Das Wider­rufs­recht und die Hin­sen­de­kos­ten

Macht ein Käu­fer bei einem Ver­sand­kauf von sei­nem Wider­rufs- oder Rück­ga­be­recht Gebrauch, so darf ihn der Ver­käu­fer der Waren nicht mit den Ver­sand­kos­ten für die Hin­sen­dung der Ware an den Ver­brau­cher belas­ten. Dies stell­te der Bun­des­ge­richts­hof heu­te auf die die Kla­ge eines Ver­brau­cher­ver­ban­des klar und setzt damit eine ent­spre­che Vor­ab­ent­schei­dung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on um.

Das Wider­rufs­recht und die Hin­sen­de­kos­ten

Die heu­te vom BGH ent­schie­de­ne Kla­ge rich­te­te sich gegen ein Ver­sand­han­dels­un­ter­neh­men, das sei­nen Kun­den für die Zusen­dung der Ware einen Ver­sand­kos­ten­an­teil von pau­schal 4,95 € pro Bestel­lung in Rech­nung stellt. Der kla­gen­de Ver­brau­cher­ver­band nimmt nun das beklag­te Ver­sand­han­dels­un­ter­neh­men auf Unter­las­sung der Erhe­bung sol­cher Kos­ten nach Aus­übung des Wider­rufs- oder Rück­ga­be­rechts bei Fern­ab­satz­ge­schäf­ten in Anspruch. Das erst­in­stanz­lich mit die­sem Fall befass­te Land­ge­richt Karls­ru­he hat der Unter­las­sungs­kla­ge statt­ge­ge­ben 1. Das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he hat die dage­gen gerich­te­te Beru­fung des Ver­sand­han­dels­un­ter­neh­mens zurück­ge­wie­sen 2.

Die hier­ge­gen gerich­te­te Revi­si­on des Ver­sand­han­dels­un­ter­neh­mens hat­te nun vor dem Bun­des­ge­richts­hof eben­falls kei­nen Erfolg.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat­te zunächst , ob die Fern­ab­satz-Richt­li­nie 3 dahin aus­zu­le­gen ist, dass sie einer natio­na­len Rege­lung ent­ge­gen­steht, nach der die Kos­ten der Zusen­dung der Waren auch dann dem Ver­brau­cher auf­er­legt wer­den kön­nen, wenn er den Ver­trag wider­ru­fen hat 4.

Die­se Vor­la­ge­fra­ge hat der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on bejaht und zur Begrün­dung aus­ge­führt, dass mit Arti­kel 6 der Fern­ab­satz-Richt­li­nie ein­deu­tig das Ziel ver­folgt wird, den Ver­brau­cher nicht von der Aus­übung sei­nes Wider­rufs­rechts abzu­hal­ten. Des­halb lie­fe eine Aus­le­gung, nach der es den Mit­glied­staa­ten der Euro­päi­schen Uni­on erlaubt wäre, eine Rege­lung vor­zu­se­hen, die dem Ver­brau­cher im Fall eines sol­chen Wider­rufs die Kos­ten der Zusen­dung in Rech­nung stellt, die­sem Ziel zuwi­der 5.

Auf­grund die­ser für die natio­na­len Gerich­te bin­den­den Aus­le­gung der Fern­ab­satz-Richt­li­nie durch den EuGH ist § 346 Abs. 1 BGB in Ver­bin­dung mit §§ 312d, 357 BGB richt­li­ni­en­kon­form dahin aus­zu­le­gen, dass dem Ver­brau­cher nach dem Wider­ruf eines Fern­ab­satz­ver­tra­ges ein Anspruch auf Rück­ge­währ geleis­te­ter Hin­sen­de­kos­ten zusteht. Dem­entspre­chend ist es Ver­käu­fern von Waren im Fern­ab­satz­ge­schäft – wie der Beklag­ten im ent­schie­de­nen Fall – ver­wehrt, Ver­brau­chern die Kos­ten für die Hin­sen­dung der von ihr ver­trie­be­nen Waren auch dann auf­zu­er­le­gen, wenn die­se von ihrem Wider­rufs- oder Rück­ga­be­recht Gebrauch machen.

  1. LG Karls­ru­he – Urteil vom 19.12.2005 – 10 O 794/​05, MMR 2006, 245[]
  2. OLG Karls­ru­he – Urteil vom 05.09.2007 – 15 U 226/​06, WM 2008, 419 = MMR 2008, 46[]
  3. Richt­li­nie 97/​7/​EG des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 20. Mai 1997 über den Ver­brau­cher­schutz bei Ver­trags­ab­schlüs­sen im Fern­ab­satz []
  4. BGH, Beschluss vom 01.10.2008 – VIII ZR 268/​07[]
  5. EuGH, Urteil vom 15. April 2010 – Rs. C‑511/​08, NJW 2010, 1941[]