­schei­dungs­er­heb­li­ches Par­tei­vor­brin­gen nicht zur Kennt­nis nimmt. Da eine Par­tei sich regel­mä­ßig ein für sie güns­ti­ges Beweis­ergeb­nis zu Eigen macht, ver­letzt das Über­ge­hen eines sol­chen Beweis­ergeb­nis­ses deren Anspruch auf recht­li­ches Gehör, sofern es ent­schei­dungs­er­heb­lich ist 1.

Das über­gan­ge­ne Beweis­ergeb­nis

Die Nicht­be­rück­sich­ti­gung eines sol­chen für eine Par­tei güns­ti­gen Beweis­ergeb­nis­ses bedeu­tet, dass das Beru­fungs­ge­richt erheb­li­ches Vor­brin­gen die­ser Par­tei über­gan­gen und damit deren ver­fas­sungs­recht­lich gewähr­leis­te­ten Anspruch auf Gewäh­rung recht­li­chen Gehörs ver­letzt hat 2.

Die­se Vor­aus­set­zun­gen kön­nen auch dann erfüllt sein, wenn die Begrün­dung der ange­foch­te­nen Ent­schei­dung nur den Schluss zulässt, dass sie auf einer allen­falls den äuße­ren Wort­laut, nicht aber den Sinn des betref­fen­den Vor­brin­gens erfas­sen­den Wahr­neh­mung beruht 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 3. Dezem­ber 2015 – VII ZR 77/​15

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 11.10.2011 – VIII ZR 88/​11 Rn. 9; Beschluss vom 10.11.2009 – VI ZR 325/​08, NJW-RR 2010, 495 Rn. 6; Beschluss vom 07.12 2010 – VIII ZR 96/​10, NJW-RR 2011, 704 Rn.13[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 10.11.2009 – VI ZR 325/​08, NJW-RR 2010, 495 Rn. 6[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 04.11.2015 – VII ZR 282/​14 Rn. 18; Beschluss vom 08.07.2010 – VII ZR 195/​08, BauR 2010, 1792 Rn. 8; Beschluss vom 09.02.2009 – II ZR 77/​08, BauR 2009, 1003 Rn. 3[]