Der Beweis über inne­re Vor­gän­ge

Sol­len Zeu­gen wie hier über inne­re Vor­gän­ge bei einer ande­ren Per­son ver­nom­men wer­den, die der direk­ten Wahr­neh­mung durch die Zeu­gen natur­ge­mäß ent­zo­gen sind, so kön­nen sie zwar allen­falls Anga­ben zu äuße­ren Umstän­den machen, die einen Rück­schluss auf den zu bewei­sen­den inne­ren Vor­gang zulas­sen. Es han­delt sich inso­weit um einen Indi­zi­en­be­weis, wofür die äuße­ren Umstän­de, die unmit­tel­ba­rer Gegen­stand der Beweis­auf­nah­me sein sol­len, dar­zu­le­gen sind 1.

Der Beweis über inne­re Vor­gän­ge

Der Tatrich­ter muss und darf bei einem Indi­zi­en­be­weis vor der Beweis­erhe­bung auch prü­fen, ob die vor­ge­tra­ge­nen Indi­zi­en ihre Rich­tig­keit unter­stellt ihn von der Wahr­heit der Haupt­tat­sa­che über­zeu­gen wür­den, ob der Indi­zi­en­be­weis also schlüs­sig ist. Des­halb stellt es zwar kei­nen Ver­fah­rens­feh­ler dar, wenn der Tatrich­ter von der bean­trag­ten Beweis­erhe­bung absieht, weil die unter Beweis gestell­ten Hilfs­tat­sa­chen für den Nach­weis der Haupt­tat­sa­che nach sei­ner Über­zeu­gung nicht aus­rei­chen.

Wer­den meh­re­re Hilfs­tat­sa­chen vor­ge­tra­gen, die jeweils für sich allein betrach­tet kei­ne siche­ren Rück­schlüs­se auf die Haupt­tat­sa­che zulas­sen, ist vom Tatrich­ter aber zu prü­fen, ob die Hilfs­tat­sa­chen in einer Gesamt­schau, gege­be­nen­falls im Zusam­men­hang mit dem übri­gen Pro­zess­stoff, geeig­net sind, ihn von der beweis­be­dürf­ti­gen Behaup­tung zu über­zeu­gen 2. Die­se Prü­fung hat das Beru­fungs­ge­richt unter­las­sen.

Die unter­las­se­ne Erhe­bung der inso­weit ange­bo­te­nen Bewei­se ver­letzt den Anspruch der Pro­zess­par­tei auf recht­li­ches Gehör in ent­schei­dungs­er­heb­li­cher Wei­se, denn das Urteil beruht auf die­ser Ver­let­zung. Die­se Vor­aus­set­zung ist schon dann erfüllt, wenn nicht aus­ge­schlos­sen wer­den kann, dass das Gericht bei Berück­sich­ti­gung des über­gan­ge­nen Vor­brin­gens anders ent­schie­den hät­te 3. Die Gehörs­ver­let­zung führt nach § 543 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 Fall 2 ZPO zur Zulas­sung der Revi­si­on, weil die Siche­rung einer ein­heit­li­chen Recht­spre­chung eine Ent­schei­dung des Revi­si­ons­ge­richts erfor­dert 4, und recht­fer­tigt gemäß § 544 Abs. 7 ZPO die Auf­he­bung des ange­foch­te­nen Urteils und die Zurück­ver­wei­sung der Sache.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 3. Juni 2014 – XI ZR 435/​12

  1. BGH, Urteil vom 08.05.2012 – XI ZR 262/​10, BGHZ 193, 159 Rn. 44 mwN[]
  2. BGH, Urteil aaO Rn. 45[]
  3. BVerfGE 7, 95, 99; 60, 247, 250; 62, 392, 396; 89, 381, 392 f.[]
  4. BGH, Beschluss vom 27.03.2003 – V ZR 291/​02, BGHZ 154, 288, 296 f.[]