Der Hilfs­an­trag in der Beru­fung des Beklag­ten

Der wegen Zuer­ken­nung des Haupt­an­trags nicht beschie­de­ne Hilfs­an­trag des Klä­gers wird allein durch die Rechts­mit­tel­ein­le­gung des Beklag­ten Gegen­stand des Beru­fungs­ver­fah­rens (Bestä­ti­gung von BGH, Urteil vom 20. Sep­tem­ber 2004 – II ZR 264/​02, NJW-RR 2005, 220).

Der Hilfs­an­trag in der Beru­fung des Beklag­ten

In der Recht­spre­chung ist seit lan­gem aner­kannt, dass im Beru­fungs­ver­fah­ren der Hilfs­an­trag, der, wie hier, im ers­ten Rechts­zug nicht beschie­den wur­de, weil der Haupt­an­trag zuer­kannt wur­de, allein infol­ge der Ein­le­gung des Rechts­mit­tels durch den Beklag­ten zur Ent­schei­dung anfällt 1. Hier­von abzu­wei­chen, besteht auch unter Wür­di­gung ent­ge­gen ste­hen­der Lite­ra­tur­stim­men 2 kein Anlass 3. Denn zu den Grund­be­din­gun­gen des Kla­ge­ver­fah­rens, die auch im Rechts­mit­tel­zug wei­ter gel­ten (§ 525 ZPO), gehört es, dass der Klä­ger durch sei­ne Anträ­ge bestimmt, mit wel­chen Ansprü­chen sich das Gericht befas­sen muss. Die­se von dem Klä­ger zur Über­prü­fung gestell­ten Streit­ge­gen­stän­de kann der Beklag­te allein durch ein Aner­kennt­nis oder durch die Hin­nah­me einer Ver­ur­tei­lung, nie jedoch dadurch beschrän­ken, dass er Rechts­mit­tel ein­legt. Es besteht kei­ne Ver­an­las­sung, von dem Klä­ger, der in ers­ter Instanz voll obsiegt hat, die Ein­le­gung eines Rechts­mit­tels, auch nicht im Wege einer Even­tu­al­An­schlie­ßung, gegen ein zu sei­nen Guns­ten ergan­ge­nes Urteil zu ver­lan­gen, um die vol­le Über­prü­fung sei­nes unver­än­der­ten Kla­ge­be­geh­rens im Rechts­mit­tel­zug sicher­zu­stel­len 3. Eben­so wenig muss von dem Klä­ger erwar­tet wer­den, neben sei­nem Antrag auf Zurück­wei­sung der Beru­fung aus­drück­lich sei­nen Hilfs­an­trag zu wie­der­ho­len 4, denn die­ser ist, wie aus­ge­führt, mit dem Rechts­mit­tel des Beklag­ten bereits im nächs­ten Rechts­zug ange­fal­len.

Die Annah­me, die Klä­ge­rin habe den Hilfs­an­trag kon­klu­dent zurück­ge­nom­men, indem sie auf ihn nicht mehr "zurück­ge­kom­men" ist, schei­tert an § 269 Abs. 2 Satz 2 ZPO, der eine Erklä­rung in der münd­li­chen Ver­hand­lung oder die Ein­rei­chung eines Schrift­sat­zes ver­langt. Bei­des ist nicht erfolgt.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 18. Juli 2013 – III ZR 208/​12

  1. z.B. BGH, Urteil vom 20.09.2004 – II ZR 264/​02, NJW-RR 2005, 220 m.umfangr. N.; Musielak/​Ball, aaO § 528 Rn. 7; Zöller/​Heßler aaO § 528 Rn.20[]
  2. z.B. Münch­Komm-ZPO/Rim­mels­pa­cher aaO § 528 Rn. 46; Ober­heim in Prütting/​Gehrlein, ZPO, 4. Aufl., § 528 Rn.19 jeweils mwN[]
  3. BGH aaO[][]
  4. Zöller/​Heßler aaO[]