Der Insol­venz­ver­wal­ter und die Ver­gü­tungs­fest­set­zung für sei­nen Vor­gän­ger

Der Insol­venz­ver­wal­ter hat zur Abwehr unbe­rech­tig­ter Ver­gü­tungs­for­de­run­gen die Beschwer­de­be­fug­nis bei der Fest­set­zung der Ver­gü­tung des vor­läu­fi­gen Insol­venz­ver­wal­ters, eines frü­he­ren abge­wähl­ten oder ent­las­se­nen Insol­venz­ver­wal­ters oder eines Son­der­insol­venz­ver­wal­ters.

Der Insol­venz­ver­wal­ter und die Ver­gü­tungs­fest­set­zung für sei­nen Vor­gän­ger

Der Rechts­be­schwer­de­füh­rer ist gemäß § 21 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1, § 64 Abs. 3 Satz 1 InsO als Insol­venz­ver­wal­ter beschwer­de­be­fugt.

Aus der ent­spre­chen­den Anwen­dung des § 64 InsO für die Ver­gü­tung des vor­läu­fi­gen Ver­wal­ters ergibt sich zunächst, dass bei der Fest­set­zung der Ver­gü­tung des vor­läu­fi­gen Ver­wal­ters die­ser selbst beschwer­de­be­fugt ist. § 64 Abs. 3 Satz 1 InsO ist jedoch in sei­nem Wort­laut nicht ein­schrän­kend dahin aus­zu­le­gen, dass der (end­gül­ti­ge) Ver­wal­ter in die­sem Fall nicht beschwer­de­be­fugt wäre. Der Ver­wal­ter hat kraft Amtes die Ver­mö­gens­für­sor­ge für die Mas­se wahr­zu­neh­men, § 80 Abs. 1 InsO. Er hat des­halb unbe­rech­tig­te Ver­gü­tungs­for­de­run­gen des vor­läu­fi­gen Insol­venz­ver­wal­ters, frü­he­rer abge­wähl­ter oder ent­las­se­ner Insol­venz­ver­wal­ter (§§ 57, 59 InsO) oder eines Son­der­insol­venz­ver­wal­ters abzu­weh­ren und die Inter­es­sen der Mas­se gege­be­nen­falls durch die Ein­le­gung von Rechts­mit­teln zu wah­ren 1.

Eben­so wie die Fra­ge der Statt­haf­tig­keit ist die Fra­ge der Beschwer­de­be­fug­nis vom Rechts­be­schwer­de­ge­richt immer zu prü­fen. Nur wenn sie bejaht wird, kann es zu der wei­te­ren Prü­fung kom­men, ob die Vor­aus­set­zun­gen des § 574 Abs. 2 ZPO gege­ben sind. Ist schon die Statt­haf­tig­keit oder die Beschwer­de­be­fug­nis zu ver­nei­nen, kommt es nicht mehr zur Prü­fung des § 574 Abs. 2 ZPO, und zwar auch dann, wenn die Fra­ge der Statt­haf­tig­keit oder der Beschwer­de­be­fug­nis (oder der Form oder Frist) von grund­sätz­li­cher Bedeu­tung ist 2.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 27. Sep­tem­ber 2012 – IX ZB 276/​11

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 10.11.2005 – IX ZB 168/​04, ZIP 2006, 93 Rn. 2, 3; HK-InsO/Eick­mann, 6. Aufl., § 64 Rn. 10; Hmb­Komm-InsO/Bütt­ner, 4. Aufl. § 64 Rn. 12c; Smid, ZIn­sO 2009, 650, 651 f[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 29.05.2002 – V ZB 11/​02, BGHZ 151, 42, 43 f[]