Der Archi­tekt und das Bau­ta­ge­buch

Ver­ein­ba­ren die Par­tei­en, dass für Inhalt und Umfang der werk­ver­trag­li­chen Leis­tungs­pflich­ten des Archi­tek­ten das Leis­tungs­bild des § 15 Abs. 2 HOAI ent­spre­chend gilt, hat der Archi­tekt ein Bau­ta­ge­buch zu füh­ren.

Der Archi­tekt und das Bau­ta­ge­buch

Kommt der Archi­tekt die­ser Ver­pflich­tung nicht nach, ist der Bestel­ler grund­sätz­lich gemäß § 634 BGB zur Min­de­rung des Archi­tek­ten­ho­no­rars berech­tigt.

Die Par­tei­en haben im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall ver­ein­bart, dass für Inhalt und Umfang der werk­ver­trag­li­chen Leis­tungs­pflich­ten das Leis­tungs­bild des § 15 Abs. 2 HOAI ent­spre­chend gilt, soweit sie kei­ne abwei­chen­den Ver­ein­ba­run­gen tref­fen. Sie haben zudem gere­gelt, dass aus die­sem Leis­tungs­bild der Archi­tekt die­je­ni­gen Grund­leis­tun­gen zu erbrin­gen hat, die die Bau­maß­nah­me erfor­dert. Als Bau­maß­nah­me waren im Wesent­li­chen die Moder­ni­sie­rung, Instand­set­zung und der Aus­bau von Gebäu­den vor­ge­se­hen.

Danach schul­de­te der Archi­tekt das Füh­ren eines Bau­ta­ge­buchs. Denn dies gehört zum Leis­tungs­bild der Objekt­über­wa­chung (Leis­tungs­pha­se 8 des § 15 Abs. 2 HOAI). Die Par­tei­en haben aus­drück­lich ver­ein­bart, dass für den Inhalt der Leis­tungs­pflich­ten das Leis­tungs­bild des § 15 Abs. 2 HOAI ent­spre­chend gilt. Der Auf­fas­sung, das Füh­ren des Bau­ta­ge­buchs gehö­re nicht zu den Leis­tungs­pflich­ten, der Archi­tekt kön­ne sich allen­falls scha­dens­er­satz­pflich­tig machen, wenn er sei­ne Über­wa­chungs­pflich­ten nicht doku­men­tie­ren kön­ne, fehlt danach jede Grund­la­ge.

Aus der Rege­lung, dass der Archi­tekt nur die­je­ni­gen Grund­leis­tun­gen zu erbrin­gen hat, die die Bau­maß­nah­me erfor­dert, ergibt sich nichts ande­res. Der Bau­herr ist nicht gehal­ten, kon­kret zur Erfor­der­lich­keit des Bau­ta­ge­bu­ches für die ein­zel­nen Bau­maß­nah­men vor­zu­tra­gen. Ins­be­son­de­re muss er nicht dar­le­gen, wel­che Anga­ben er den Bau­ta­ge­bü­chern hat ent­neh­men wol­len. Denn die Erfor­der­lich­keit des Füh­rens eines Bau­ta­ge­buchs für die jewei­li­gen Bau­maß­nah­men ergibt sich ohne wei­te­res aus dem Sinn und Zweck des Bau­ta­ge­bu­ches. Das Bau­ta­ge­buch hat den Zweck, das Bau­ge­sche­hen mit allen wesent­li­chen Ein­zel­hei­ten zuver­läs­sig und beweis­kräf­tig fest­zu­hal­ten. Die­se Doku­men­ta­ti­on kann ins­be­son­de­re bei Stö­run­gen des Bau­ab­laufs oder Aus­ein­an­der­set­zun­gen mit ande­ren Bau­be­tei­lig­ten von gro­ßer Bedeu­tung sein [1]. Die­ses Doku­men­ta­ti­ons­in­ter­es­se besteht nicht nur bei Neu­bau­ten, son­dern auch bei Bau­ten im Bestand, also bei Moder­ni­sie­rungs­maß­nah­men, Instand­set­zung und Aus­bau. Gera­de bei die­sen Maß­nah­men kann es von gro­ßer Wich­tig­keit sein, Abwei­chun­gen vom vor­aus­ge­setz­ten Bestand und sich dar­aus erge­ben­de Pro­ble­me zu doku­men­tie­ren, weil sie erfah­rungs­ge­mäß Grund­la­ge von Nach­trags­for­de­run­gen der Bau­un­ter­neh­mer sein kön­nen.

Hat der Archi­tekt den geschul­de­ten Teil­erfolg nicht erbracht, indem er kein Bau­ta­ge­buch geführt hat, ist sein Werk man­gel­haft [2]. Der Bau­herr kann dann unter den Vor­aus­set­zun­gen des § 634 BGB das Hono­rar für die Leis­tungs­pha­se 8 des § 15 Abs. 2 HOAI min­dern. Eine Frist­set­zung mit Ableh­nungs­an­dro­hung ist jedoch ent­behr­lich, weil ein Bau­ta­ge­buch nach­träg­lich nicht mehr zuver­läs­sig erstellt wer­den kann [3].

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 28. Juli 2011 – VII ZR 65/​10

  1. Locher/​Koeble/​Frik, HOAI, 10. Aufl., § 33 Rn. 222; Pott/​Dahlhoff/​Kniffka/​Rath, HOAI, 9. Aufl., § 33 Rn. 106; Löffelmann/​Fleischmann, Archi­tek­ten­recht, 5. Aufl., Rn. 548[]
  2. BGH, Urteil vom 24.06.2004 – VII ZR 259/​02, BGHZ 159, 376, 382[]
  3. OLG Karls­ru­he, BauR 2007, 1770, 1772[]