Dem­nächs­ti­ge Hei­lung einer Zustel­lung

Die Vor­schrift des § 167 ZPO erfasst auch die erst durch eine Hei­lung wirk­sam gewor­de­ne Zustel­lung [1].

Dem­nächs­ti­ge Hei­lung einer Zustel­lung

Eine Kla­ge ist dann „dem­nächst“ zuge­stellt im Sin­ne von § 167 ZPO, wenn die Par­tei und ihr Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ter unter Berück­sich­ti­gung der Gesamt­um­stän­de alles Zumut­ba­re für die als­bal­di­ge Zustel­lung getan haben. Dies ist dann nicht der Fall, wenn die Par­tei, der die Fris­t­wah­rung obliegt, oder ihr Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ter durch nach­läs­si­ges, wenn auch nur leicht fahr­läs­si­ges Ver­hal­ten zu einer nicht bloß gering­fü­gi­gen Zustel­lungs­ver­zö­ge­rung bei­getra­gen haben; als gering­fü­gig sind in der Regel Zustel­lungs­ver­zö­ge­run­gen bis zu 14 Tagen anzu­se­hen [2].

Die­se Frist von 14 Tagen ist im Streit­fall nicht über­schrit­ten, weil bei der Prü­fung nicht auf die seit Kla­ge­ein­rei­chung, son­dern auf die seit Ende der Ver­jäh­rungs­frist ver­stri­che­ne Zeit abzu­stel­len ist [3]. Hier wäre eine Kla­ge­ein­rei­chung am 2.01.2012 gemäß § 193 BGB recht­zei­tig gewe­sen, weil der 31.12 2011 ein Sonn­abend war und der Gläu­bi­ger die Ver­jäh­rungs­frist voll aus­nut­zen darf.

Ob eine recht­zei­ti­ge Hem­mung der Ver­jäh­rung bereits auf­grund der Ein­rei­chung der Kla­ge­schrift und ihrer nach­fol­gen­den Zustel­lung an die deut­sche Agen­tin der Beklag­ten ein­ge­tre­ten ist, weil die­se zustel­lungs­be­voll­mäch­tigt für die Beklag­te war, oder ob sich die Beklag­te zumin­dest auf eine feh­len­de Zustel­lungs­voll­macht ihrer Agen­tin nicht beru­fen kann, konn­te dabei im vor­lie­gen­den Fall dahin­ste­hen: Denn eine „dem­nächs­ti­ge Zustel­lung“ i.S. von § 167 ZPO, die auf den Zeit­punkt der Kla­ge­ein­rei­chung im Dezem­ber 2011 zurück­wirk­te, ist jeden­falls auf­grund der anschlie­ßen­den Über­ga­be der Kla­ge­schrift an die erst­in­stanz­li­chen Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten der Beklag­ten anzu­neh­men. Da die­se sich am 16.01.2012 unter Anzei­ge ihrer Zustel­lungs­voll­macht für die Beklag­te gemel­det haben, ist davon aus­zu­ge­hen, dass ihnen die Kla­ge­schrift spä­tes­tens an die­sem Tage zuge­gan­gen ist, so dass die Kla­ge gemäß § 189 ZPO an die­sem Tage als zuge­stellt gilt. Das reicht für die Annah­me dem­nächs­ti­ger Zustel­lung der im Dezem­ber 2011 ein­ge­reich­ten Kla­ge aus. Die Vor­schrift erfasst auch die erst durch eine Hei­lung wirk­sam gewor­de­ne Zustel­lung [4].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 20. Mai 2015 – IV ZR 127/​14

  1. BGH, Urteil vom 12.03.2015 – III ZR 207/​14, EBE/​BGH 2015, 14319[]
  2. BGH, Urteil vom 22.09.2004 – VIII ZR 360/​03, NJW 2004, 3775 unter II 2 a, m.w.N.[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 18.11.2004 – IX ZR 229/​03, BGHZ 161, 138, 140 m.w.N.[]
  4. BGH, Urteil vom 12.03.2015 – III ZR 207/​14, EBE/​BGH 2015, 143[]