Der mit der Annah­me­er­klä­rung leicht geän­der­te Ver­trags­text

Die Grund­sät­ze von Treu und Glau­ben erfor­dern, dass der Emp­fän­ger eines Ver­trags­an­ge­bots sei­nen davon abwei­chen­den Ver­trags­wil­len in der Annah­me­er­klä­rung klar und unzwei­deu­tig zum Aus­druck bringt 1.

Der mit der Annah­me­er­klä­rung leicht geän­der­te Ver­trags­text

Die­se Anfor­de­run­gen kön­nen im Ein­zel­fall nicht gewahrt sein, wenn der Emp­fän­ger eines schrift­li­chen Ange­bots an Stel­le des ursprüng­li­chen Tex­tes die von ihm vor­ge­nom­me­nen wesent­li­chen Ände­run­gen mit glei­chem Schrift­bild so in den Ver­trags­text ein­fügt, dass die­se nur äußerst schwer erkenn­bar sind, und in einem Begleit­schrei­ben der Ein­druck erweckt wird, er habe das Ange­bot unver­än­dert ange­nom­men.

Auf die­ser Grund­la­ge kann die Auf­fas­sung, der Anneh­men­de habe dem Anbie­ten­den wirk­sam ein neu­es Ver­trags­an­ge­bot unter­brei­tet, kei­nen Bestand haben. Auch im Rah­men von § 150 Abs. 2 BGB sind die Grund­sät­ze von Treu und Glau­ben anzu­wen­den. Die­se erfor­dern, dass der Emp­fän­ger eines Ver­trags­an­ge­bots, wenn er von dem Ver­trags­wil­len des Anbie­ten­den abwei­chen will, das in der Annah­me­er­klä­rung klar und unzwei­deu­tig zum Aus­druck bringt. Erklärt der Ver­trags­part­ner sei­nen vom Ange­bot abwei­chen­den Ver­trags­wil­len nicht hin­rei­chend deut­lich, kommt der Ver­trag zu den Bedin­gun­gen des Ange­bots zustan­de 2. So liegt der Fall hier.

Die Klä­ge­rin hat ihren Wil­len, von dem Ver­trags­an­ge­bot der Beklag­ten abzu­wei­chen, nicht klar und unzwei­deu­tig zum Aus­druck gebracht. Sie hat viel­mehr die von ihr gewünsch­ten ver­trag­li­chen Bestim­mun­gen anstel­le des ursprüng­li­chen Tex­tes mit glei­chem Schrift­bild so in den Ver­trags­ent­wurf der Beklag­ten ein­ge­fügt, dass der ver­blie­be­ne Text ledig­lich ganz gering­fü­gig und damit äußerst schwer erkenn­bar ver­scho­ben wur­de. Dies lässt dar­auf schlie­ßen, dass die Klä­ge­rin der Beklag­ten die abwei­chen­den Ver­trags­be­stim­mun­gen "unter­schie­ben" woll­te, indem sie den Ein­druck erweck­te, an dem Ver­trags­text kei­ne Ver­än­de­run­gen vor­ge­nom­men zu haben. Die­ser sich aus der text­li­chen Gestal­tung erge­ben­de Anschein wird durch das Begleit­schrei­ben der Klä­ge­rin vom 18.10.2010 bestä­tigt. Denn die Klä­ge­rin hat mit der von ihr gewähl­ten For­mu­lie­rung "anbei erhal­ten Sie die bei­den Exem­pla­re des Bau­ver­trags … unter­schrie­ben zu Ihrer Ver­wen­dung zurück" aus der Sicht eines objek­ti­ven Erklä­rungs­emp­fän­gers zum Aus­druck gebracht, das Ver­trags­an­ge­bot der Beklag­ten unver­än­dert ange­nom­men zu haben. Bei die­sem Sach­ver­halt kommt es nicht dar­auf an, dass die Ände­run­gen des Ver­trags­tex­tes ohne Wei­te­res hät­ten erkannt wer­den kön­nen, wenn die Beklag­te den von der Klä­ge­rin unter­zeich­ne­ten Ver­trags­text ins­ge­samt durch­ge­le­sen und mit ihrem Ver­trags­ent­wurf ver­gli­chen hät­te. Denn zu einer sol­chen Über­prü­fung bestand für die Beklag­te im Hin­blick auf den von der Klä­ge­rin ver­mit­tel­ten Ein­druck, sie habe das Ver­trags­an­ge­bot unver­än­dert unter­schrie­ben, kei­ne Ver­an­las­sung.

Da die Klä­ge­rin der Beklag­ten danach kein wirk­sa­mes neu­es Ange­bot unter­brei­tet hat, ist der Ver­trag zu den Bedin­gun­gen des (ursprüng­li­chen) Ange­bots zustan­de gekom­men.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 14. Mai 2014 – VII ZR 334/​12

  1. st. Rspr., vgl. BGH, Urteil vom 22.07.2010 – VII ZR 129/​09, BauR 2010, 1929 Rn. 26, NZBau 2010, 628[]
  2. BGH, Urtei­le vom 18.11.1982 – VII ZR 223/​80, BauR 1983, 252, 253; vom 11.05.2009 – VII ZR 11/​08, BGHZ 181, 47 Rn. 35; vom 22.07.2010 – VII ZR 129/​09, BauR 2010, 1929 Rn. 26 = NZBau 2010, 628[]