Das unbrauch­ba­re Gut­ach­ten

Die Feh­ler des Sach­ver­stän­di­gen sind dem Geschä­dig­ten nicht zure­chen­bar, wenn ihm die Unrich­tig­keit des Gut­ach­tens ohne beson­de­re Sach­kun­de nicht erkenn­bar war.

Das unbrauch­ba­re Gut­ach­ten

Mit die­ser Begrün­dung hat das Amts­ge­richt Frank­furt am Main eine Ver­si­che­rung zur Zah­lung der Gut­ach­ter­kos­ten ver­ur­teilt. Bei einem Stra­ßen­ver­kehrs­un­fall am 26.02.2015 in Frank­furt am Main ist ein Kraft­fahr­zeug der Klä­ge­rin vom Typ VW Polo beschä­digt wor­den. Die Klä­ge­rin ließ den Scha­den begut­ach­ten. Für die Gut­ach­te­n­er­stat­tung ent­stan­den Kos­ten in Höhe von 998,70 EUR. Die­se Kos­ten hat die Kraft­fahr­zeug­haft­pflicht­ver­si­che­rung des Unfall­ver­ur­sa­chers nicht zah­len wol­len. Sie hat das Gut­ach­ten für unbrauch­bar gehal­ten und des­halb auch den von ihr erstat­te­ten Sach­scha­dens­be­trag gekürzt und auf ihre eige­nen Berech­nun­gen ver­wie­sen.

Es ist nicht sel­ten der Fall, dass gera­de bei Ver­kehrs­un­fäl­len Streit ent­steht. Einer­seits kann schon bezüg­lich des eigent­li­chen Unfall­ge­sche­hens Unei­nig­keit herr­schen und ande­rer­seits wird es schwie­rig, sobald es ums lie­be Geld geht: Wer trägt den Scha­den und wie hoch sind die Kos­ten? Aus die­sem Grund ist ein Betei­lig­ter durch­aus gut bera­ten, wenn er sich pro­fes­sio­nel­le Unter­stüt­zung bei einem Rechts­an­walt für Ver­kehrs­recht sucht. Ein Fach­an­walt mit jah­re­lan­ger Erfah­rung auf sei­nem Gebiet kann jedem Betrof­fe­nen die Unsi­cher­heit neh­men und im Fall eines Rechts­streits vor Gericht sei­nen Man­dan­ten ver­tre­ten. Mit Hil­fe des Inter­nets bedarf es auch kei­ner gro­ßen Anstren­gun­gen, den jeweils pas­sen­den Rechts­an­walt zu fin­den. Inzwi­schen wird oft­mals eine tele­fo­ni­sche Erst­be­ra­tung ange­bo­ten und ein per­sön­li­cher Besuch ist nicht mehr unbe­dingt erfor­der­lich. Es wird größ­ten­teils per Tele­fon bzw. E‑mail kom­mu­ni­ziert. Unab­hän­gig vom Wohn­ort kann sich jeder für den Anwalt sei­ner Wahl ent­schei­den. Auch in dem hier vor­lie­gen­den Fall hat sich die Klä­ge­rin eines juris­ti­schen Bei­stands bedient und nach der Zah­lungs­wei­ge­rung der Ver­si­che­rung vor dem Amts­ge­richt Frank­furt am Main Kla­ge erho­ben.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Amts­ge­richt Frank­furt am Main aus­ge­führt, dass zu den grund­sätz­lich erstat­tungs­fä­hi­gen Kos­ten nach einem Ver­kehrs­un­fall auch die Kos­ten der Scha­dens­fest­stel­lung in Form der Ein­ho­lung eines Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens gehö­ren. Dabei unter­lie­gen grund­sätz­lich auch feh­ler­haf­te Gut­ach­ten der Scha­den­er­satz­pflicht, da Feh­ler des Sach­ver­stän­di­gen dem Geschä­dig­ten man­gels Zurech­nungs­norm grund­sätz­lich nicht ent­ge­gen zu hal­ten sind. Ist dage­gen ein Gut­ach­ten objek­tiv unrich­tig, so dass sich hier­durch die Unbrauch­bar­keit des Gut­acht­en­er­geb­nis­ses ein­stellt, kann vom Schä­di­ger nicht ver­langt wer­den, Scha­den­er­satz für ein unbrauch­ba­res Gut­ach­ten zu leis­ten, wenn der Geschä­dig­te die Unbrauch­bar­keit hät­te abwen­den kön­nen. Maß­ge­bend ist nach Auf­fas­sung des Amts­ge­richts Frank­furt am Main, ob der Geschä­dig­te die Unrich­tig­keit auch ohne beson­de­re Sach­kun­de hät­te erken­nen, und den Sach­ver­stän­di­gen daher hät­te zur Nach­bes­se­rung anhal­ten kön­nen. das ist hier aber nicht der Fall.

Amts­ge­richt Frank­furt am Main, Urteil vom 24. Okto­ber 2018 – 31 C 1884/​16 (17)