Der Anspruch auf eine münd­li­che Ver­hand­lung …

Art. 103 Abs. 1 GG begrün­det kein Recht auf eine münd­li­che Ver­hand­lung, son­dern nur auf recht­li­ches Gehör. Wie die­ses gewährt wird – schrift­lich oder münd­lich – regelt die Ver­fas­sung nicht. Es ist Sache des Gesetz­ge­bers, inwie­weit er in einem bestimm­ten Ver­fah­ren einen Anspruch auf eine münd­li­che Ver­hand­lung geben will.

Der Anspruch auf eine münd­li­che Ver­hand­lung …

Soweit das Gesetz kei­ne ver­bind­li­che Ent­schei­dung trifft, liegt die Form der Anhö­rung grund­sätz­lich im Ermes­sen des Gerichts 1. § 1063 Abs. 1 ZPO sieht vor, dass das Ober­lan­des­ge­richt durch Beschluss nach Anhö­rung des Antrags­geg­ners ent­schei­det. Eine münd­li­che Ver­hand­lung ist nur im Fall des § 1063 Abs. 2 ZPO vor­ge­schrie­ben 2. Die­se hat das Gericht anzu­ord­nen, wenn die Auf­he­bung des Schieds­spruchs bean­tragt wird oder wenn bei einem Antrag auf Aner­ken­nung oder Voll­streck­bar­er­klä­rung des Schieds­spruchs Auf­he­bungs­grün­de nach § 1059 Abs. 2 ZPO in Betracht kom­men 3.

Ein Anspruch auf Durch­füh­rung einer münd­li­chen Ver­hand­lung folgt auch nicht aus Art. 6 Abs. 1 Satz 1 EMRK.

Nach die­ser Kon­ven­ti­ons­be­stim­mung hat jeder­mann Anspruch dar­auf, dass sei­ne Sache in bil­li­ger Wei­se öffent­lich und inner­halb einer ange­mes­se­nen Frist von einem unab­hän­gi­gen und unpar­tei­ischen, auf Gesetz beru­hen­den Gericht gehört wird, das über zivil­recht­li­che Ansprü­che und Ver­pflich­tun­gen zu ent­schei­den hat. Das Ergeb­nis des Ver­fah­rens, also die Ent­schei­dung, muss unmit­tel­ba­re Aus­wir­kun­gen auf das streit­ge­gen­ständ­li­che Recht haben. Des­halb fal­len ver­fah­rens­recht­li­che Ent­schei­dun­gen man­gels Ent­schei­dung in der Sache nicht unter Art. 6 EMRK, so unter ande­rem Ent­schei­dun­gen über die Zustän­dig­keit eines Gerichts 4. Art. 6 Abs. 1 Satz 1 EMRK ist des­halb für die Anfech­tung der Ent­schei­dung eines Schieds­ge­richts über sei­ne Zustän­dig­keit nicht ein­schlä­gig.

Abge­se­hen davon gilt der Grund­satz, dass Art. 6 Abs. 1 Satz 1 EMRK regel­mä­ßig einen Anspruch auf eine münd­li­che Ver­hand­lung gewährt, unein­ge­schränkt nur für die ers­te Instanz; in zwei­ter Instanz ist dies, wenn in der Vor­in­stanz bereits eine münd­li­che Ver­hand­lung statt­ge­fun­den hat, anders 5. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Antrag­stel­le­rin­nen wird aber das staat­li­che Gericht, wenn es über einen Antrag auf gericht­li­che Ent­schei­dung gegen einen Zustän­dig­keits-Zwi­schen­ent­scheid eines Schieds­ge­richts befin­det, nicht "erst­in­stanz­lich" tätig. Vor dem Schieds­ge­richt hat­te hier bereits am 18.02.2013 eine geson­der­te münd­li­che Ver­hand­lung zur Fra­ge der Zustän­dig­keit statt­ge­fun­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 24. Juli 2014 – III ZB 83/​13

  1. vgl. nur BVerfGE 60, 175, 210 f; 89, 381, 391[]
  2. sie­he auch Gesetz­ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung zum Schieds­ver­fah­rens-Neu­re­ge­lungs­ge­setz, BT-Drs. 13/​5274, S. 64 f[]
  3. vgl. hier­zu BGH, Beschluss vom 15.07.1999 – III ZB 21/​98, BGHZ 142, 204, 207[]
  4. vgl. nur EGMR, NJW 2003, 1921, 1922 und Ent­schei­dung vom 22.02.2007, Nr. 76835/​01 Rn. 34 mwN; Mey­er-Lade­wig, EMRK, 3. Aufl., Art. 6 Rn. 13; sie­he auch Grabenwarter/​Pabel in Dörr/​Grote/​Marauhn, EMRK/​GG, 2. Aufl., Kap. 14 Rn. 17; Mey­er in Karpenstein/​Mayer, EMRK, Art. 6 Rn. 21[]
  5. vgl. EGMR, EuGRZ 1991, 415 Rn. 31 ff; 1991, 419 Rn. 29 und 1991, 420 Rn. 33; Frowein/​Peukert, EMRK, 3. Aufl., Art. 6 Rn.195; Mey­er-Lade­wig aaO Rn. 174; Grabenwarter/​Pabel aaO Rn. 134; Mey­er aaO Rn. 65, jeweils mwN[]