Der Durst der Nach­bars­bäu­me

Wer sein Haus neben einem Grund­stück mit umfang­rei­chem Baum­be­stand errich­tet, muss selbst Vor­sor­ge tref­fen, dass der Was­ser­be­darf der Nach­bars­pflan­zen sein Gebäu­de nicht schä­digt. Denn wenn der "Durst" der Bäu­me zu Set­zungs­ris­sen am Haus führt, kann er vom Nach­barn nicht mit Erfolg Scha­dens­er­satz ver­lan­gen.

Der Durst der Nach­bars­bäu­me

Das jeden­falls ent­schied jetzt das Land­ge­richt Coburg und wies die Kla­ge einer Haus­be­sit­ze­rin gegen die Eigen­tü­me­rin eines mit Eichen bewach­se­nen Grund­stücks – eine Gemein­de – auf Scha­dens­er­satz in Höhe von rund 21.500 € ab.

Im Jah­re 1990 ließ die Klä­ge­rin ihr Zwei­fa­mi­li­en­haus errich­ten. Auf dem der Gemein­de gehö­ren­den Nach­bar­grund­stück stan­den bereits damals im Abstand von ca. 10 Metern zum Haus etli­che Eichen, die im Bebau­ungs­plan als erhal­tens­wer­ter Baum­be­stand aus­ge­wie­sen waren. Im Lau­fe der Jah­re bil­de­ten sich am Haus der Klä­ge­rin Ris­se, für die die Klä­ge­rin den Was­ser­be­darf der Bäu­me und damit die Gemein­de ver­ant­wort­lich mach­te. Sie ver­lang­te rund 21.500 € zur Scha­dens­be­sei­ti­gung.

Das Land­ge­richt Coburg wies ihre Kla­ge jedoch ab. Es konn­te schon kein schuld­haf­tes Fehl­ver­hal­ten der Beklag­ten erken­nen. Vor dem Ein­tritt des Scha­dens bestan­den kei­ne kon­kre­ten Anhalts­punk­te für eine von den Eichen aus­ge­hen­de Gefahr für das Anwe­sen der Klä­ge­rin. Ohne der­ar­ti­ge Anzei­chen ein­fach ein vor­sorg­li­ches Fäl­len der Bäu­me zu ver­lan­gen, wür­de die Gren­ze des Zumut­ba­ren über­schrei­ten. Eben­so wenig konn­te eine vor­beu­gen­de Sich­tung oder gar Kap­pung der Wur­zeln ver­langt wer­den. Im Übri­gen hät­te es der Klä­ge­rin oble­gen, beim Bau durch ent­spre­chend tie­fe Fun­da­men­te von den bereits vor­han­de­nen Bäu­men aus­ge­hen­den Set­zungs­ge­fah­ren zu begeg­nen.

Land­ge­richt Coburg, Urteil vom 20. Mai 2009 – 12 O 399/​07 (rechts­kräf­tig)