Der Hun­de­biss am Hun­de­strand

Ver­letzt sich eine Hun­de­hal­te­rin, indem sie ohne Schutz­vor­rich­tung in einer brenz­li­gen Aus­ein­an­der­set­zung ihres Hun­des mit einem zwei­ten ein­greift, muss sie sich ein Mit­ver­schul­den von 80 % anrech­nen las­sen.

Der Hun­de­biss am Hun­de­strand

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Olden­burg in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Beru­fung einer Hun­de­hal­te­rin zurück­ge­wie­sen und die Ent­schei­dung des Land­ge­richts Olden­burg bestä­tigt, nach der der Klä­ge­rin ein Schmer­zens­geld in Höhe von 800 Euro zusteht. Im Ammer­land, im Beach­club Nethen, waren zwei Frau­en mit ihren Hun­den am Hun­de­strand spa­zie­ren. Die Hun­de gerie­ten in eine Aus­ein­an­der­set­zung. Die Klä­ge­rin ver­such­te ein­zu­grei­fen. Ihrer Schil­de­rung zufol­ge griff sie ihrem Hund in den Nacken, um ihn von dem ande­ren Hund zu tren­nen. Dabei habe sie weder direkt vor die Schnau­ze des ande­ren Hun­des gegrif­fen, noch den vor­de­ren Hals­be­reich ihres Hun­des umfasst. Trotz­dem wur­de sie vom Hund der Beklag­ten in den lin­ken Unter­arm gebis­sen und erlitt meh­re­re blu­ti­ge Biss­ver­let­zun­gen, die bei einer sta­tio­nä­ren Auf­nah­me im Kran­ken­haus genäht wer­den muss­ten. Sie hat nach wie vor eine Nar­be. Auf­grund die­ses Vor­falls hat sie ein Schmer­zens­geld von min­des­tens 4.000 Euro ein­ge­klagt. Denn grund­sätz­lich gilt, dass ein Hun­de­hal­ter für die soge­nann­te „Tier­ge­fahr“ sei­nes Hun­des haf­tet. Vom Land­ge­richt Olden­burg hat sie ein Schmer­zens­geld in Höhe von 800 Euro zuge­spro­chen bekom­men. Dage­gen hat sie sich mit der Beru­fung gewehrt.

In sei­ner Ent­schei­dungs­be­grün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Olden­burg aus­ge­führt, dass die Klä­ge­rin sich ein Mit­ver­schul­den von 80 % anrech­nen las­sen müs­se. Denn sie müs­se sich zum einen die Tier­ge­fahr ihres eige­nen Hun­des zurech­nen las­sen, auch wenn die­se weni­ger schwer wie­ge, als die Tier­ge­fahr des Hun­des, der sie gebis­sen habe. Dane­ben begrün­de aber auch ihr eige­nes Ver­hal­ten ein Mit­ver­schul­den. Es sei in hohem Maße leicht­fer­tig, in eine brenz­li­ge Aus­ein­an­der­set­zung zwei­er angriffs­lus­ti­ger Hun­de ohne Schutz­vor­rich­tung ein­zu­grei­fen. Dies habe die Klä­ge­rin letzt­lich auch selbst ein­ge­se­hen und daher im Rah­men einer „WhatsApp“-Nachricht an die Beklag­te ein­ge­räumt, man sol­le „in ein Hun­de­ge­fecht nicht ein­schrei­ten“. Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts sei daher ein Schmer­zens­geld von 800 Euro – wie vom Land­ge­richt zuge­spro­chen – jeden­falls nicht zu nied­rig.

Ober­lan­des­ge­richt Olden­burg, Beschluss vom 3. Sep­tem­ber 2019 – 5 U 114/​19