Der Brand in der Küche

Für den Brand in einer Küche besteht eine Haf­tung gegen­über dem Gebäu­de­ver­si­che­rer nur dann, wenn der Nut­zer der Küche grob fahr­läs­sig oder gar vor­sätz­lich den Scha­den ver­ur­sacht hat. Ein­fa­che Fahr­läs­sig­keit reicht nicht aus.

Der Brand in der Küche

So hat das Land­ge­richt Mag­de­burg in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines Stu­den­ten ent­schie­den, von dem die Gebäu­de­ver­si­che­rung den durch einen Brand ent­stan­de­nen Scha­den erstat­tet bekom­men woll­te. Nach einer Par­ty am Vor­abend in der Woh­nung sei­ner Wohn­ge­mein­schaft schob am fol­gen­den Tag um die Mit­tags­zeit ein hung­ri­ger Stu­dent in Mag­de­burg eine Tief­kühl­piz­za in den Back­ofen des Küchen­her­des. Er stell­te den Timer an sei­nem Han­dy auf ca. 10 Minu­ten ein und ver­ließ die Küche. Noch vor Ablauf der Zeit bemerk­te der Stu­dent einen bei­ßen­den Geruch und muss­te fest­stel­len, dass Küche brann­te. Brand­ur­sa­che war eine ver­se­hent­lich ein­ge­schal­te­te Cer­an­plat­te des Her­des. Die Feu­er­wehr konn­te das Feu­er in der Woh­nung löschen. Den an dem Gebäu­de ent­stan­de­nen Scha­den mach­te die Gebäu­de­ver­si­che­rung in Höhe von rund 27.000 Euro gegen­über dem Stu­den­ten gel­tend. Die Ver­si­che­rung war der Mei­nung, der Stu­dent habe grob fahr­läs­sig gehan­delt, da er den Herd unbe­auf­sich­tigt betrie­ben habe. Dies gel­te beson­ders des­halb, weil er wuss­te dass sich die Ein­schalt­knöp­fe leicht ver­dre­hen las­sen.

Nach Auf­fas­sung des Land­ge­richts Mag­de­burg lag kei­ne gro­be Pflicht­wi­dirg­keit des Stu­den­ten vor. Eine Haf­tung gegen­über dem Gebäu­de­ver­si­che­rer besteht nur dann, wenn der Nut­zer der Küche grob fahr­läs­sig oder gar vor­sätz­lich den Scha­den ver­ur­sacht hat. Ein­fa­che Fahr­läs­sig­keit reicht nicht aus, um den Mann in Regress zu neh­men.

Eine Piz­za in einem Ofen, die man weni­ge Minu­ten unbe­auf­sich­tigt lässt, ist nicht so gefähr­lich wie ein unbe­auf­sich­tigt vor sich hin­ko­chen­der Topf mit Fett auf einem Herd. Auch ein Cer­an­feld ohne Töp­fe und Pfan­nen ver­ur­sacht nor­ma­ler­wei­se nicht sofort einen Brand. Zudem ist der Stu­dent weder ein­ge­schla­fen, noch hat er die Woh­nung ver­las­sen, son­dern hielt sich nur weni­ge Minu­ten in einem ande­ren Raum auf.

Der Stu­dent muss kei­nen Scha­dens­er­satz für den von ihm ver­ur­sach­ten Brand bezah­len. Das Urteil ist mitt­ler­wei­le rechts­kräf­tig, da die hier­ge­gen gerich­te­te Beru­fung der Ver­si­che­rung mit Urteil des Ober­lan­des­ge­richts Naum­burg vom 11. Novem­ber 2013 1 ver­wor­fen wur­de.

Land­ge­richt Mag­de­burg, Urteil vom 20. Juni 2013 – 10 O 1779/​13

  1. OLG Naum­burg, v. 11.11.2013 – 6 U 21/​13[]