Das zu weit gehen­de Unter­las­sungs­ur­teil

Eine Ver­ur­tei­lung zur Unter­las­sung ist von Amts wegen auf­zu­he­ben, wenn ein im Unter­las­sungs­an­trag ent­hal­te­nes Merk­mal der zu ver­bie­ten­den Hand­lung im Urteils­aus­spruch fehlt und das vom Gericht aus­ge­spro­che­ne Unter­las­sungs­ge­bot daher wei­ter reicht als der Unter­las­sungs­an­trag.

Das zu weit gehen­de Unter­las­sungs­ur­teil

So hat­te in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall das gegen den beklag­ten Apo­the­ker aus­ge­spro­che­ne Unter­las­sungs­ge­bot schon des­halb kei­nen Bestand, weil die im Unter­las­sungs­haupt­an­trag ent­hal­te­ne Wen­dung "unter Umge­hung des Rechts des Pati­en­ten auf freie Apo­the­ken­wahl" im Tenor des Beru­fungs­ur­teils fehlt und das Beru­fungs­ge­richt dem Klä­ger damit mehr zuge­spro­chen hat, als die­ser bean­tragt hat (§ 308 Abs. 1 ZPO; vgl. hier­zu OLG Karls­ru­he, GRUR 1982, 169, 171; Musielak in Musielak/​Voit, ZPO, 12. Aufl., § 308 Rn. 13).

Das aus­ge­spro­che­ne Unter­las­sungs­ge­bot reicht inso­fern wei­ter als der vom Klä­ger gestell­te Unter­las­sungs­haupt­an­trag, als das Ver­bot anders als der Kla­gen­an­trag Fäl­le erfasst, in denen der Pati­ent nicht vom direk­ten Kon­takt zur Apo­the­ke aus­ge­schlos­sen wird 1. Der vor­lie­gen­de Ver­stoß gegen § 308 Abs. 1 ZPO ist von Amts wegen zu berück­sich­ti­gen 2 und erfor­dert die Auf­he­bung des Beru­fungs­ur­teils.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 18. Juni 2015 – I ZR 26/​14

  1. vgl. zur Fra­ge, ob das Merk­mal der Zuwei­sung erfüllt ist, wenn der Pati­ent sein Ein­ver­ständ­nis mit der direk­ten Zulei­tung sei­nes Rezepts an eine bestimm­te Apo­the­ke erklärt hat, Wes­ser in Kieser/​Wesser/​Saalfrank, ApoG, Stand Febru­ar 2015, § 11 Rn. 8 f.[]
  2. BGH, Urteil vom 29.06.2006 – I ZR 235/​03, BGHZ 168, 179 Rn. 13 Anschrif­ten­lis­te, mwN[]