Der evtl. nur ange­kün­dig­te Hilfs­an­tag

Das Gericht hat gegen § 308 Abs. 1 Satz 1 ZPO ver­sto­ßen, wenn es über den Hilfs­an­trag ent­schie­den hat, obwohl die­ser nur ange­kün­digt, nicht aber gestellt wur­de. Etwas ande­res gilt, wenn auf­grund der Beweis­kraft des Tat­be­stands des Urteils fest­steht, dass die Klä­ge­rin ihren Hilfs­an­trag in der münd­li­chen Ver­hand­lung (etwa durch Bezug­nah­me gemäß § 297 Abs. 2 ZPO) gestellt hat.

Der evtl. nur ange­kün­dig­te Hilfs­an­tag

Der Tat­be­stand erbringt gemäß § 314 Satz 1 ZPO den Beweis für das münd­li­che Par­tei­vor­brin­gen. Zum münd­li­chen Par­tei­vor­brin­gen in die­sem Sin­ne gehö­ren auch die in der münd­li­chen Ver­hand­lung von den Par­tei­en abge­ge­be­nen pro­zes­sua­len Erklä­run­gen und die gestell­ten Anträ­ge 1.

Der durch die tat­be­stand­li­chen Fest­stel­lun­gen geführ­te Beweis wur­de im vor­lie­gen­den Fall nicht gemäß § 314 Satz 2 ZPO durch das Sit­zungs­pro­to­koll, das sei­ner­seits Beweis­wir­kung ent­fal­tet (§ 165 Satz 1 ZPO), ent­kräf­tet. Dies wür­de vor­aus­set­zen, dass die Fest­stel­lun­gen in der Sit­zungs­nie­der­schrift aus­drück­lich oder doch unzwei­deu­tig dem Tat­be­stand wider­spre­chen 2. Das ist nicht der Fall. Viel­mehr ergibt sich auch aus dem Sit­zungs­pro­to­koll unzwei­fel­haft, dass der Hilfs­an­trag gestellt wor­den ist. Dar­in heißt es, dass der Ver­tre­ter der Klä­ge­rin "den Antrag aus dem Schrift­satz vom 10.02.2017 " stellt. Der Ver­weis auf Blatt 92 der Akte bezieht sich nicht auf ein­zel­ne Anträ­ge oder Antrags­tei­le, son­dern bezeich­net die Fund­stel­le der ers­ten Sei­te des Schrift­sat­zes in der Ver­fah­rens­ak­te. Die For­mu­lie­rung im Sit­zungs­pro­to­koll "wobei […] wie folgt lau­ten soll:" bringt deut­lich zum Aus­druck, dass sich die Abwei­chung zwi­schen den ange­kün­dig­ten und den gestell­ten Anträ­gen auf die Andro­hung von Ord­nungs­mit­teln im Urteil (§ 890 Abs. 2 ZPO) beschränkt.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 26. Febru­ar 2019 – VI ZR 272/​18

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 19.03.2013 – VIII ZB 45/​12, NJW 2013, 2361 Rn. 11; Musielak, in Münch­Komm-ZPO, 5. Aufl., § 314 Rn. 4[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 18.07.2013 – III ZR 208/​12, NJW-RR 2013, 1334 Rn. 8[]
  3. GVOBl. NEK S. 41, 46[]