Der hin­rei­chend bestimm­te Kla­ge­an­trag

Ein Kla­ge­an­trag ist im Sin­ne von § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO hin­rei­chend bestimmt [1], wenn er

Der hin­rei­chend bestimm­te Kla­ge­an­trag
  • den erho­be­nen Anspruch kon­kret bezeich­net,
  • dadurch den Rah­men der gericht­li­chen Ent­schei­dungs­be­fug­nis (§ 308 ZPO) absteckt,
  • Inhalt und Umfang der mate­ri­el­len Rechts­kraft der begehr­ten Ent­schei­dung (§ 322 ZPO) erken­nen lässt,
  • das Risi­ko eines Unter­lie­gens des Klä­gers nicht durch ver­meid­ba­re Unge­nau­ig­keit auf den Beklag­ten abwälzt und schließ­lich
  • eine Zwangs­voll­stre­ckung aus dem Urteil ohne eine Fort­set­zung des Streits im Voll­stre­ckungs­ver­fah­ren erwar­ten lässt.

Wel­che Anfor­de­run­gen an die Kon­kre­ti­sie­rung des Streit­ge­gen­stands in einem Kla­ge­an­trag zu stel­len sind, hängt jedoch auch von den Beson­der­hei­ten des anzu­wen­den­den mate­ri­el­len Rechts und den Umstän­den des Ein­zel­falls ab. Die Anfor­de­run­gen an die Bestimmt­heit des Kla­ge­an­trags sind danach in Abwä­gung des zu schüt­zen­den Inter­es­ses des Beklag­ten, sich gegen die Kla­ge erschöp­fend ver­tei­di­gen zu kön­nen, sowie sei­nes Inter­es­ses an Rechts­klar­heit und Rechts­si­cher­heit hin­sicht­lich der Ent­schei­dungs­wir­kun­gen mit dem eben­falls schutz­wür­di­gen Inter­es­se des Klä­gers an einem wirk­sa­men Rechts­schutz fest­zu­le­gen [2].

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 13. Okto­ber 2015 – VI ZR 271/​14

  1. vgl. BGH, Urteil vom 20.03.2008 – IX ZR 104/​05, NJW 2008, 2647 Rn. 21 mwN[]
  2. BGH, Urteil vom 28.11.2002 – I ZR 168/​00, BGHZ 153, 69, 75 f. mwN[]