Das Ver­kün­dungs­pro­to­koll – und die Beschwer­de­frist

Der Lauf der Beschwer­de­frist in einer Fami­li­en­streit­sa­che setzt vor­aus, dass die Ent­schei­dung ord­nungs­ge­mäß ver­kün­det wor­den ist, was nur durch ein vom Rich­ter unter­zeich­ne­tes Ver­kün­dungs­pro­to­koll nach­ge­wie­sen wer­den kann 1.

Das Ver­kün­dungs­pro­to­koll – und die Beschwer­de­frist

Die Unter­schrift unter dem Pro­to­koll muss einen indi­vi­du­el­len Cha­rak­ter auf­wei­sen und einem Drit­ten, der den Namen des Unter­zeich­nen­den kennt, ermög­li­chen, die­sen Namen aus dem Schrift­bild noch her­aus­zu­le­sen. Die Unter­schrift muss zwar nicht unbe­dingt les­bar sein, min­des­tens ein­zel­ne Buch­sta­ben müs­sen aber – wenn auch nur andeu­tungs­wei­se – zu erken­nen sein 2.

Ent­schei­dun­gen in einer – hier vor­lie­gen­den – Fami­li­en­streit­sa­che nach § 113 Abs. 1 Satz 2 FamFG i.V.m. § 311 Abs. 2 Satz 1 ZPO sind zu ver­kün­den. Bei Feh­len einer wirk­sa­men Ver­kün­dung des Beschlus­ses beginnt die Rechts­mit­tel­fris­ten nicht zu lau­fen 3.

Die Ver­kün­dung des Beschlus­ses ist auch dann unwirk­sam, wenn die Rich­te­rin das Ver­kün­dungs­pro­to­koll nur mit einer Para­phe unter­zeich­net hat. Das Pro­to­koll, das gemäß § 160 Abs. 1 Nr. 7 ZPO die Ver­kün­dung der Ent­schei­dung ent­hält, ist gemäß § 163 Abs. 1 Satz 1 ZPO vom Vor­sit­zen­den zu unter­schrei­ben. Es fehlt am Nach­weis einer Ver­kün­dung gemäß § 310 ZPO, wenn kein ord­nungs­ge­mä­ßes Pro­to­koll besteht 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 25. Janu­ar 2017 – XII ZB 504/​15

  1. im Anschluss an BGH, Beschluss vom 13.06.2012 – XII ZB 592/​11 , Fam­RZ 2012, 1287[]
  2. im Anschluss an BGH, Beschluss vom 19.10.2011 – XII ZB 250/​11 , Fam­RZ 2012, 106[]
  3. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 13.06.2012 XII ZB 592/​11 Fam­RZ 2012, 1287 Rn. 15 ff.; und vom 19.10.2011 XII ZB 250/​11 , Fam­RZ 2012, 106 Rn. 12 f.[]
  4. BGH Urteil vom 31.05.2007 – X ZR 172/​04 NJW 2007, 3210 Rn. 13 unter Hin­weis auf BGHZ (GSZ) 14, 39; s. auch BGH, Beschlüs­se vom 13.06.2012 XII ZB 592/​11 Fam­RZ 2012, 1287 Rn. 15; und vom 19.10.2011 – XII ZB 250/​11 , Fam­RZ 2012, 106 Rn. 14[]
  5. Anschluss an BGH, Beschluss vom 11.03.2015 – XII ZB 571/​13, Rn. 14[]