Der Insol­venz­ver­merk im Grund­buch

Ein Insol­venz­ver­merk ist auch dann in das Grund­buch ein­zu­tra­gen, wenn das Grund­stück im Eigen­tum einer Erben­ge­mein­schaft steht und das Insol­venz­ver­fah­ren über das Ver­mö­gen eines der Mit­er­ben eröff­net wird.

Der Insol­venz­ver­merk im Grund­buch

Ein Insol­venz­ver­merk ist gemäß § 32 Abs. 1 InsO auch dann in das Grund­buch ein­zu­tra­gen, wenn das Grund­stück (teil­wei­se) im Eigen­tum einer – nicht rechts­fä­hi­gen 1 – Erben­ge­mein­schaft steht und das Insol­venz­ver­fah­ren über das Ver­mö­gen eines der Mit­er­ben eröff­net wird.

Zwar ist die Vor­schrift des § 32 Abs. 1 Nr. 1 InsO, wonach die Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens bei Grund­stü­cken, als deren Eigen­tü­mer der Schuld­ner ein­ge­tra­gen ist, in das Grund­buch auf­zu­neh­men ist, nicht unmit­tel­bar anwend­bar. Denn als Mit­glied einer unge­teil­ten Erben­ge­mein­schaft steht dem ein­zel­nen Mit­er­ben kei­ne unmit­tel­ba­re ding­li­che Berech­ti­gung an einem zum Nach­lass gehö­ren­den Grund­stück zu 2. Dem ent­spricht es, dass nicht sein Anteil an den Nach­lass­ge­gen­stän­den in die Insol­venz­mas­se fällt, son­dern sein Erb­an­teil, und dass die zu die­sem Anteil gehö­ren­den Mit­wir­kungs- und Ver­fü­gungs­rech­te bei der Ver­wal­tung und der Aus­ein­an­der­set­zung des Nach­las­ses auf den Insol­venz­ver­wal­ter über­ge­hen 3.

Zu Recht nimmt die nahe­zu ein­hel­li­ge Auf­fas­sung aber an, dass § 32 Abs. 1 InsO ent­spre­chend anzu­wen­den ist, wenn dem Schuld­ner das Eigen­tum an einem Grund­stück in Erben­ge­mein­schaft, also gesamt­hän­de­risch gebun­den zusteht 4. Zweck der Vor­schrift ist es, die Insol­venz­mas­se vor Beein­träch­ti­gun­gen durch einen gut­gläu­bi­gen Erwerb zu schüt­zen, indem die Ver­fü­gungs­be­schrän­kun­gen, denen der Insol­venz­schuld­ner unter­liegt (§ 80 Abs. 1, § 81 Abs. 1 InsO), im Grund­buch ver­laut­bart wer­den. Da der öffent­li­che Glau­be des Grund­buchs auch das Feh­len von nicht ein­ge­tra­ge­nen Ver­fü­gungs­be­schrän­kun­gen des Berech­tig­ten über ein Grund­buch ein­ge­tra­ge­nes Recht umfasst (§ 892 Abs. 1 Satz 2 BGB i.V.m. § 81 Abs. 1 Satz 2, § 91 Abs. 2 InsO), könn­te andern­falls ein Drit­ter, dem die Beschrän­kung unbe­kannt ist, das Grund­stücks­ei­gen­tum oder Rech­te an dem Grund­stück von dem Insol­venz­schuld­ner erwer­ben.

Die­sel­be Gefahr ist gege­ben, wenn der Insol­venz­schuld­ner Mit­be­rech­tig­ter einer Erben­ge­mein­schaft ist, wel­cher das Eigen­tum an einem Grund­stück zusteht. Da alle Mit­er­ben gemein­sam über das Grund­stück ver­fü­gen kön­nen (§ 2040 Abs. 1 BGB), wäre es dem Schuld­ner ohne Ein­tra­gung eines Insol­venz­ver­merks mög­lich, an gemein­schaft­li­chen Ver­fü­gun­gen über das Grund­stück unter Umge­hung des Insol­venz­ver­wal­ters mit­zu­wir­ken. Um auch für die­sen Fall die Mög­lich­keit eines gut­gläu­bi­gen Erwerbs eines Drit­ten gemäß § 892 Abs. 1 Satz 2 BGB zu ver­hin­dern, bedarf es der Ein­tra­gung eines Insol­venz­ver­merks.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 19. Mai 2011 – V ZB 197/​10

  1. BGH, Beschluss vom 17.10.2006 – VIII ZB 94/​05, NJW 2006, 3715[]
  2. BGH, Urteil vom 17.11.2000 – V ZR 487/​99, WM 2001, 477, 478; BGH, Beschluss vom 24.01.2001 – IV ZB 24/​00, BGHZ 146, 310, 315[]
  3. vgl. Uhlenbruck/​Hirte, InsO, 13. Aufl., § 35 Rn. 161; HKInsO/​Kirchhof, 04. Aufl., § 32 Rn. 5[]
  4. vgl. OLG Dres­den, ZIn­sO 2005, 1220; LG Duis­burg, Rpfle­ger 2006, 465; LG Des­sau, ZIn­sO 2001, 626; HK-InsO/­Kirch­hof, 4. Aufl., § 32 Rn. 5; Uhlen­bruck, InsO, 13. Aufl., § 32 Rn. 5; Münch­Komm-InsO/­Schmahl, 2. Aufl., § 32 Rn. 19; Jaeger/​Schilken, InsO, § 32 Rn. 8; Kes­se­ler, EWiR 2006, 597; aA Bauer/v.Oefele, GBO, 02. Aufl., § 38 Rn. 71; zur Ein­tra­gung eines Pfän­dungs­ver­merks bei Ver­pfän­dung des Erb­an­teils sie­he auch BayO­bLGZ 59, 50; OLG Hamm, OLGZ 77, 283, 286; OLG Frank­furt, Rpfle­ger 1979, 205; Schöner/​Stöber, Grund­buch­recht, 14. Aufl., Rn. 1661[]