Der brei­te, wei­ße Strand vol­ler Algen

Wird die Beschaf­fen­heit des Stran­des vom Rei­se­ver­an­stal­ter beson­ders her­vor­ge­ho­ben, muss er auch dafür ein­ste­hen, wenn der brei­te, wei­ße Sand­strand wäh­rend der gesam­ten Rei­se­zeit mit Algen ver­schmutzt ist.

Der brei­te, wei­ße Strand vol­ler Algen

Mit die­ser Begrün­dung hat das Land­ge­richt Frank­furt am Main in dem hier vor­lie­gen­den Fall der Klä­ge­rin eine Rei­se­preis­min­de­rung von 20 % zuge­bil­ligt. Dage­gen ist ihr eine Ent­schä­di­gung wegen ent­gan­ge­ner Urlaubs­freu­den nicht zuge­spro­chen wor­den. Gebucht hat­te die Klä­ge­rin für sich und ihren Ehe­mann eine 12-tägi­ge Pau­schal­rei­se in die Domi­ni­ka­ni­sche Repu­blik. Ein brei­ter, wei­ßer Strand war im Rei­se­ka­ta­log abge­bil­det. Das 5-Ster­ne-Hotel soll­te „direkt am Strand“ lie­gen. Es wur­den hotel­ei­ge­ne Sport­ak­ti­vi­tä­ten ange­prie­sen, etwa Kajak fah­ren, Schnor­cheln, Beach­vol­ley­ball und Wind­sur­fen. Lie­gen, Son­nen­schir­me und Bade­tü­cher soll­ten kos­ten­frei nutz­bar sein.

Doch wäh­rend der gesam­ten Rei­se­zeit war der Strand­be­reich vor dem Hotel jedoch groß­flä­chig mit Algen ver­schmutzt. Des­we­gen konn­te weder das Sport­an­ge­bot genutzt wer­den, noch war es mög­lich, im Meer zu baden. Des­halb hat die Klä­ge­rin eine Rei­se­preis­min­de­rung und eine Ent­schä­di­gung wegen ent­gan­ge­ner Urlaubs­freu­den ein­ge­klagt.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Land­ge­richt Frank­furt a. M. dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Ver­schmut­zung des Stran­des mit Algen einen Rei­se­man­gel dar­stel­le. Zwar erstre­cke sich die Ein­stands­pflicht eines Ver­an­stal­ters grund­sätz­lich nicht auf das Umfeld des Rei­se­ziels, etwa einen öffent­li­chen Strand. Nach Auf­fas­sung des Land­ge­richts Frank­furt a.M. müs­se der Rei­se­ver­an­stal­ter auch dafür ein­ste­hen, da die Beschaf­fen­heit des Stran­des von ihm hier aber beson­ders her­vor­ge­ho­ben wor­den war: Auf Licht­bil­dern war ein brei­ter, wei­ßer Sand­strand ange­prie­sen wor­den. Auch wegen der ange­ge­be­nen Lage „direkt am Strand“ sei die Erwar­tung berech­tigt gewe­sen, es han­de­le sich um einen beson­ders schö­nen Strand.

Auf­grund der Algen sei der Abschnitt vor dem Hotel nicht für Was­ser­sport, Baden oder Spa­zier­gän­ge an der Was­ser­kan­te nutz­bar gewe­sen. Es sei den Rei­sen­den nicht zumut­bar gewe­sen, sich gleich­sam einen Weg durch die Algen zum Was­ser zu bah­nen. Auch sei davon aus­zu­ge­hen, dass von den Algen ein unan­ge­neh­mer Geruch aus­ge­gan­gen sei. Das Land­ge­richt Frank­furt a.M. berück­sich­tig­te aber, dass sich im hin­te­ren Bereich des Stran­des kei­ne Algen befun­den hat­ten und ein Son­nen dort mög­lich gewe­sen wäre. Da ansons­ten alle Annehm­lich­kei­ten des 5‑S­ter­ne-Hotels unein­ge­schränkt nutz­bar gewe­sen sei­en, sei eine Rei­se­preis­min­de­rung von 20 % aus­rei­chend.

Dage­gen sprach das Land­ge­richt Frank­furt a.M. wegen ent­gan­ge­ner Urlaubs­freu­de kei­ne Ent­schä­di­gung zu. Die­se set­ze eine erheb­li­che Beein­träch­ti­gung der Rei­se vor­aus. Eine sol­che Beein­träch­ti­gung sei nach gefes­tig­ter Recht­spre­chung des Land­ge­richts durch eine hohe Min­de­rungs­quo­te von etwa 50 % indi­ziert. Die zuge­spro­che­ne Min­de­rungs­quo­te von 20 % lag aber deut­lich dar­un­ter.

Außer­dem konn­te das Land­ge­richt Frank­furt a.M. eine erheb­li­che Beein­träch­ti­gung des Urlaubs auch nicht kon­kret fest­stel­len. Denn die Klä­ge­rin habe den hin­te­ren Strand­ab­schnitt und alle Leis­tun­gen und Vor­zü­ge des Hotels ein­schrän­kungs­los nut­zen kön­nen.

Land­ge­richt Frank­furt am Main, Urteil vom 14. August 2019 – 2–24 O 158/​18