Das unzu­rei­chend aus­ge­stat­te­te Kran­ken­haus – und die hin­aus­ge­zö­ger­te Ver­le­gung

Erkennt ein Arzt, dass das unkla­re kli­ni­sche Beschwer­de­bild des Pati­en­ten umge­hend wei­te­re dia­gnos­ti­sche Maß­nah­men (hier: Hirn­dia­gnos­tik) erfor­dert, ver­schiebt er die wegen unzu­rei­chen­der Aus­stat­tung der Kli­nik erfor­der­li­che Ver­le­gung in ein aus­rei­chend aus­ge­stat­te­tes Kran­ken­haus aber auf den nächs­ten Tag, liegt ein Befund­er­he­bungs­feh­ler, nicht aber ein Dia­gno­se­feh­ler vor.

Das unzu­rei­chend aus­ge­stat­te­te Kran­ken­haus – und die hin­aus­ge­zö­ger­te Ver­le­gung

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs erfolgt bei der Unter­las­sung der gebo­te­nen Befund­er­he­bung eine Beweis­last­um­kehr hin­sicht­lich der haf­tungs­be­grün­den­den Kau­sa­li­tät, wenn bereits die Unter­las­sung einer aus medi­zi­ni­scher Sicht gebo­te­nen Befund­er­he­bung einen gro­ben ärzt­li­chen Feh­ler dar­stellt.

Zudem kann aber auch eine nicht grob feh­ler­haf­te Unter­las­sung der Befund­er­he­bung dann zu einer Umkehr der Beweis­last hin­sicht­lich der Kau­sa­li­tät des Behand­lungs­feh­lers für den ein­ge­tre­te­nen Gesund­heits­scha­den füh­ren, wenn sich bei der gebo­te­nen Abklä­rung mit hin­rei­chen­der Wahr­schein­lich­keit ein reak­ti­ons­pflich­ti­ges posi­ti­ves Ergeb­nis gezeigt hät­te und sich die Ver­ken­nung die­ses Befun­des als fun­da­men­tal oder die Nicht­re­ak­ti­on hier­auf als grob feh­ler­haft dar­stel­len wür­de.

Es ist nicht erfor­der­lich, dass der gro­be Behand­lungs­feh­ler die ein­zi­ge Ursa­che für den Scha­den ist. Es genügt, dass er gene­rell geeig­net ist, den ein­ge­tre­te­nen Scha­den zu ver­ur­sa­chen; wahr­schein­lich braucht der Ein­tritt eines sol­chen Erfolgs nicht zu sein. Eine Umkehr der Beweis­last ist nur aus­ge­schlos­sen, wenn jeg­li­cher haf­tungs­be­grün­den­de Ursa­chen­zu­sam­men­hang äußerst unwahr­schein­lich ist1.

Die Annah­me eines Orga­ni­sa­ti­ons­man­gels, für den der Kran­ken­haus­trä­ger haf­tungs­recht­lich ein­zu­ste­hen hat, liegt nahe, wenn ein Kran­ken­haus­trä­ger eine Schlag­an­fall­ein­heit ein­rich­tet, die­se aber tech­nisch und per­so­nell unzu­läng­lich aus­stat­tet, so dass die dort ein­ge­lie­fer­ten Pati­en­ten nicht recht­zei­tig rich­tig ver­sorgt wer­den kön­nen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 21. Janu­ar 2014 – VI ZR 78/​13

  1. vgl. BGH, Urtei­le vom 27.04.2004 – VI ZR 34/​03, BGHZ 159, 48, 56 f.; vom 07.06.2011 – VI ZR 87/​10, VersR 2011, 1148 Rn. 7; vom 13.09.2011 – VI ZR 144/​10, VersR 2011, 1400 Rn. 8; vom 02.07.2013 – VI ZR 554/​12, VersR 2013, 1174 Rn. 11 []