Der gekün­dig­te Schre­ber­gar­ten – und der Streit­wert für die Räu­mungs­kla­ge

Für die Bemes­sung des Beschwer­de­werts bei einer Ver­ur­tei­lung zur Räu­mung und Her­aus­ga­be eines Klein­gar­tens ist gemäß §§ 8, 9 ZPO der drei­ein­halb­fa­che Jah­res­pacht­zins zugrun­de zu legen.

Der gekün­dig­te Schre­ber­gar­ten – und der Streit­wert für die Räu­mungs­kla­ge

§ 8 ZPO fin­det auch auf Klein­gar­ten­pacht­ver­hält­nis­se im Sin­ne des Bun­des­klein­gar­ten­ge­set­zes Anwen­dung [1]. Ist das Ende des strei­ti­gen Miet- oder Pacht­ver­hält­nis­ses – wie hier – weder bestimmt noch sonst näher bestimm­bar, so ist im Rah­men der Wert­be­mes­sung gemäß § 8 ZPO die in § 9 ZPO fest­ge­leg­te Höchst­gren­ze des drei­ein­halb­fa­chen Jah­res­be­tra­ges ent­spre­chend anzu­wen­den [2].

§ 8 ZPO erfasst neben Räu­mungs­kla­gen auch Fest­stel­lungs­kla­gen, wobei für die­se kein Bewer­tungs­ab­schlag vor­zu­neh­men ist [3].

Der Wert der Beschwer der Päch­ter aus ihrer Ver­ur­tei­lung zur Räu­mung und Her­aus­ga­be des Klein­gar­tens sowie aus der Abwei­sung ihrer Fest­stel­lungs­kla­ge sind nicht zu addie­ren, weil zwi­schen der Fest­stel­lungs­kla­ge und der Räu­mungs­wi­der­kla­ge eine wirt­schaft­li­che Iden­ti­tät besteht; es ver­bleibt daher ins­ge­samt bei dem Wert des drei­ein­halb­fa­chen Jah­res­pacht­zin­ses [4].

Vor­lie­gend sind auch die vor­aus­sicht­li­chen Kos­ten für die gleich­zei­tig gel­tend gemach­te Besei­ti­gung der vom Päch­ter gepflanz­ten Bäu­me nicht hin­zu­zu­rech­nen.

Der Wert der Beschwer bemisst sich bei einer Ver­ur­tei­lung zur Räu­mung, die den Päch­ter auch dazu ver­pflich­tet, die von ihm ange­brach­ten Ein­rich­tun­gen und Anpflan­zun­gen auf dem ver­pach­te­ten Grund­stück zu ent­fer­nen, allein nach § 8 ZPO. Der Kos­ten­auf­wand zur Erfül­lung der Räu­mungs­pflicht ist nach dem Wort­laut des § 8 ZPO ohne Bedeu­tung; für die Anwen­dung von § 3 ZPO neben § 8 ZPO ist inso­weit kein Raum [5].

Anders ver­hält es sich, wenn der Päch­ter im Rah­men einer objek­ti­ven Kla­ge­häu­fung (§ 260 ZPO) sowohl zur Her­aus­ga­be eines Grund­stücks als auch zur Besei­ti­gung von Bau­wer­ken oder Ein­rich­tun­gen ver­ur­teilt wird. In die­sem Fall beruht die Ver­ur­tei­lung auf zwei Kla­ge­an­trä­gen mit zwei ver­schie­de­nen Streit­ge­gen­stän­den. Hier erfolgt gemäß § 5 ZPO eine Addi­ti­on des nach § 8 ZPO zu bestim­men­den Werts der Beschwer der Ver­ur­tei­lung zur Her­aus­ga­be und des nach § 3 ZPO (nach den dafür auf­zu­wen­den­den Kos­ten) zu bemes­sen­den Werts der Beschwer für die Besei­ti­gung [6].

Im vor­lie­gen­den Fall sind die Päch­ter indes nicht im Rah­men einer objek­ti­ven (Wider)Klagehäufung neben der Her­aus­ga­be und Räu­mung des Klein­gar­tens zur Besei­ti­gung der Bäu­me ver­ur­teilt wor­den; viel­mehr ist der auf die Besei­ti­gung der Bäu­me gerich­te­te Wider­kla­ge­an­trag zu 2 vom Amts­ge­richt abge­wie­sen wor­den. Soweit das Amts­ge­richt in sei­nem Urteil die Auf­fas­sung ver­tre­ten hat, dass die Ver­ur­tei­lung zur Räu­mung und Her­aus­ga­be des Klein­gar­tens die Ver­pflich­tung zur Besei­ti­gung der Bäu­me ein­schlie­ße, recht­fer­tigt dies kei­ne Wert­ad­di­ti­on nach §§ 3, 5 ZPO, weil eine etwai­ge Besei­ti­gungs­ver­pflich­tung der Päch­ter hier­nach nicht neben der Räu­mung und Her­aus­ga­be aus­ge­spro­chen wor­den, son­dern Bestand­teil der Räu­mung und Her­aus­ga­be wäre.

Der Gebüh­ren­streit­wert des Rechts­be­schwer­de­ver­fah­rens bemisst sich gemäß § 41 Abs. 1 und 2, § 45 Abs. 1 Satz 3 GKG nach dem ein­fa­chen Betrag des Jah­res­pacht­zin­ses.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 26. Novem­ber 2015 – III ZB 84/​15

  1. BGH, Urteil vom 17.03.2005 – III ZR 342/​04, NJW-RR 2005, 867, 868; BGH, Beschlüs­se vom 02.10.2007 – III ZB 47/​07, NZM 2008, 461, 462 Rn. 6; vom 11.12 2008 – III ZB 53/​08, NJW-RR 2009, 775 Rn. 8; und vom 17.12 2009 – III ZR 66/​09, NJOZ 2010, 1723 Rn. 9[]
  2. BGH, Urteil vom 17.03.2005 aaO S. 868 f; BGH, Beschlüs­se vom 02.10.2007 aaO Rn. 7; vom 11.12 2008 aaO; und vom 17.12 2009 aaO mwN[]
  3. s. dazu BGH, Beschluss vom 29.10.2008 – XII ZB 75/​08, NJW-RR 2009, 156 f Rn. 7 ff mwN; vgl. auch BGH, Beschluss vom 17.12 2009 aaO Rn. 12[]
  4. s. dazu BGH, Urteil vom 28.09.1994 – XII ZR 50/​94, NJW 1994, 3292 mwN; vgl. auch BGH, Beschluss vom 13.10.2004 – XII ZR 110/​02, NJW-RR 2005, 224[]
  5. s. BGH, Beschluss vom 29.04.2004 – III ZB 72/​03, Beck­RS 2004, 04908; BGH, Beschlüs­se vom 13.10.2004 aaO; und vom 16.03.2012 – LwZB 3/​11, NJW-RR 2012, 1103, 1104 Rn. 10, jeweils mwN; s. auch OLG Bre­men, Beschluss vom 13.11.2012 – 5 U 18/​12 (Lw), Beck­RS 2013, 08957[]
  6. BGH, Beschlüs­se vom 15.06.2005 – XII ZR 104/​02, WuM 2005, 525 f; und vom 16.03.2012 aaO Rn. 11, 14; s. auch OLG Bre­men aaO; KG, NJOZ 2013, 1260; OLG Ros­tock, Beschluss vom 02.06.2014 – 3 W 65/​14, Beck­RS 2014, 13191[]