Der Ein­zel­rich­ter in einer Arzt­haf­tungs­sa­che

Sieht der Geschäfts­ver­tei­lungs­plan kei­ne Spe­zi­al­zu­stän­dig­keit einer Zivil­kam­mer nach § 348 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. e ZPO vor, ist bei einer Ent­schei­dung durch den Ein­zel­rich­ter nicht schon wegen des Umstands, dass Arzt­haf­tungs­sa­chen grund­sätz­lich vom voll besetz­ten Spruch­kör­per zu ver­han­deln sind, ein Ver­stoß gegen den Anspruch auf den gesetz­li­chen Rich­ter gege­ben.

Der Ein­zel­rich­ter in einer Arzt­haf­tungs­sa­che

Allei­ne der Umstand, dass nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs Arzt­haf­tungs­sa­chen grund­sätz­lich vom voll besetz­ten Spruch­kör­per zu ver­han­deln sind, reicht für die Annah­me eines Ver­sto­ßes gegen den Anspruch auf den gesetz­li­chen Rich­ter (Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG) im Hin­blick auf die in § 348 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. e ZPO getrof­fe­ne Rege­lung nicht aus.

Gemäß § 348 Abs. 4 ZPO kann ein Rechts­mit­tel nicht auf eine unter­las­se­ne Vor­la­ge an die Kam­mer gestützt wer­den. Dies bestä­tigt den Grund­satz, dass Ent­schei­dun­gen eines unzu­stän­di­gen Spruch­or­gans grund­sätz­lich hin­ge­nom­men wer­den, um Streit über Zustän­dig­keits­fra­gen zu ver­mei­den [1].

Eine nicht mehr ver­ständ­li­che oder offen­sicht­lich unhalt­ba­re Miss­ach­tung der Zustän­dig­keits­nor­men durch den Ein­zel­rich­ter, die gegen das Will­kür­ver­bot ver­sto­ßen hät­te und einen Ver­stoß gegen Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG dar­stel­len könn­te [2], liegt nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs im hier ent­schie­de­nen Fall nicht vor. Der Hin­weis auf die Recht­spre­chung zu § 568 Satz 3 ZPO geht ins Lee­re, weil die dazu getrof­fe­nen Ent­schei­dun­gen Fäl­le betra­fen, in denen der Ein­zel­rich­ter mit der Zulas­sungs­ent­schei­dung zugleich die grund­sätz­li­che Bedeu­tung der Rechts­sa­che bejaht hat, so dass er zwin­gend das Ver­fah­ren an das Kol­le­gi­um hät­te über­tra­gen müs­sen, sei­ne Ent­schei­dung mit­hin objek­tiv will­kür­lich war und gegen das Ver­fas­sungs­ge­bot des gesetz­li­chen Rich­ters ver­stieß [3].

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 14. Mai 2013 – VI ZR 325/​11

  1. Münch­Komm-ZPO/­Deu­b­ner, 4. Aufl., § 348 Rn. 65 f.[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 12.12.2006 – VI ZR 4/​06, BGHZ 170, 180 Rn. 5 zu § 526 Abs. 3 ZPO[]
  3. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 13.03.2003 – IX ZB 134/​02, BGHZ 154, 200, 202 f.; vom 27.04.2010 – VIII ZB 81/​09; vom 22.11.2011 – VIII ZB 81/​11, NJW-RR 2012, 125 Rn. 9[]