Der Insol­venz­ver­wal­ter und die Geneh­mi­gungs­fik­ti­on bei Last­schrif­ten

Eine im Ein­zie­hungs­er­mäch­ti­gungs­ver­fah­ren über das Kon­to des Schuld­ners mit­tels Last­schrift bewirk­te Zah­lung wird wirk­sam geneh­migt, wenn der mit einem Zustim­mungs­vor­be­halt aus­ge­stat­te­te vor­läu­fi­ge Insol­venz­ver­wal­ter eine nach Nr. 7 Abs. 4 AGB-Spar­kas­sen a.F. fin­gier­te Geneh­mi­gung des Schuld­ners ent­we­der nach Ablauf der dort bestimm­ten Sechs-Wochen-Frist geneh­migt oder ihr vor dem Ablauf der Frist zustimmt. Eine sol­che Erklä­rung ist gegen­über dem Schuld­ner oder der Schuld­ner­bank (Zahl­stel­le), nicht aber gegen­über dem Zah­lungs­emp­fän­ger abzu­ge­ben.

Der Insol­venz­ver­wal­ter und die Geneh­mi­gungs­fik­ti­on bei Last­schrif­ten

Eine von dem Schuld­ner im Last­schrift­weg ver­an­lass­te Zah­lung gilt als geneh­migt, wenn ihr der danach bestell­te, mit einem Zustim­mungs­vor­be­halt aus­ge­stat­te­te vor­läu­fi­ge Insol­venz­ver­wal­ter bis zum Ablauf der Sechs-Wochen-Frist nach Nr. 7 Abs. 4 AGB-Spar­kas­sen a.F. nicht wider­spricht [1].

Im Fal­le einer Abbu­chung auf­grund einer Ein­zie­hungs­er­mäch­ti­gung liegt die nach § 130 InsO anzu­fech­ten­de Rechts­hand­lung in der Geneh­mi­gung des Schuld­ners, die einen mehr­ak­ti­gen Zah­lungs­vor­gang abschließt [2]. Maß­geb­lich für die Anwend­bar­keit von § 130 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 InsO ist der Zeit­raum zwi­schen Eröff­nungs­an­trag und Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens [3]. Eine Geneh­mi­gung ist wäh­rend die­ses Zeit­raums durch den Ein­tritt der Geneh­mi­gungs­fik­ti­on in Nr. 7 Abs. 4 AGB-SpK erfolgt. Deren Wirk­sam­keit war zwar von der Zustim­mung oder Geneh­mi­gung sei­tens des mit einem Zustim­mungs­vor­be­halts aus­ge­stat­te­ten vor­läu­fi­gen Insol­venz­ver­wal­ters abhän­gig. Von einer sol­chen ist hier aber aus­zu­ge­hen.

Die Geneh­mi­gung ist nicht schon von der Schuld­ne­rin vor der Stel­lung des Eröff­nungs­an­trags kon­klu­dent erteilt wor­den.

Eine kon­klu­den­te Geneh­mi­gung kommt ins­be­son­de­re dann in Betracht, wenn es sich für die Zahl­stel­le erkenn­bar um regel­mä­ßig wie­der­keh­ren­de Last­schrif­ten etwa aus Dau­er­schuld­ver­hält­nis­sen oder lau­fen­den Geschäfts­be­zie­hun­gen han­delt [4]. Erhebt der Schuld­ner in Kennt­nis eines erneu­ten Last­schrift­ein­zugs, der den bereits geneh­mig­ten nicht wesent­lich über­steigt, gegen die­sen nach einer ange­mes­se­nen Über­le­gungs­frist kei­ne Ein­wen­dun­gen, so kann auf Sei­ten der Zahl­stel­le die berech­tig­te Erwar­tung ent­ste­hen, auch die­se Belas­tungs­bu­chung sol­le Bestand haben [5]. Die­se Vor­aus­set­zun­gen lagen in dem vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall jedoch nicht vor, da der Abbu­chung eine ein­ma­li­ge Abrech­nung zugrun­de lag.

