Der eigen­mäch­tig han­deln­de Pfar­rer

In der eigen­mäch­tig­ten Ver­wen­dung von Kir­chen­gel­dern ohne vor­he­ri­ge Zustim­mung der zustän­di­gen Gre­mi­en der Kir­chen­ge­mein­de kann eine Ver­un­treu­ung lie­gen, selbst wenn die Mit­tel (ganz oder teil­wei­se) für die Kir­chen­ge­mein­de ver­wen­det wur­den.

Der eigen­mäch­tig han­deln­de Pfar­rer

So hat jetzt das Ober­lan­des­ge­richt Olden­burg die (zivil­recht­li­che) Ver­ur­tei­lung eines ehe­ma­li­gen Pfar­rers und Vor­sit­zen­den des Kir­chen­aus­schus­ses einer Kir­chen­ge­mein­de in Clop­pen­burg zur Zah­lung von Scha­dens­er­satz bestä­tigt.

Das erst­in­stanz­lich mit der Scha­dens­er­satz­kla­ge befass­te Land­ge­richt Olden­burg hat­te den ehe­ma­li­gen Pfar­rer zur Zah­lung von Scha­dens­er­satz in Höhe von mehr als 300.000,- € ver­ur­teilt. Nach den Fest­stel­lun­gen des Land­ge­richts Olden­burg hat­te der Beklag­te Gel­der der Kir­chen­ge­mein­de ver­un­treut. Gegen sei­ne Ver­ur­tei­lung hat­te der Beklag­te Beru­fung beim Ober­lan­des­ge­richt Olden­burg ein­ge­legt.

Die Beru­fung hat­te jedoch kei­nen Erfolg, das Ober­lan­des­ge­richt Olden­burg bestä­tig­te das land­ge­richt­li­che Urteil: Der beklag­te Pfar­rer habe sei­ne Befug­nis, über das Ver­mö­gen der Kir­chen­ge­mein­de zu ver­fü­gen, bedingt vor­sätz­lich miss­braucht und der Gemein­de erheb­li­chen Scha­den zuge­fügt. Der Beklag­te sei nicht berech­tigt gewe­sen, über die Mit­tel der Gemein­de eigen­mäch­tig, das heißt ohne die aus­drück­li­che Zustim­mung der ent­spre­chen­den Gre­mi­en, zu ver­fü­gen. Der Beklag­te hat­te zwar behaup­tet, er habe einen Teil des Gel­des gespen­det und einen ande­ren Teil für Zwe­cke der Kir­chen­ge­mein­de ver­wen­det. Der Senat stell­te jedoch klar, dass es dar­auf wegen des eigen­mäch­ti­gen Vor­ge­hens des Beklag­ten nicht ankom­me. Durch sein Han­deln sei der Gemein­de ein erheb­li­cher Scha­den ent­stan­den, weil die Geld­be­trä­ge ohne adäqua­te Gegen­leis­tung der Gemein­de nicht mehr zur Ver­fü­gung stün­den.

Ober­lan­des­ge­richt Olden­burg, Urteil vom 21. Janu­ar 2011 – 6 U 136/​10