Das ver­stopf­te Abfluss­rohr, der Stark­re­gen und der nach­bar­recht­li­che Aus­gleichs­an­spruch

Ein Aus­gleichs­an­spruch nach § 906 Abs. 2 Satz 2 BGB setzt vor­aus, dass der Eigen­tü­mer eines Grund­stücks als Stö­rer im Sin­ne von § 1004 Abs. 1 BGB für die Beein­träch­ti­gung eines ande­ren Grund­stücks ver­ant­wort­lich ist 1. Die durch Natur­er­eig­nis­se aus­ge­lös­ten Stö­run­gen 2 sind dem Eigen­tü­mer eines Grund­stücks nur dann zuzu­rech­nen, wenn er sie durch eige­ne Hand­lun­gen ermög­licht hat oder wenn die Beein­träch­ti­gung erst durch ein pflicht­wid­ri­ges Ver­hal­ten her­bei­ge­führt wor­den ist 3.

Das ver­stopf­te Abfluss­rohr, der Stark­re­gen und der nach­bar­recht­li­che Aus­gleichs­an­spruch

So ver­hält es sich jedoch nicht, wenn der Ein­lass zu einer von Drit­ten zum Schutz vor einem Über­tritt des Was­sers auf tie­fer gele­ge­ne Grund­stü­cke ange­leg­ten Rohr­lei­tung nicht ord­nungs­ge­mäß errich­tet, erhal­ten oder gewar­tet wor­den ist. Nicht der Eigen­tü­mer eines höher gele­ge­nen Grund­stücks ist ver­pflich­tet, durch Erhal­tung und Rei­ni­gung eines sol­chen Abflus­ses für einen aus­rei­chen­den Schutz der tie­fer gele­ge­nen Grund­stü­cke zu sor­gen 4; viel­mehr haben grund­sätz­lich deren Eigen­tü­mer sich um den Schutz ihrer Grund­stü­cke zu küm­mern, wozu sie berech­tigt sein kön­nen, auf dem höher gele­ge­nen Grund­stück die dafür erfor­der­li­chen Schutz­maß­nah­men (etwa durch Anle­gen eines Roh­res zum Schutz ihrer (bebau­ten) Grund­stü­cke) vor wild abflie­ßen­dem Ober­flä­chen­was­ser zu ergrei­fen 5. Eine sol­che Befug­nis zur Errich­tung einer Rohr­an­la­ge auf einem höher gele­ge­nen Grund­stück zum Schutz der in einem tie­fer gele­ge­nen Bau­ge­biet gele­ge­nen Grund­stü­cke kann aller­dings auch einem Unter­neh­men der Ent­wäs­se­rung zuste­hen oder durch eine behörd­li­che Anord­nung begrün­det wer­den (vgl. § 118 LWG NRW).

Eine gesetz­li­che Pflicht des Eigen­tü­mers eines ober­lie­gen­den Grund­stücks, die von ande­ren zum Schut­ze der tie­fer gele­ge­nen Grund­stü­cke errich­te­ten Anla­gen zu erhal­ten, wird auch nicht durch das Was­ser­recht (§ 94 LWG NRW; jetzt gere­gelt in § 36 WHG) begrün­det. Die genann­ten was­ser­recht­li­chen Vor­schrif­ten sol­len allein nach­tei­li­ge Aus­wir­kun­gen auf das Gewäs­ser (Beein­träch­ti­gun­gen oder schäd­li­che Gewäs­ser­ver­än­de­run­gen) durch Anla­gen in und an ober­ir­di­schen Gewäs­sern ver­hin­dern, jedoch nicht benach­bar­te Grund­stü­cke vor aus der Anla­ge aus­tre­ten­dem bzw. nicht durch die Anla­ge abge­führ­tem, wild abflie­ßen­dem Ober­flä­chen­was­ser schüt­zen 6.

Der Eigen­tü­mer des ober­lie­gen­den Grund­stücks ist dem Eigen­tü­mer den unte­ren Grund­stücks auch nicht wegen Ver­let­zung einer Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht nach § 823 Abs. 1 BGB zum Scha­dens­er­satz ver­pflich­tet. Es ist nicht sei­ne Sache, son­dern die der geschä­dig­ten Eigen­tü­mer, sich dar­um zu küm­mern, dass eine allein dem Schutz der tie­fer gele­ge­nen Grund­stü­cke vor einem für deren Nut­zung gefähr­li­chen, unkon­trol­liert abflie­ßen­den Ober­flä­chen­was­ser die­nen­de Rohr­an­la­ge sich in einem dazu geeig­ne­ten Zustand befin­det.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 17. Okto­ber 2013 – V ZR 15/​13

  1. vgl. BGH, Urteil vom 18.04.1991 – III ZR 1/​90, BGHZ 114, 183, 187[]
  2. hier: durch eine Schlamm­la­wi­ne nach einem Stark­re­gen[]
  3. BGH, Urteil vom 02.03.1984 – V ZR 54/​83, BGHZ 90, 255, 266; BGH, Urteil vom 18.04.1991 – III ZR 1/​90, aaO[]
  4. BGH, Urteil vom 18.04.1991 – III ZR 1/​90, aao, 188 f[]
  5. BGH, Urteil vom 18.04.1991 – III ZR 1/​90, aaO, 191 f[]
  6. vgl. OLG Hamm, Urteil vom 31.01.2011 – 5 U 91/​10, juris Rn. 46[]