Der Berei­che­rungs­an­spruch – und das nicht beur­kun­de­te Schen­kungs­ver­spre­chen

Beruft sich der Leis­tungs­emp­fän­ger gegen­über dem Berei­che­rungs­an­spruch auf ein nicht nota­ri­ell beur­kun­de­tes Schen­kungs­ver­spre­chen als Rechts­grund, so beschränkt sich die ihn tref­fen­de Beweis­last auf den Nach­weis, dass die Leis­tung mit Wis­sen und Wol­len des Leis­ten­den bewirkt und der Form­man­gel damit geheilt wor­den ist. Das Feh­len eines Schen­kungs­ver­spre­chens muss dem­ge­gen­über der Leis­ten­de bewei­sen [1].

Der Berei­che­rungs­an­spruch – und das nicht beur­kun­de­te Schen­kungs­ver­spre­chen

Die Dar­le­gungs- und Beweis­last für die Her­aus­ga­be einer unge­recht­fer­tig­ten Berei­che­rung trägt grund­sätz­lich der Anspruch­stel­ler. Er hat das Risi­ko des Unter­lie­gens im Pro­zess zu tra­gen, wenn sich die sein Begeh­ren tra­gen­den Tat­sa­chen nicht fest­stel­len las­sen. Dies gilt auch, soweit zur Anspruchs­be­grün­dung eine nega­ti­ve Tat­sa­che wie das Feh­len eines Rechts­grun­des gemäß § 812 Abs. 1 Satz 1 BGB oder das Aus­blei­ben eines mit einer Leis­tung bezweck­ten Erfolgs gemäß § 812 Abs. 1 Satz 2 BGB gehört [2]. Die­se Beweis­last, die regel­mä­ßig zum mate­ri­el­len Recht zählt [3], ändert sich nicht auf­grund von Plau­si­bi­li­täts­er­wä­gun­gen; sol­che Erwä­gun­gen sind ledig­lich im Rah­men einer Beweis­wür­di­gung von Bedeu­tung.

Der Beweis des Rechts­grun­des der geleis­te­ten Zah­lun­gen obliegt dem Leis­tungs­emp­fän­ger auch nicht des­halb, weil er eine Schen­kung behaup­tet.

Soweit der Leis­tungs­emp­fän­ger sich gegen­über einem Berei­che­rungs­an­spruch mit einem nicht nota­ri­ell beur­kun­de­ten Schen­kungs­ver­spre­chen als Rechts­grund ver­tei­digt, trifft ihn aller­dings die Beweis­last, dass die zu sei­nen Guns­ten erfolg­te Ver­mö­gens­meh­rung auf einer den Form­man­gel hei­len­den Leis­tungs­er­brin­gung gemäß § 518 Abs. 2 BGB beruht, die Leis­tung also mit einem kon­kre­ten Wil­len des Leis­ten­den an ihn erbracht wur­de. Die­se zu Las­ten des Leis­tungs­emp­fän­gers abwei­chen­de Beweis­last­ver­tei­lung beruht auf dem Zweck der gemäß § 518 Abs. 1 BGB für einen Schen­kungs­ver­trag erfor­der­li­chen nota­ri­el­len Beur­kun­dung, unter ande­rem eine siche­re Beweis­grund­la­ge für sol­che ohne Gegen­leis­tung ver­ein­bar­ten Ver­trags­be­zie­hun­gen sicher­zu­stel­len [4]. Im Fal­le eines Streits über die­ses Sach­ver­halts­ele­ment hat der Leis­tungs­emp­fän­ger nach­zu­wei­sen, dass die Ver­mö­gens­ver­schie­bung mit Wis­sen und Wol­len des Leis­ten­den bewirkt wor­den ist [5].

Die­ser Nach­weis kann zwar gege­be­nen­falls nur durch den Beweis eines Schen­kungs­ver­trags erbracht wer­den. Die den Leis­tungs­emp­fän­ger tref­fen­de Beweis­last beschränkt sich indes­sen auf den Wil­len des Leis­ten­den zur Leis­tungs­be­wir­kung. Der Tat­be­stand der Leis­tungs­be­wir­kung heilt den Form­man­gel für einen Schen­kungs­ver­trag und genügt damit dem Zweck des § 518 Abs. 1 und 2 BGB, eine siche­re Beweis­grund­la­ge und Rechts­frie­den zu schaf­fen. Die­ser Zweck wür­de nicht erreicht, wenn der Leis­tungs­emp­fän­ger zur Ver­tei­di­gung gegen einen berei­che­rungs­recht­li­chen Her­aus­ga­be­an­spruch auch bewei­sen müss­te, dass die mit Wil­len des Leis­ten­den bewirk­te Leis­tung tat­säch­lich auf einem Schen­kungs­ver­trag mit ent­spre­chen­dem Schen­kungs­wil­len beruht. Eine so weit­ge­hen­de Beweis­last hät­te zur Fol­ge, dass der Beschenk­te sich über die Beweis­bar­keit der Leis­tungs­be­wir­kung hin­aus um wei­te­re Beweis­mit­tel für den Schen­kungs­wil­len sor­gen müss­te. Damit wür­de allein die Leis­tungs­be­wir­kung noch nicht den Rechts­frie­den schaf­fen, wie er von § 518 Abs. 2 BGB bezweckt ist, und die Mög­lich­keit der form­frei­en Hand­schen­kung aus­ge­höhlt.

Kann der Leis­tungs­emp­fän­ger den Nach­weis für eine mit Wis­sen und Wol­len des Leis­ten­den erfolg­te Leis­tungs­be­wir­kung erbrin­gen oder steht eine sol­che Leis­tungs­be­wir­kung wie im Streit­fall außer Streit, obliegt es dem Anspruch­stel­ler, die wei­te­ren Vor­aus­set­zun­gen einer unge­recht­fer­tig­ten Berei­che­rung nach­zu­wei­sen.

Die sekun­dä­re Dar­le­gungs­last des Leis­tungs­emp­fän­gers bleibt hier­von unbe­rührt. Wer gel­tend macht, ohne Rechts­grund geleis­tet zu haben, muss nur den­je­ni­gen Rechts­grund aus­räu­men, der sich aus dem Vor­trag des Leis­tungs­emp­fän­gers ergibt [6].

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 11. März 2014 – X ZR 150/​11

  1. Fort­füh­rung von BGH, Urteil vom 14.11.2006 – X ZR 34/​05, BGHZ 169, 377[]
  2. vgl. statt vie­ler BGH, Urtei­le vom 14.11.2006 – X ZR 34/​05, BGHZ 169, 377 Rn. 9; vom 18.02.2009 – XII ZR 163/​07, NJW-RR 2009, 1142 Rn.19 jeweils mwN[]
  3. vgl. BGH, Urtei­le vom 14.03.1988 – II ZR 302/​87, NJW-RR 1988, 831 unter 1.; vom 11.07.2007 – VIII ZR 110/​06, NJW 2007, 2619 Rn. 14 jeweils mwN[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 14.11.2006, aaO Rn. 13[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 14.11.2006, aaO Rn. 15[]
  6. vgl. BGH, Urtei­le vom 18.02.2009, aaO Rn.20 f.; vom 22.02.2011 – XI ZR 261/​09, NJW 2011, 2130 Rn.20 jeweils mwN[]