Der Ein­zel­rich­ter und die Zulas­sung der Rechts­be­schwer­de

Mit der Zulas­sung der Rechts­be­schwer­de zieht der Ein­zel­rich­ter auch dann objek-tiv will­kür­lich unter Ver­let­zung des Ver­fas­sungs­ge­bots des gesetz­li­chen Rich­ters (Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG) eine nicht ihm, son­dern der Kam­mer zuste­hen­de Ent-schei­dungs­be­fug­nis an sich, wenn er den Zulas­sungs­grund der Siche­rung einer ein­heit­li­chen Recht­spre­chung für gege­ben hält und hier­aus sei­ne Zustän­dig­keit für die Zulas­sungs­ent­schei­dung ablei­tet.

Der Ein­zel­rich­ter und die Zulas­sung der Rechts­be­schwer­de

Der Ein­zel­rich­ter durf­te über die Zulas­sung nicht selbst ent­schei­den, son­dern hät­te das Ver­fah­ren gemäß § 568 Satz 2 Nr. 2 ZPO der Kam­mer über­tra­gen müs­sen.

Aller­dings hat der Ein­zel­rich­ter ange­nom­men, er und nicht die Kam­mer sei für die Ent­schei­dung zustän­dig, da die Sache weder beson­ders schwie­rig noch grund­sätz­lich bedeu­tend sei, § 568 Satz 2 ZPO. Zwi­schen Ein­zel­rich­ter­zu­stän­dig­keit und Beschwer­de­zu­las­sung bestehe mit Blick auf die von § 568 Satz 2 Nr. 2 ZPO und § 574 Abs. 2 Nr. 1 ZPO gere­gel­te grund­sätz­li­che Bedeu­tung kein Wider­spruch. Die Zulas­sungs­grün­de "Fort­bil­dung des Rechts oder Siche­rung einer ein­heit­li­chen Recht­spre­chung" in § 574 Abs. 2 Nr. 2 ZPO sei­en nicht ledig­lich Unter­fäl­le der "grund­sätz­li­chen Bedeu­tung". Die Rechts­be­schwer­de wer­de zur Siche­rung der ein­heit­li­chen Recht­spre­chung zuge­las­sen.

Die­se Auf­fas­sung ist unzu­tref­fend. Der Bun­des­ge­richts­hof hat bereits ent­schie­den, dass der Ein­zel­rich­ter auch dann zur Über­tra­gung auf das Kol­le­gi­um nach § 568 Satz 2 Nr. 2 ZPO ver­pflich­tet ist, wenn er den Zulas­sungs­grund der Siche­rung einer ein­heit­li­chen Recht­spre­chung für gege­ben erach­tet. Die grund­sätz­li­che Bedeu­tung ist näm­lich im wei­tes­ten Sin­ne zu ver­ste­hen, so dass nicht der Ein­zel­rich­ter, son­dern das Kol­le­gi­um ent­schei­den muss, wenn zur Fort­bil­dung des Rechts oder zur Wah­rung einer ein­heit­li­chen Recht­spre­chung eine Ent­schei­dung des Rechts­mit­tel­ge­richts gebo­ten ist 1.

Damit hat der Ein­zel­rich­ter objek­tiv will­kür­lich unter Ver­let­zung des Ver­fas­sungs­ge­bots des gesetz­li­chen Rich­ters (Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG) mit der Zulas­sung der Rechts­be­schwer­de eine Ent­schei­dungs­be­fug­nis an sich gezo­gen, die nach dem Gesetz nicht ihm, son­dern der Kam­mer in ihrer vol­len Beset­zung über­tra­gen ist 2. Hier­durch hat er die gesetz­li­chen Gren­zen sei­ner Ent­schei­dungs­zu­stän­dig­keit ins­ge­samt nicht beach­tet und objek­tiv will­kür­lich ent­schie­den. Dies gilt unbe­scha­det der Tat­sa­che, dass er die Zulas­sung zur Siche­rung einer ein­heit­li­chen Recht­spre­chung für erfor­der­lich hielt und dar­aus zu Unrecht abge­lei­tet hat, es bestehe kei­ne Über­tra­gungs­pflicht auf das Kol­le­gi­um 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 24. Novem­ber 2011 – VII ZB 33/​11

  1. BGH, Beschluss vom 13.03.2003 – IX ZB 134/​02, BGHZ 154, 200 Rn. 6; Beschluss vom 11.09.2003 – XII ZB 188/​02, NJW 2003, 3712 m.w.N.; Beschluss vom 10.11.2003 – II ZB 14/​02, NJW 2004, 448[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 10.11.2003 II ZB 14/​02, aaO[]
  3. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 11.09.2003 XII ZB 188/​02, aaO; vom 10.11.2003 – II ZB 14/​02, aaO[]