Auch hat­te der Klä­ger als vor­läu­fi­ger Insol­venz­ver­wal­ter einer Geneh­mi­gung der Belas­tungs­bu­chung durch den Schuld­ner nicht aus­drück­lich in rechts­wirk­sa­mer Wei­se zuge­stimmt. Zwar hat die­ser in einem Schrei­ben an die Gläu­bi­ge­rin einer Geneh­mi­gung der Belas­tungs­bu­chung durch die Schuld­ne­rin zuge­stimmt. Eine Zustim­mung des Ver­wal­ters kann nicht nur für eine aus­drück­li­che [6], son­dern auch für eine nur fin­gier­te Geneh­mi­gungs­er­klä­rung des Schuld­ners [7] erteilt wer­den. Eine Ver­fü­gung der Schuld­ne­rin, wel­cher der Klä­ger zustim­men konn­te, liegt in der Geneh­mi­gung der sei­tens der Beklag­ten ver­an­lass­ten Last­schrift. Im Ver­hält­nis zur Schuld­ne­rin galt die Geneh­mi­gungs­fik­ti­on nach Nr. 7 Abs. 4 AGB-SpK, weil die Schuld­ne­rin nach dem fest­ge­stell­ten Sach­ver­halt der Belas­tungs­bu­chung nicht wider­spro­chen hat. Die Erklä­rung des Insol­venz­ver­wal­ters konn­te mit­hin nur dahin zu ver­ste­hen sein, dass er schon vor Ein­tritt der Geneh­mi­gungs­fik­ti­on in Nr. 7 Abs. 4 AGB-SpK sei­ner­seits die vor­he­ri­ge Zustim­mung (Ein­wil­li­gung) zu die­ser nach § 183 Satz 1 BGB erteilt hat. Wird ein Zustim­mungs­vor­be­halt ange­ord­net, ist sowohl eine Ein­wil­li­gung als auch eine nach­träg­li­che Geneh­mi­gung (§ 184 Abs. 1 BGB) durch den vor­läu­fi­gen Insol­venz­ver­wal­ter mög­lich [8].

Eine wirk­sa­me Zustim­mung des Klä­gers als vor­läu­fi­ger Insol­venz­ver­wal­ter für die sei­tens der Schuld­ne­rin infol­ge Zeit­ab­laufs geneh­mig­te Belas­tungs­bu­chung schei­tert aber dar­an, dass sie nicht an den rich­ti­gen Emp­fän­ger adres­siert wor­den ist. Die Zustim­mung des Klä­gers zu der fin­gier­ten Geneh­mi­gung der Belas­tungs­bu­chung durch die Schuld­ne­rin hät­te ent­we­der gegen­über der Spar­kas­se oder gegen­über der Schuld­ne­rin erfol­gen müs­sen. Eine sol­che Zustim­mung ist weder fest­ge­stellt noch vor­ge­tra­gen. Statt des­sen ist die Zustim­mung gegen­über der Gläu­bi­ge­rin ver­laut­bart wor­den. Das ver­half der fin­gier­ten Geneh­mi­gung der Belas­tungs­bu­chung nicht zur Wirk­sam­keit.

