Der Grill­ge­ruch in Nach­bars Schlaf­zim­mer

Durch eine häu­fi­ge Nut­zung eines Grill­ka­mins kann ein Nach­bar in sei­nem Besitz­recht an sei­ner Woh­nung nach­hal­tig gestört sein. Steht der Grill­ka­min nur 9 m von einem benach­bar­ten Mehr­fa­mi­li­en­haus ent­fernt, ist der auf­stei­gen­de Rauch und Grill­ge­ruch im drit­ten Stock nicht öfter als zwei­mal im Monat und höchs­tens zehn­mal im Jahr hin­zu­neh­men.

Der Grill­ge­ruch in Nach­bars Schlaf­zim­mer

So hat das Amts­ge­richt Wes­ter­stede in dem hier vor­lie­gen­den einst­wei­li­gen Ver­fü­gungs­ver­fah­ren ent­schie­den und die Nut­zung eines Grill­ka­mins beschränkt. Die Antrag­stel­le­rin wand­te sich gegen ein Gril­len, das öfter als ein­mal im Monat und mehr als fünf­mal im Jahr statt­fin­det, da jedes­ma lhr Schlaf­zim­mer im drit­ten Stock des nur 9 m vom Grill­ka­min ent­fern­ten Mehr­fa­mi­li­en­hau­ses erheb­lich durch star­ken Qualm und Grill­ge­ruch ver­räu­chert wird. Der Antrags­geg­ner nutz­te sei­nen Grill häu­fi­ger als drei­mal im Monat. Neben der begrenz­ten Nut­zung des Grill­ka­mins hat die Antrag­stel­le­rin bean­tragt, jeweils 48 Stun­den vor dem Gril­len dar­über infor­miert zu wer­den.

Nach Auf­fas­sung des Amts­ge­richts Wes­ter­stede ist es lebens­nah, dass auf­stei­gen­der star­ker Qualm mit Grill­ge­ruch in das Schlaf­zim­mer der Antrag­stel­le­rin im drit­ten Stock direkt ober­halb des Grill­ka­mins des nur 9 m vom Grill ent­fern­ten Mehr­fa­mi­li­en­hau­ses bei geöff­ne­tem Fens­ter ein­dringt – jeden­falls bei der gege­be­nen Ver­wen­dung von Holz oder Holz­koh­le und ent­spre­chen­der Wind­rich­tung. Die räum­li­chen Ver­hält­nis­se sind beengt.

Gril­len ist zwar in den Som­mer­mo­na­ten durch­aus üblich und muss, wennn nicht die Wesent­lich­keits­gren­ze über­schrit­ten wird, als sozi­al­ad­äquat grund­sätz­lich gedul­det wer­den. Maß­stab ist hier­für das Emp­fin­den eines Durch­schnitts­be­nut­zers des betrof­fe­nen Grund­stücks und nicht das sub­jek­ti­ve Emp­fin­den des Ein­zel­nen 1. Die­se Wesent­lich­keits­gren­ze, die Gren­ze des Zumut­ba­ren, wird nach den glaub­haft gemach­ten Dar­le­gun­gen der Antrag­stel­le­rin jedoch deut­lich über­schrit­ten. Die unzu­mut­ba­re Beein­träch­ti­gung der Antrag­stel­le­rin durch Rauch, Ruß und Geruch liegt danach auf der Hand. So hat das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf in einem ver­gleich­ba­ren Fall den Tat­be­stand einer erheb­li­chen Beläs­ti­gung der Nach­bar­schaft durch das Ver­bren­nen oder Abbren­nen von­ge­gen­stän­den bejaht, wenn in der Nähe eines Meh­fa­mi­li­en­hau­ses (dort in des­sen Gar­ten) der beim gril­len ent­ste­hen­de Qualm in kon­zen­trier­ter Wei­se in Wohn- und Schlaf­zim­mer unbe­tei­lig­ter Nach­barn ein­dringt.

