Der Ein­druck des Rich­ters von den ver­nom­me­nen Zeu­gen

Das Gericht darf im Rah­men der Beweis­wür­di­gung einen eige­nen Ein­druck von den ver­nom­me­nen Zeu­gen jen­seits der pro­to­kol­lier­ten Bekun­dun­gen ver­wer­ten.

Der Ein­druck des Rich­ters von den ver­nom­me­nen Zeu­gen

Hält der Tatrich­ter sei­ne per­sön­li­chen Ein­drü­cke – hier den Umstand, dass ein Zeu­ge auf bestimm­te Fra­gen aus­wei­chend und auf­fäl­lig distan­ziert geant­wor­tet habe und sei­ne Schil­de­rung eigen­tüm­lich farb­los gewe­sen sei – in dem Urteil fest und wür­digt er sie, begrün­det dies für sich genom­men kei­ne Zwei­fel an der Tat­sa­chen­fest­stel­lung im Sin­ne von § 529 Abs. 1 Nr. 1 ZPO.

Sol­che Ein­drü­cke, die auch aus der rich­ter­li­chen Wahr­neh­mung des Ver­hal­tens eines Zeu­gen, ins­be­son­de­re der non­ver­ba­len Kom­mu­ni­ka­ti­on ent­ste­hen kön­nen, fin­den in das Pro­to­koll natur­ge­mäß kei­nen Ein­gang; dort wird gemäß § 160 Abs. 3 Nr. 4 ZPO nur die Aus­sa­ge des Zeu­gen fest­ge­stellt.

Dage­gen hat die Beweis­wür­di­gung gemäß § 286 Abs. 1 Satz 1 ZPO unter Berück­sich­ti­gung des gesam­ten Inhalts der Ver­hand­lun­gen und des Ergeb­nis­ses einer Beweis­auf­nah­me zu erfol­gen. Zu den Grün­den, die im Urteil als für die rich­ter­li­che Über­zeu­gung lei­tend ange­ge­ben wer­den (§ 286 Abs. 1 Satz 2 ZPO), kön­nen und sol­len auch per­sön­li­che Ein­drü­cke des Tatrich­ters gehö­ren, die die­ser im Rah­men der Beweis­auf­nah­me gewon­nen hat.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 30. Janu­ar 2015 – V ZR 63/​13