Der Hotel­gast und die schlag­kräf­ti­ge Rei­ni­gungs­kraft

Wenn die Rein­gungs­kraft eines Hotels auf­grund eines Miss­ver­ständ­nis­ses unter Zufü­gung von Ver­let­zun­gen einen Hotel­gast gewalt­sam am Betre­ten des Hotels hin­dert, hat der Besit­zer des Hotels sei­ne ver­trag­li­chen Pflich­ten gegen­über sei­nen Gäs­ten dadurch ver­letzt, dass er die Rei­ni­gungs­kraft nicht aus­rei­chend über die zu erwar­ten­de Rück­kehr der Gäs­te unter­rich­tet und sie inso­weit zutref­fend ange­wie­sen hät­te.

Der Hotel­gast und die schlag­kräf­ti­ge Rei­ni­gungs­kraft

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Inha­ber eines Och­tru­per Hotels zur Zah­lung von Scha­dens­er­satz und Schmer­zens­geld ver­pflich­tet – unter Abän­de­rung der erst­in­stanz­li­chen Ent­schei­dung des Land­ge­richts Müns­ter. Gemein­sam mit einem Bekann­ten war der Klä­ger im Dezem­ber 2005 Gast im Hotel der Beklag­ten. Nach dem Besuch einer Weih­nachts­fei­er kehr­ten der Klä­ger und sein Bekann­ter alko­ho­li­siert zum Hotel zurück und ver­such­ten, mit einem ihnen zuvor vom Beklag­ten zu die­sem Zweck über­las­se­nen Schlüs­sel ins Gebäu­de zu gelan­gen. Ihnen stell­te sich eine der deut­schen Spra­che nicht mäch­ti­ge Rei­ni­gungs­kraft ent­ge­gen, die sie für Ein­dring­lin­ge hielt. Im Zuge der Aus­ein­an­der­set­zung füg­te der Hotel­mit­ar­bei­ter dem Bekann­ten des Klä­gers mit einem Mes­ser töd­li­che Ver­let­zun­gen zu. Der Klä­ger erlitt meh­re­re Stich­ver­let­zun­gen und Prel­lun­gen, für die er von den Beklag­ten Scha­dens­er­satz begehrt hat. Die Beklag­ten haben gemeint, ihnen sei kei­ne Pflicht­ver­let­zung vor­zu­wer­fen und die vor­sätz­li­che Gewalt­tat der Rei­ni­gungs­kraft nicht zuzu­rech­nen.

Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Hamm hät­ten die Beklag­ten ihre ver­trag­li­chen Pflich­ten gegen­über ihren Gäs­ten ver­letzt, weil sie die Rei­ni­gungs­kraft nicht aus­rei­chend über die zu erwar­ten­de Rück­kehr der Gäs­te unter­rich­tet und sie inso­weit zutref­fend ange­wie­sen hät­ten. Auch die vor­sätz­li­che Gewalt­tat der Rei­ni­gungs­kraft sei ihnen zuzu­rech­nen, da ihre Pflicht­ver­let­zung die Gefahr einer in einem gewalt­sa­men Streit enden­den Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen der Rei­ni­gungs­kraft und den Gäs­ten gestei­gert habe, was auch vor­aus­seh­bar gewe­sen sei. Die Sprach- und Ver­stän­di­gungs­schwie­rig­kei­ten der Rei­ni­gungs­kraft sei­en den Beklag­ten bekannt gewe­sen. Dem Hotel­gast ist ein Schmer­zens­geld in Höhe von 6.500 € zuge­spro­chen wor­den.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Urteil vom 7. Novem­ber 2012 – I-30 U 80/​11