Der "hengs­ti­sche" Aus­bruch eines Wal­lachs

Für den durch einen Aus­bruch "hengs­tisch" aggres­si­ven Ver­hal­tens eines Wal­lachs ent­stan­de­nen Scha­den kann der Tier­hal­ter nicht vom Tier­hü­ter haft­bar gemacht wer­den, der den Wal­lach beauf­sich­ti­gen und von ihm aus­ge­hen­de Gefah­ren abwen­den soll­te.

Der "hengs­ti­sche" Aus­bruch eines Wal­lachs

So hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm in dem hier vor­lie­gen­den Fall einer Pfer­de­hal­te­rin ent­schie­den, deren Wal­lach beim Tier­hü­ter eine Stu­te des Tier­hü­ters ver­letzt hat. Die Beklag­te aus Her­ne war Hal­te­rin eines im Jah­re 1985 gebo­re­nen Wal­lachs. Das Pferd war in den Stal­lun­gen des als Tier­hü­ter beauf­trag­ten Klä­gers, eines Pfer­de­pen­si­ons­wir­tes aus Waltrop, unter­ge­stellt. Am 28.10.2009 kam es auf der zu den Stal­lun­gen gehö­ren­de Wei­de zu einer Ver­let­zung einer sei­ner­zeit 13jährigen Stu­te des Klä­gers, die nach sei­ner Dar­stel­lung ein talen­tier­tes Spring­pferd im Wert von 150.000 € war. Der Klä­ger hat behaup­tet, sei­ne Stu­te sei durch einen Aus­bruch „hengs­tisch“ aggres­si­ven Ver­hal­tens des Wal­lachs schwer ver­letzt wor­den. Der Wal­lach habe sich los­ge­ris­sen, einen durch Elek­tro­draht gesi­cher­ten Wei­de­zaun durch­bro­chen, sei auf die Stu­te zuge­lau­fen und dann mit den Vor­der­hu­fen auf sie gestie­gen. Auf­grund die­ses Vor­falls hat der Klä­ger von der Beklag­ten Scha­dens­er­satz in Höhe eines Teil­be­tra­ges von 40.000 € ver­langt. Sein Scha­dens­er­satz­ver­lan­gen blieb in der ers­ten Instanz vor dem Land­ge­richt Bochum erfolg­los.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm aus­ge­führt, dass es dahin­ste­hen kön­ne, ob die Stu­te des Klä­gers durch den von ihm behaup­te­ten "hengs­ti­schen" Aus­bruch des Wal­lachs ver­letzt wor­den sei. Selbst wenn man dies unter­stel­le, müs­se sich der Klä­ger ent­las­ten, weil er als Tier­hü­ter des Wal­lachs beauf­tragt gewe­sen sei. Als Tier­hü­ter habe er den Wal­lach beauf­sich­ti­gen und von ihm aus­ge­hen­de Gefah­ren abwen­den müs­sen. Des­we­gen müs­se er nach­wei­sen, dass er die Ent­ste­hung des Scha­dens nicht selbst ver­schul­det habe. Die­ser Nach­weis sei dem Klä­ger miss­lun­gen. Der von ihm und sei­ner Ehe­frau geschil­der­te Ablauf des in Fra­ge ste­hen­den Vor­falls sei u.a. nach den Aus­füh­run­gen des vom Ober­lan­des­ge­richt gehör­ten Sach­ver­stän­di­gen zwei­fel­haft. Nach dem Ergeb­nis einer Hor­mon­un­ter­su­chung sei mit gro­ßer Wahr­schein­lich­keit aus­zu­schlie­ßen, dass der Wal­lach auf­grund einer sexu­el­len Moti­va­ti­on erheb­li­che Hin­der­nis­se über­wun­den habe, um zu der Stu­te zu gelan­gen. Viel­mehr sei ein erheb­li­ches, eine Tier­hal­ter­haf­tung der Beklag­ten ver­drän­gen­des Ver­schul­den des Klä­gers denk­bar. Von einem sol­chen sei z.B. aus­zu­ge­hen, wenn der Wal­lach vor dem Vor­fall ohne aus­rei­chen­de Schutz­vor­keh­run­gen und trotz erkenn­ba­rer Unru­he mit der ihm zuvor nicht ver­trau­ten Stu­te auf einer Wei­de zusam­men­ge­führt wor­den sei.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Urteil vom 9. April 2013 – 24 U 112/​12