Der erst­in­stanz­lich nicht ent­schie­de­ne Fest­stel­lungs­an­trag

Hat das Erst­ge­richt über einen vom Klä­ger gestell­ten Fest­stel­lungs­an­trag nicht ent­schie­den und die­sen Antrag auch nicht in den Tat­be­stand sei­nes (unvoll­stän­di­gen) Urteils auf­ge­nom­men und hat der Klä­ger weder Tat­be­stands­be­rich­ti­gung noch Urteils­er­gän­zung bean­tragt, ist die Rechts­hän­gig­keit der Kla­ge, soweit sie Gegen­stand des über­gan­ge­nen Antrags gewe­sen ist, mit dem Ablauf der Antrags­frist des § 321 Abs. 2 ZPO ent­fal­len. Hat der Klä­ger den vom Erst­ge­richt über­gan­ge­nen Fest­stel­lungs­an­trag in der Beru­fungs­in­stanz erneut gestellt und damit sein Fest­stel­lungs­be­geh­ren durch zuläs­si­ge Kla­ge­er­wei­te­rung wie­der in den Pro­zess ein­ge­führt, kann über die­sen Antrag in der Sache nur das Beru­fungs­ge­richt selbst ent­schei­den.

Der erst­in­stanz­lich nicht ent­schie­de­ne Fest­stel­lungs­an­trag

Das erst­in­stanz­li­che Gericht hat, indem es über den in ers­ter Instanz aus­weis­lich des Pro­to­kolls der münd­li­chen Ver­hand­lung gestell­ten Fest­stel­lungs­an­trag des Klä­gers nicht ent­schie­den hat, kein Teil­ur­teil erlas­sen; denn die­ser Antrag wird im Tat­be­stand des land­ge­richt­li­chen Urteils nicht wie­der­ge­ge­ben.

Hat ein Gericht – wie vor­lie­gend – über einen gestell­ten Antrag nicht ent­schie­den und ihn auch nicht in den Tat­be­stand sei­nes (unvoll­stän­di­gen) Urteils auf­ge­nom­men, muss einer etwai­gen Urteils­er­gän­zung nach § 321 ZPO eine Berich­ti­gung des Tat­be­stands nach § 320 ZPO vor­an­ge­hen 1. Zur Begrün­dung des Antrags auf Tat­be­stands­be­rich­ti­gung hät­te der Klä­ger vor­lie­gend das Sit­zungs­pro­to­koll her­an­zie­hen kön­nen (§ 314 Satz 2 ZPO).

Unter Berück­sich­ti­gung des berich­tig­ten Tat­be­stands hät­te er dann inner­halb der Frist des § 321 Abs. 2 ZPO Urteils­er­gän­zung bean­tra­gen müs­sen.

Da der Klä­ger dies ver­säumt hat, ist die Rechts­hän­gig­keit der Kla­ge, soweit sie Gegen­stand des über­gan­ge­nen Antrags gewe­sen ist, mit dem Ablauf der Antrags­frist des § 321 Abs. 2 ZPO ent­fal­len 2.

Hat der Klä­ger in der Fol­ge den erst­in­stanz­lich über­gan­ge­nen Fest­stel­lungs­an­trag in der Beru­fungs­in­stanz erneut gestellt und damit sein Fest­stel­lungs­be­geh­ren durch zuläs­si­ge Kla­ge­er­wei­te­rung 3 wie­der in den Pro­zess ein­ge­führt, kann über die­sen Antrag in der Sache nur das Beru­fungs­ge­richt selbst ent­schei­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 20. Janu­ar 2015 – VI ZR 209/​14

  1. BGH, Ver­säum­nis­ur­teil vom 16.02.2005 – VIII ZR 133/​04, NJW-RR 2005, 790, 791[]
  2. vgl. BGH, Ver­säum­nis­ur­teil vom 16.02.2005 – VIII ZR 133/​04, aaO und Beschluss vom 09.11.2006 – VII ZR 176/​05, BauR 2007, 431, 432[]
  3. vgl. BGH, Ver­säum­nis­ur­teil vom 16.02.2005 – VIII ZR 133/​04, aaO mwN[]