Nach Auf­fas­sung des Amts­ge­richts Wes­ter­stede sind die Ver­hält­nis­se in dem hier vor­lie­gen­den Fall zwar beengt, aber nicht so eng, wie zwi­schen den Bal­ko­nen eines Mehr­fa­mi­li­en­hau­ses. Für die­se Kon­stel­la­ti­on hat das Amts­ge­richt Bonn in sei­nem häu­fig zitier­ten Urteil 2 für Mie­ter von Mehr­fa­mi­li­en­häu­sern in der zeit von April bis Sep­tem­ber das Gril­len mit Holz­koh­le nur ein­mal im Monat zuge­las­sen und dem gril­len­den Mie­ter noch auf­ge­ge­ben, 48 Stun­den vor­her dar­über zu infor­mie­ren. Hier hat das Amts­ge­richt Wes­ter­stede eine Beschrän­kung auf ein ein­ma­li­ges Gril­len im Monat für zu restrik­tiv ange­se­hen. Es sind die wider­strei­ten­den Rech­te der Betrof­fe­nen, die dem Grund­ge­setz zu ent­neh­men­de all­ge­mei­ne Hand­lungs­frei­heit (Art. 2 Abs. 1 GG) des gril­len­den Nach­barn einer­seits und das Recht auf einen unge­stör­ten Gebrauch der Woh­nung, also des Besit­zes bzw. Eigen­tums (§§ 854 ff BGB, § 823 Abs. 1 BGB, Art 14 GG), ande­rer­seits, im jeweils zu beur­tei­len­den Ein­zel­fall abzu­wä­gen und ange­mes­sen ins Ver­hält­nis zu set­zen. Daher hat das Amts­ge­richt Wes­ter­stede einer­seits das Gril­len nicht unter­sagt, son­dern nur auf zwei Male im Monat wäh­rend der Som­mer­mo­na­te (zwi­schen Mai und Sep­tem­ber), also ins­ge­samt 10mal pro Kalen­der­jahr beschränkt. Ande­rer­seits müss­ten Nach­barn maxi­mal nur die­se bei­den Male – je nach Wind­rich­tung – (auch) in den war­men Som­mer­mo­na­ten hin­neh­men, zum Schutz vor Rauch und Geruchs­be­läs­ti­gun­gen Fens­ter und Türen geschlos­sen hal­ten zu müs­sen und ihren Bal­kon nur ein­ge­schränkt nut­zen zu kön­nen. Da übli­cher­wei­se nichtz über Stun­den gegrillt wird und der inten­sivs­te Rauch regel­mä­ßig wäh­rend der Anheiz­pha­se ent­steht, dürf­te sich aber auch die Beein­träch­ti­gung der Bal­kon­nut­zung der Nach­barn auf ein ver­tret­ba­res Maß redu­zie­ren – zumal nach der Ent­schei­dung des Ober­lan­des­ge­richts Olden­burg 1 das Gril­len zur Nacht­zeit, also über 22:00 Uhr hin­aus (bis maxi­mal 24:00 Uhr) nur in Ein­zel­äl­len an bis zu vier Aben­den im Kalen­der­jahr zuläs­sig ist.

Eine dar­über hin­aus­ge­hen­de Ver­pflich­tung, die Absicht zu gril­len (weit) vor­her anzu­zei­gen, ist nach Ansicht des Amts­ge­richts Wes­ter­stede in die­sem kon­kre­ten Fall zu weit­ge­hend und nicht prak­ti­ka­bel. Dem natur­ge­mäß wit­te­rungs­ab­hän­gi­gen Gril­len wür­de damit die die­sem inne­woh­nen­de Spon­ta­ni­tät weit­ge­hend genom­men. Müss­te der Antrags­geg­ner hier doch qua­si sämt­li­che Par­tei­en des Meh­par­tei­en­hau­ses stets (weit) vor­her bei stän­di­ger Beob­ach­tung der Wet­ter­pro­gno­se in ggfs. auch nach­weis­ba­rer Form infor­mie­ren. Zudem dient die vor­he­ri­ge Akün­di­gung pri­mär dem Schutz vor Rauch­be­ein­träch­ti­gun­gen bei in Abwe­sen­heit geöff­ne­ten Fens­tern und Türen. In Abwe­sen­heit sind aller­dings regel­mä­ßig auch bereits aus ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Grün­den Fens­ter und Türen geschlos­sen zu hal­ten.

Amts­ge­richt Wes­ter­stede, Beschluss vom 3. Juli 2009 – 22 C 614/​09 (II)

  1. OLG Olden­burg, Urteil vom 29.07.2002 – 13 U 53/​02[][]
  2. AG Bonn, Urteil vom 29.04.1997 – 6 C 545/​96[]