Der Beschwer­de­be­grün­dung beim Aus­gangs­ge­richt

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs gehört es zu den Auf­ga­ben des Ver­fah­rens­be­voll­mäch­tig­ten, dafür zu sor­gen, dass ein frist­ge­bun­de­ner Schrift­satz recht­zei­tig gefer­tigt wird und inner­halb der Frist bei dem zustän­di­gen Gericht ein­geht [1]. In einer Fami­li­en­streit­sa­che ist die Begrün­dung der Beschwer­de beim Beschwer­de­ge­richt ein­zu­rei­chen (§ 117 Abs. 1 Satz 2 FamFG). Die schuld­haf­te Ver­ken­nung die­ser ein­deu­ti­gen Geset­zes­la­ge ist dem Antrags­geg­ner nach § 113 Abs. 1 FamFG i.V.m. § 85 Abs. 2 ZPO zuzu­rech­nen.

Der Beschwer­de­be­grün­dung beim Aus­gangs­ge­richt

Selbst wenn sich die Akten mit der ein­ge­leg­ten Beschwer­de noch beim Aus­gangs­ge­richt befin­den, ist die Beschwer­de­be­grün­dung oder ein ent­spre­chen­der Ver­län­ge­rungs­an­trag in Ehe- und Fami­li­en­streit­sa­chen nach § 117 Abs. 1 FamFG beim Beschwer­de­ge­richt ein­zu­rei­chen. Auch dar­über konn­te bei dem Ver­fah­rens­be­voll­mäch­tig­ten des Antrags­geg­ners kein Zwei­fel bestehen [2].

An einen mit der Beschwer­de­ein­le­gung betrau­ten Rechts­an­walt sind hin­sicht­lich der Ermitt­lung des für die Ein­le­gung des Rechts­mit­tels zustän­di­gen Gerichts hohe Sorg­falts­an­for­de­run­gen zu stel­len [3]. Denn die Klä­rung der Zustän­dig­keit fällt in sei­nen Ver­ant­wor­tungs­be­reich. Er ist daher gehal­ten, die Rechts­mit­tel­schrift und ins­be­son­de­re die Emp­fangs­zu­stän­dig­keit des dar­in bezeich­ne­ten Adres­sa­ten auf ihre Rich­tig­keit zu über­prü­fen [4]. Die­sel­ben Maß­stä­be gel­ten für die Ein­rei­chung der Rechts­mit­tel­be­grün­dung. Bei Unter­zeich­nung hat der Rechts­an­walt sie auf ihre Rich­tig­keit, ins­be­son­de­re auf kor­rek­te Adres­sie­rung hin zu über­prü­fen.

Die Sorg­falts­pflicht­ver­let­zung wur­de auch für die Ver­säu­mung der Rechts­mit­tel­be­grün­dungs­frist kau­sal. Ein Recht­su­chen­der darf zwar dar­auf ver­trau­en, dass ein mit der Sache bereits befass­tes Gericht einen bei ihm ein­ge­reich­ten, aber für das Rechts­mit­tel­ge­richt bestimm­ten Schrift­satz im ordent­li­chen Geschäfts­gang dort­hin wei­ter­lei­ten wird [5]. Das ist im vor­lie­gen­den Fall jedoch gesche­hen. Die am 16.08.2013 ein­ge­gan­ge­ne Beschwer­de­be­grün­dung ist vom Abtei­lungs­rich­ter bereits am dar­auf­fol­gen­den Werk­tag, dem 19.08.2013, bear­bei­tet wor­den, indem er die Über­sen­dung der Akte nebst Beschwer­de­be­grün­dung an das Beschwer­de­ge­richt ver­fügt hat. Am nächs­ten Tag, dem 20.08.2013, hat die Geschäfts­stel­le die Akten­über­sen­dung an das Beschwer­de­ge­richt ver­an­lasst. Die­se Vor­ge­hens­wei­se bewegt sich im Rah­men eines ordent­li­chen Geschäfts­gangs.

Eine Ver­pflich­tung, die Rechts­mit­tel­schrift von der Akte zu tren­nen und sie dem Ober­lan­des­ge­richt vor­ab per Brief­post oder Tele­fax zu sen­den, bestand auch im vor­lie­gen­den Fall nicht [6].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss des XII. Zivil­se­nats vom 12. Febru­ar 2014 – XII ZB 640/​13

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 23.01.2013 XII ZB 559/​12 FamRZ 2013, 695 Rn. 6[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 15.06.2011 XII ZB 468/​10 FamRZ 2011, 1389 Rn. 10[]
  3. vgl. etwa BGH, Beschluss vom 03.11.2010 XII ZB 197/​10 FamRZ 2011, 100 Rn.19 mwN[]
  4. vgl. BGH Beschluss vom 14.12 2010 – VIII ZB 20/​09 NJW 2011, 683 Rn. 16 mwN[]
  5. BGH, Beschlüs­se vom 23.05.2012 XII ZB 375/​11 FamRZ 2012, 1205 Rn. 26 mwN[]
  6. vgl. BGH, Beschluss vom 19.09.2012 – XII ZB 221/​12[]