Der haf­tungs­recht­li­che Zurech­nungs­zu­sam­men­hang – und die Sorg­falts­pflicht­ver­let­zung bei der Scha­dens­be­sei­ti­gung

Der haf­tungs­recht­li­che Zurech­nungs­zu­sam­men­hang wird durch einen Sorg­falts­pflicht­ver­stoß eines mit der Scha­dens­be­sei­ti­gung beauf­trag­ten Drit­ten in der Regel nicht unter­bro­chen.

Der haf­tungs­recht­li­che Zurech­nungs­zu­sam­men­hang – und die Sorg­falts­pflicht­ver­let­zung bei der Scha­dens­be­sei­ti­gung

Für die haf­tungs­recht­li­che Wür­di­gung der­ar­ti­ger Fall­ge­stal­tun­gen hat die Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs Beur­tei­lungs­grund­sät­ze ent­wi­ckelt. Danach kann, wenn ein Scha­den zwar bei rein natur­wis­sen­schaft­li­cher Betrach­tung mit der Hand­lung des Schä­di­gers in einem kau­sa­len Zusam­men­hang steht, die­ser Scha­den jedoch ent­schei­dend durch ein völ­lig unge­wöhn­li­ches und unsach­ge­mä­ßes Ver­hal­ten einer ande­ren Per­son aus­ge­löst wor­den ist, die Gren­ze über­schrit­ten sein, bis zu der dem Erst­schä­di­ger der Zweit­ein­griff und des­sen Aus­wir­kun­gen als haf­tungs­aus­fül­len­der Fol­ge­scha­den sei­nes Ver­hal­tens zuge­rech­net wer­den kön­nen. Inso­weit ist eine wer­ten­de Betrach­tung gebo­ten. Hat sich aus die­ser Sicht im Zweit­ein­griff nicht mehr das Scha­dens­ri­si­ko des Erst­ein­griffs ver­wirk­licht, war die­ses Risi­ko viel­mehr schon gänz­lich abge­klun­gen und besteht des­halb zwi­schen bei­den Ein­grif­fen bei wer­ten­der Betrach­tung nur ein "äußer­li­cher", gleich­sam "zufäl­li­ger" Zusam­men­hang, dann kann vom Erst­schä­di­ger bil­li­ger­wei­se nicht ver­langt wer­den, dem Geschä­dig­ten auch für die Fol­gen des Zweit­ein­griffs ein­ste­hen zu müs­sen 1. Allein ein auch grob fahr­läs­si­ger Sorg­falts­pflicht­ver­stoß des hin­zu­tre­ten­den Drit­ten reicht hier­für jedoch in der Regel nicht 2. Ins­be­son­de­re wer­den dem Schä­di­ger auch Feh­ler der Per­son zuge­rech­net, die der Geschä­dig­te zur Abwick­lung oder Besei­ti­gung des Scha­dens hin­zu­zieht 3. Der Schä­di­ger kann sich daher regel­mä­ßig nicht mit dem Vor­brin­gen ent­las­ten, ein ande­rer habe die von ihm geschaf­fe­ne Gefah­ren­la­ge pflicht­wid­rig nicht besei­tigt 4.

Nach die­ser Maß­ga­be ist der Streit­fall nach wie vor durch den Ver­kehrs­un­fall vom 07.04.2015 geprägt; es besteht ein auch inne­rer Zusam­men­hang zwi­schen die­sem Unfall und dem gel­tend gemach­ten Scha­den. Die Gefahr eines Kurz­schlus­ses wur­de durch die unfall­be­ding­te Defor­ma­ti­on des Front­be­reichs des Pkw Mer­ce­des ange­legt, der Pkw Mer­ce­des im Auf­trag des erst­ge­schä­dig­ten Ver­si­che­rungs­neh­mers der Beklag­ten zu 1 zur Begut­ach­tung und anschlie­ßen­den Repa­ra­tur des Unfall­scha­dens in die Werk­statt des Zeu­gen J. ver­bracht. Durch den kurz­schluss­be­ding­ten Brand zunächst des Pkw Mer­ce­des und spä­ter der Werk­statt und der umge­ben­den Gebäu­de hat sich das fort­wir­ken­de Risi­ko der Erst­schä­di­gung ver­wirk­licht. Der fest­ge­stell­te Sorg­falts­pflicht­ver­stoß des vom Erst­ge­schä­dig­ten mit der Scha­dens­be­sei­ti­gung beauf­trag­ten Zeu­gen J. ist auch nicht so unge­wöhn­lich grob, dass der Zurech­nungs­zu­sam­men­hang aus­nahms­wei­se ent­fal­len wäre. Der fest­ge­stell­te Sorg­falts­pflicht­ver­stoß des Zeu­gen J., der es unter­las­sen hat­te, die Bat­te­rie des Unfall­fahr­zeugs abzu­klem­men, erfolg­te im Zusam­men­hang mit der vom Erst­ge­schä­dig­ten in Auf­trag gege­be­nen Scha­dens­be­he­bung und erschöpf­te sich dar­in, die durch den Unfall geschaf­fe­ne Gefah­ren­la­ge nicht besei­tigt zu haben.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 26. März 2019 – VI ZR 236/​18

  1. BGH, Urtei­le vom 10.12 1996 – VI ZR 14/​96, NJW 1997, 865, 866; vom 20.09.1988 – VI ZR 37/​88, NJW 1989, 767, 768; vgl. fer­ner BGH, Urtei­le vom 17.12 2013 – VI ZR 211/​12, BGHZ 199, 237 Rn. 55; vom 26.02.2013 – VI ZR 116/​12, NJW 2013, 1679 Rn. 10; vom 05.10.2010 – VI ZR 286/​09, NJW 2011, 292 Rn.20; vom 16.02.1972 – VI ZR 128/​70, BGHZ 58, 162, 165 ff.; BGH, Urteil vom 10.05.1990 – IX ZR 113/​89, NJW 1990, 2882, 2883 f.[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 09.03.1965 – VI ZR 218/​63, BGHZ 43, 178, 181 f.[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 11.11.1999 – III ZR 98/​99, NJW 2000, 947, 948; Palandt/​Grüneberg, BGB, 78. Aufl., vor § 249 Rn. 47 f. mwN[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 13.07.1982 – VI ZR 113/​81, NJW 1982, 2669[]