Fehl geht dabei, so der Bun­des­ge­richts­hof, die recht­li­che Wür­di­gung, die Geneh­mi­gung habe nach § 185 Abs. 2 Satz 1, § 182 Abs. 1 BGB gegen­über der Beklag­ten wirk­sam erklärt wer­den kön­nen, weil eine durch einen Nicht­be­rech­tig­ten vor­ge­nom­me­ne Ver­fü­gung auch gegen­über dem­je­ni­gen geneh­migt wer­den kön­ne, zu des­sen Guns­ten sie vor­ge­nom­men wor­den sei. Weder hat die Beklag­te eine geneh­mi­gungs­fä­hi­ge Ver­fü­gung über das Kon­to der Schuld­ne­rin getrof­fen, noch war sie als Adres­sa­tin dar­an betei­ligt. Die Ein­zie­hungs­er­mäch­ti­gung begrün­det kei­ne Befug­nis, über das Kon­to des Schuld­ners zuguns­ten des Gläu­bi­gers zu ver­fü­gen, son­dern sie gestat­tet die­sem nur die Benut­zung eines von der Kre­dit­wirt­schaft ent­wi­ckel­ten tech­ni­schen Ver­fah­rens [9]. Erst in der Geneh­mi­gung der Last­schrift­bu­chung durch den Schuld­ner liegt die Ver­fü­gung. Die­se kann ent­we­der dar­in gese­hen wer­den, dass durch sie die von der Schuld­ner­bank als Nicht­be­rech­tig­te vor­ge­nom­me­ne und des­halb zunächst unwirk­sa­me Ver­fü­gung im Deckungs­ver­hält­nis wirk­sam wird [10] oder dass sie den gegen das Kre­dit­in­sti­tut gerich­te­ten Anspruch des Schuld­ners, der bei einem kre­di­to­ri­schen Kon­to auf Aus­zah­lung einer Ein­la­ge, bei einem debi­to­ri­schen Kon­to auf Aus­zah­lung eines Dar­le­hens geht, zum Erlö­schen bringt [11]. Wenn nach § 182 Abs. 1 BGB der zustim­mungs­be­rech­tig­te Drit­te, also der vor­läu­fi­ge Insol­venz­ver­wal­ter, die Ertei­lung oder Ver­wei­ge­rung der Zustim­mung sowohl gegen­über dem einen als auch dem ande­ren Teil des Rechts­ge­schäfts erklä­ren kann, so sind dies beim Last­schrift­ver­fah­ren in bei­den Fäl­len der ver­fü­gen­de Schuld­ner und das Kre­dit­in­sti­tut [12]. Der Gläu­bi­ger ist in kei­nem Fall an dem Rechts­ver­hält­nis betei­ligt.

Der vor­läu­fi­ge Insol­venz­ver­wal­ter hat die Belas­tungs­bu­chun­gen aber infol­ge Zeit­ab­laufs geneh­migt, weil die Geneh­mi­gungs­fik­ti­on in Nr. 7 Abs. 4 AGB-SpK auch gegen­über einem vor­läu­fi­gen Insol­venz­ver­wal­ter mit Zustim­mungs­vor­be­halt wirkt. Im Zuge der auch im Übri­gen erziel­ten Eini­gung [13] schließt sich damit der IX. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs im Ergeb­nis der Auf­fas­sung des XI. Zivil­se­nats an, wonach eine in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen der Kre­dit­in­sti­tu­te fin­gier­te Geneh­mi­gung nicht nur im Rechts­ver­hält­nis zum end­gül­ti­gen und vor­läu­fi­gen „star­ken“ Insol­venz­ver­wal­ter, son­dern auch gegen­über dem vor­läu­fi­gen Insol­venz­ver­wal­ter mit Zustim­mungs­vor­be­halt wirkt.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 30. Sep­tem­ber 2010 – IX ZR 178/​09

  1. Auf­ga­be von BGHZ 174, 84, 92 ff, Rn. 21 ff im Anschluss an BGHZ 177, 69, 81 ff Rn. 30 ff[]
  2. BGHZ 161, 49, 56; BGH, Urtei­le vom 29.05.2008 – IX ZR 42/​07, WM 2008, 1327, 1328 Rn. 11; und vom 02.04.2009 – IX ZR 171/​07, WM 2009, 958 Rn. 6[]
  3. BGH, Urteil vom 02.04.2009, aaO[]
  4. BGH, Urteil vom 20.07.2010 – XI ZR 236/​07, WM 2010, 1546, 1554 Rn. 48[]
  5. BGH, Urteil vom 20.07.2010, aaO[]
  6. BGHZ 174, 77, 92 Rn. 19; 177, 69, 81 Rn. 31[]
  7. OLG Köln NZI 2009, 111, 112 f; Uhlenbruck/​Vallender, InsO 13. Aufl. § 22 Rn. 208 b[]
  8. Uhlenbruck/​Vallender, aaO § 21 Rn. 24; Man­kow­ski NZI 2000, 572, 573[]
  9. BGHZ 167, 171, 173 f Rn. 11; BGH, Urteil vom 20.07.2010 – IX ZR 37/​09, WM 2010, 1543 Rn. 6[]
  10. BGHZ 177, 69, 81 Rn. 31[]
  11. Kirch­hof WM 2009, 337 f.[]
  12. Kirch­hof aaO S. 338, 339[]
  13. vgl. BGH, Urtei­le vom 20.07.2010 – IX ZR 37/​09, ZIP 2010, 1552; vom 20.07.2010 – IX ZR 236/​07, ZIP 2010, 1556[]