Der Ein­zel­rich­ter und die rechts­grund­sätz­li­che Bedeu­tung einer Beschwer­de­sa­che

Misst ein Ein­zel­rich­ter in einem Beschwer­de­ver­fah­ren einer Sache rechts­grund­sätz­li­che Bedeu­tung zu und lässt des­we­gen die Rechts­be­schwer­de zu, ist die Zulas­sung zwar wirk­sam, sei­ne Ent­schei­dung unter­liegt jedoch auf Rechts­be­schwer­de im Hin­blick auf die von Amts wegen zu berück­sich­ti­gen­de feh­ler­haf­te Beset­zung des Beschwer­de­ge­richts der Auf­he­bung (Bestä­ti­gung von BGH, Beschluss vom 13. März 2003 – IX ZB 134/​02, BGHZ 154, 200; Senats­be­schlüs­se vom 27. April 2010 – VIII ZB 81/​09, WuM 2010, 385; vom 21. Sep­tem­ber 2010 – VIII ZB 73/​09, WuM 2011, 61; vom 8. März 2011 – VIII ZB 65/​10, WuM 2011, 242).

Der Ein­zel­rich­ter und die rechts­grund­sätz­li­che Bedeu­tung einer Beschwer­de­sa­che

Die Rechts­be­schwer­de ist statt­haft. Die Ent­schei­dung des Beschwer­de­ge­richts, die Rechts­be­schwer­de zuzu­las­sen, ist für den Bun­des­ge­richts­hof bin­dend (§ 574 Abs. 3 Satz 2 ZPO). Dar­auf, ob das Beschwer­de­ge­richt die Vor­aus­set­zun­gen des § 574 Abs. 2 ZPO zutref­fend beur­teilt hat, kommt es hier­bei nicht an 1. Auch der Umstand, dass die Zulas­sungs­ent­schei­dung durch den Ein­zel­rich­ter unter Miss­ach­tung des Ver­fah­rens nach § 568 Satz 2 ZPO (Über­tra­gung auf die mit drei Mit­glie­dern besetz­te Kam­mer) erfolgt ist, ändert an der Wirk­sam­keit der Zulas­sung nichts 2.

Die Rechts­be­schwer­de ist auch begrün­det. Der Beschluss des Beschwer­de­ge­richts unter­liegt bereits des­we­gen der Auf­he­bung, weil er unter Ver­let­zung des ver­fas­sungs­recht­li­chen Gebots des gesetz­li­chen Rich­ters (Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG) ergan­gen ist. Der Ein­zel­rich­ter hat bei Rechts­sa­chen, in denen er einen Zulas­sungs­grund bejaht, zwin­gend das Ver­fah­ren dem Kol­le­gi­um zu über­tra­gen (§ 568 Satz 2 ZPO). Bejaht er mit der Zulas­sungs­ent­schei­dung zugleich die – im Sin­ne aller in § 574 Abs. 2 ZPO genann­ten Zulas­sungs­grün­de zu ver­ste­hen­de 3grund­sätz­li­che Bedeu­tung der Rechts­sa­che, ist sei­ne Ent­schei­dung objek­tiv will­kür­lich und ver­stößt gegen das Ver­fas­sungs­ge­bot des gesetz­li­chen Rich­ters. Die­ser Ver­stoß ist vom Rechts­be­schwer­de­ge­richt von Amts wegen zu berück­sich­ti­gen 4.

Die Sache ist des­halb unter Auf­he­bung des ange­foch­te­nen Beschlus­ses an das Beschwer­de­ge­richt – Ein­zel­rich­ter – zurück­zu­ver­wei­sen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 22. Novem­ber 2011 – VIII ZB 81/​11

  1. vgl. etwa BGH, Beschluss vom 21.11.2002 – V ZB 40/​02, NJW 2003, 1126 unter II 1[]
  2. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 08.03.2011 – VIII ZB 65/​10, WuM 2011, 242 Rn. 3 mwN; vom 21.09.2010 – VIII ZB 73/​09, WuM 2011, 61 Rn. 4; vom 27.04.2010 – VIII ZB 81/​09, WuM 2010, 385 Rn. 5; BGH, Beschluss vom 14.09.2009 – V ZB 108/​09, GE 2009, 1311[]
  3. BGH, Beschluss vom 08.03.2011 – VIII ZB 65/​10, aaO; BGH, Beschlüs­se vom 13.03.2003 – IX ZB 134/​02, BGHZ 154, 200, 202; vom 09.03.2006 – V ZB 178/​05, Fam­RZ 2006, 697 unter III [2] a; vom 22.01.2008 – X ZB 27/​07, WuM 2008, 159 Rn. 5[]
  4. st. Rspr.; BGH, Beschluss vom 13.03.2003 – IX ZB 134/​02, aaO S.202 ff.; BGH, Beschlüs­se vom 27.04.2010 – VIII ZB 81/​09, aaO Rn. 6; vom 21.09.2010 – VIII ZB 73/​09, aaO Rn. 5; vom 08.03.2011 – VIII ZB 65/​10, aaO[]