Der erst im Beru­fungs­ver­fah­ren gel­tend gemach­te Hilfs­an­trag

Die nach­träg­li­che Gel­tend­ma­chung eines Hilfs­an­trags ist eine objek­ti­ve Kla­ge­häu­fung, auf die die Vor­schrif­ten über die Kla­ge­än­de­rung nach §§ 533, 263, 264 ZPO ent­spre­chend anwend­bar sind 1. Über die Zuläs­sig­keit der Kla­ge­än­de­rung in der Beru­fungs­in­stanz ist auch im Revi­si­ons­ver­fah­ren nach dem Maß­stab des § 533 ZPO zu ent­schei­den 2.

Der erst im Beru­fungs­ver­fah­ren gel­tend gemach­te Hilfs­an­trag

Im vor­lie­gend vom Bun­des­ar­beits­ge­richts ent­schie­de­nen Fall war die Kla­ge­än­de­rung zuläs­sig: Zwar liegt kei­ne Ein­wil­li­gung des Geg­ners iSv. § 533 Nr. 1 ZPO vor. Die Beklag­te hat der Kla­ge­än­de­rung in der Beru­fungs­in­stanz viel­mehr aus­drück­lich wider­spro­chen. Jedoch ist die "Sach­dien­lich­keit" iSv. § 533 Nr. 1 ZPO zu beja­hen. Für den Fall, dass sich das Beru­fungs­ge­richt mit der Fra­ge der "Sach­dien­lich­keit" nicht beschäf­tigt hat, besteht eine eige­ne Prü­fungs­kom­pe­tenz des Revi­si­ons­ge­richts 3. Maß­geb­lich für die nach objek­ti­ven Gesichts­punk­ten zu beur­tei­len­de Sach­dien­lich­keit ist der Gedan­ke der Pro­zess­wirt­schaft­lich­keit, für den es ent­schei­dend dar­auf ankommt, ob und inwie­weit die Zulas­sung der Kla­ge­än­de­rung zu einer sach­ge­mä­ßen und end­gül­ti­gen Erle­di­gung des Streits zwi­schen den Par­tei­en führt, der den Gegen­stand des anhän­gi­gen Ver­fah­rens bil­det und einem andern­falls zu erwar­ten­den wei­te­ren Rechts­streit vor­beugt 4. Dies ist vor­lie­gend zu beja­hen.

Die Kla­ge­än­de­rung wird auch iSv. § 533 Nr. 2 ZPO auf Tat­sa­chen gestützt, die das Beru­fungs­ge­richt sei­ner Ver­hand­lung und Ent­schei­dung über die Beru­fung ohne­hin nach § 529 ZPO zugrun­de zu legen hat­te. Zwar haben die Hilfs­an­trä­ge einen ande­ren Kla­ge­grund und damit einen ande­ren Streit­ge­gen­stand als der Haupt­an­trag, selbst wenn es sich um ein ein­heit­li­ches Kla­ge­ziel han­deln soll­te 5. Aller­dings sind die neu vor­ge­tra­ge­nen Tat­sa­chen selbst unstrei­tig und damit im Beru­fungs­rechts­zug zu berück­sich­ti­gen 6.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 14. Juni 2017 – 10 AZR 308/​15

  1. BGH 22.01.2015 – I ZR 127/​13, Rn. 13[]
  2. vgl. BAG 12.07.2016 – 9 AZR 51/​15, Rn. 44[]
  3. vgl. BGH 7.05.1987 – VII ZR 158/​86, zu II der Grün­de[]
  4. BGH 6.04.2004 – X ZR 132/​02, zu II 2 a der Grün­de[]
  5. vgl. BGH 5.07.2016 – XI ZR 254/​15, Rn. 24 f.[]
  6. vgl. BGH 18.11.2004 – IX ZR 229/​03, zu II 2 der Grün­de, BGHZ 161, 138[]