Der Kan­ni­ba­le von Roten­burg

Der Spiel­film über „Kan­ni­ba­len von Roten­burg” darf nach einem heu­te ver­kün­de­ten Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs gezeigt wer­den.

Der Kan­ni­ba­le von Roten­burg

Der Klä­ger ist durch Pres­se­be­rich­te über sei­ne Tat als „Kan­ni­ba­le von Roten­burg” bekannt und rechts­kräf­tig wegen Mor­des zu einer lebens­lan­gen Frei­heits­stra­fe ver­ur­teilt wor­den. Er hat­te im März 2001 einen Men­schen getö­tet, den Kör­per aus­ge­nom­men, zer­legt, ein­ge­fro­ren und in der Fol­ge­zeit teil­wei­se ver­zehrt. Die Beklag­te hat auf der Grund­la­ge der Tat einen als „Real-Hor­ror­film” bewor­be­nen Spiel­film mit dem Titel „Roh­ten­burg” pro­du­ziert. Lebens­ge­schich­te und Per­sön­lich­keits­merk­ma­le der Haupt­fi­gur des Films sowie die Dar­stel­lung des Tat­her­gangs ent­spre­chen nahe­zu detail­ge­nau dem rea­len Gesche­hens­ab­lauf und der tat­säch­li­chen Bio­gra­phie des Klä­gers, der sei­ner­seits mit einer Pro­duk­ti­ons­ge­sell­schaft einen Ver­trag über die „umfas­sen­de, exklu­si­ve und welt­wei­te Ver­wer­tung” sei­ner Lebens­ge­schich­te geschlos­sen hat.

Der Klä­ger begehrt Unter­las­sung der Vor­füh­rung und Ver­wer­tung des Films. Sei­ne Kla­ge hat­te in bei­den Vor­in­stan­zen vor dem Land­ge­richt Kas­sel und dem Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main Erfolg. Auf die Revi­si­on der Beklag­ten hat nun jedoch der Bun­des­ge­richts­hof das Beru­fungs­ur­teil auf­ge­ho­ben und die Kla­ge abge­wie­sen.

Zwar kön­ne, so der BGH, der Film den Klä­ger als Per­son erheb­lich belas­ten, weil er die Tat auf stark emo­tio­na­li­sie­ren­de Wei­se erneut in Erin­ne­rung rufe. Als Ergeb­nis der gebo­te­nen Abwä­gung zwi­schen den Rech­ten des Klä­gers und der zuguns­ten der Beklag­ten strei­ten­den Kunst- und Film­frei­heit müs­se das Per­sön­lich­keits­recht des Klä­gers jedoch zurück­ste­hen. Auch bestehe an der Tat ein Infor­ma­ti­ons­in­ter­es­se der Öffent­lich­keit. Der Spiel­film ent­hal­te kei­ne Ver­frem­dun­gen oder Ent­stel­lun­gen und stel­le den Ach­tungs­an­spruch des Klä­gers als Mensch nicht in Fra­ge. Zwar berühr­ten die Dar­stel­lun­gen den beson­ders schutz­wür­di­gen Kern der Pri­vat­sphä­re des Klä­gers. Weil die­se Infor­ma­tio­nen sich unmit­tel­bar auf die Tat und die Per­son des Täters bezö­gen, dürf­ten aber auch sol­che Details geschil­dert wer­den. Über­dies sei­en sämt­li­che Ein­zel­hei­ten der Öffent­lich­keit auch durch Mit­wir­kung des Klä­gers bereits bekannt gewe­sen. Dass die Dar­stel­lung neue oder zusätz­li­che nach­tei­li­ge Fol­gen für den Klä­ger – ins­be­son­de­re im Hin­blick auf sei­ne Reso­zia­li­sie­rung – hät­te, habe er nicht dar­ge­tan.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 26. Mai 2009 – VI ZR 191/​08