Der Knall­kör­per auf der Fuß­ball­tri­bü­ne

Mit wel­chem Anteil hat der Zuschau­er eines Fuß­ball­spiels dem ver­an­stal­ten­den Ver­ein die die­sem wegen des Zün­dens eines Knall­kör­pers durch den Zuschau­er auf­er­leg­te Ver­bands­stra­fe als Scha­dens­er­satz zu erstat­ten hat, wenn die Stra­fe zugleich für ande­re Vor­fäl­le ver­hängt wor­den ist?

Der Knall­kör­per auf der Fuß­ball­tri­bü­ne

Mit die­ser Fra­ge hat­te sich jetzt der Bun­des­ge­richts­hof in einem Fall des 1. FC Köln zu beschäf­ti­gen: Die Klä­ge­rin betreibt den Pro­fi­fuß­ball­be­reich des 1. FC Köln. Sie ver­langt von dem beklag­ten Fuß­ball­fan Scha­dens­er­satz wegen des Zün­dens eines Knall­kör­pers bei einem Heim­spiel im Rhein­Ener­gie­Sta­di­on in der 2. Bun­des­li­ga gegen den SC Pader­born 07 am 9. Febru­ar 2014. Wegen die­ses Vor­falls und wei­te­rer vor­an­ge­gan­ge­ner Vor­fäl­le bei ande­ren Spie­len der Lizenz­spie­ler­mann­schaft der Klä­ge­rin ver­häng­te das Sport­ge­richt des Deut­schen Fuß­ball-Bun­des e.V. (DFB) eine Ver­bands­stra­fe gegen den Ver­ein, u.a. bestehend aus einer Geld­stra­fe in Höhe von 50.000 € sowie der Bewäh­rungs­auf­la­ge, wei­te­re 30.000 € für Pro­jek­te und Maß­nah­men zu ver­wen­den, die der Gewalt­prä­ven­ti­on sowie der Ermitt­lung von kon­kre­ten Tätern bei den Fuß­ball­spie­len des 1. FC Köln die­nen. Unter Anrech­nung einer bereits frü­her vom 1. FC Köln getä­tig­ten Auf­wen­dung für ein Kame­ra­sys­tem ver­blie­ben 60.000 €, die gezahlt wur­den. In der Fol­ge ver­lang­te der 1. FC Köln von dem Fuß­ball­fan Ersatz in Höhe von 30.000 €.

Das Land­ge­richt Köln hat­te der Kla­ge statt­ge­ge­ben1. Auf die Beru­fung des Fuß­ball­fans hat­te dage­gen das Ober­lan­des­ge­richt Köln die Kla­ge abge­wie­sen2. Durch Urteil vom 22. Sep­tem­ber 20163 hat der Bun­des­ge­richts­hof die­ses Urteil auf­ge­ho­ben und die Sache an das Ober­lan­des­ge­richt zurück­ver­wie­sen. Das Ober­lan­des­ge­richt Köln hat den Fuß­ball­fan in der Fol­ge Zah­lung von 20.340 € ver­ur­teilt und die wei­ter­ge­hen­de Kla­ge abge­wie­sen4. Die hier­ge­gen vom 1. FC Köln erho­be­ne, vom OLG Köln im zwei­ten Beru­fungs­ur­teil zuge­las­se­ne Revi­si­on, mit der der Fuß­ball­ver­ein wei­ter­hin die Ver­ur­tei­lung zur Zah­lung von ins­ge­samt 30.000 € errei­chen woll­te, hat­te vor dem Bun­des­ge­richt­hof kei­nen Erfolg:

Der Bun­des­ge­richts­hof hat die Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Köln gebil­ligt, die allein noch im Streit ste­hen­de Höhe des Scha­dens­er­satz­an­spruchs bemes­se sich danach, in wel­chem Maße sich die Pflicht­ver­let­zung des Fuß­ball­fans in der kon­kret ver­häng­ten und gezahl­ten Stra­fe nie­der­ge­schla­gen habe. Die­ses Maß erge­be sich aus dem Ver­hält­nis sei­ner Stra­fe zur Sum­me der für die ein­zel­nen Vor­fäl­le in der Ver­bands­stra­fe (fik­tiv) ange­setz­ten Ein­zel­stra­fen. Das sei­en hier 40.000 €: 118.000 €, da für die ein­zel­nen Vor­fäl­le Stra­fen von 20.000 €, 20.000 €, 38.000 € und 40.000 € (nur letz­te­re den hier ver­klag­ten Fuß­ball­fan betref­fend), zusam­men also 118.000 € für ange­mes­sen erach­tet wur­den, wovon 60.000 € tat­säch­lich zu zah­len gewe­sen sei­en. Im Ergeb­nis sei der Anteil des Beklag­ten also 40.000 €/118.000 € von 60.000 € = 20.340 € (auf­ge­run­det).

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 9. Novem­ber 2017 – VII ZR 62/​17

  1. LG Köln, Urteil vom 08.04.2015 – 7 O 231/​14 []
  2. OLG Köln, Urteil vom 17.12.2015 – 7 U 54/​15 []
  3. BGH, Urteil vom 22.09.2016 – VII ZR 14/​16 []
  4. OLG Köln, Urteil vom 09.03.2017 – 7 U 54/​15 []